Der Hamster ist Zeuge (Medien)

H. Lamarr @, München, Montag, 30.04.2007, 23:44 (vor 4612 Tagen)

Volle drei Druckseiten widmet der Spiegel in der Druckausgabe 18/2007 ab Seite 154 den Mobilfunkkritikern. Schon die Überschrift Der Hamster ist Zeuge lässt erahnen, wo's lang geht. Die dunkle Ahnung bestätigt sich schnell: Dreh- und Angelpunkt des Artikels sind etliche Zitate von Dr. Waldmann-Selsam, der "Schutzpatronin" des Widerstands. Wie sich unschwer ausmalen lässt, sind die Sprüche von Waldmann-Selsam bestens dazu geeignet, die Gesamtheit der Kritiker in schräges Licht zu rücken. Die Botschaft des Beitrags ist eindeutig: Mobilfunkkritiker sind verbohrte weltfremde Exoten, die sich gerne reden hören, und die man zum Spielen am besten in den Sandkasten setzt.

Der Spiegel greift in seinem Beitrag einzig und allein die "fundametalistische" Seite der Mobilfunkkritik auf. Realos gibt es für den Spiegel nicht und schon gar nicht deren Kritik an den Fundis. Für ein Nachrichtenmagazin ist diese einseitige und daher tendenziöse Berichterstattung ein Armutszeugnis, mit fairer Berichterstattung hat dies nichts mehr zu tun. Hier wird nur Draufgehauen, nicht brutal mit dem Säbel, sondern elegant mit dem Florett, eben zielgruppengerecht. Und weil viele Entscheider auch den Spiegel lesen, wird der Beitrag schon die gewünschte Wirkung entfalten: Nämlich partielles Desinteresse in Chefetagen, wenn aufgeregte Mobilfunkkritiker auf den Plan treten und mit sinnleeren Fundi-Parolen unfreiwillig genau das bestätigen, was der Spiegel-Autor schreibt.

Ärgerlich, dass gesprächige Kritiker auch immer wieder treu-doof Auskünfte geben und überhaupt nicht merken, wie ihnen von Journalisten die Narrenkappe mit Glöckchen aufgesetzt wird. Dabei hätte gerade der Spiegel sofort Argwohn wecken müssen, denn als die SZ vor einigen Wochen mit der Titelseitenmeldung "Handys können Krebs auslösen" Staub aufwirbelte, überschlug sich der Spiegel geradezu darin, seine Leser mit demonstrativ aufgestelltem Kamm vom Gegenteil zu überzeugen.

Danke Frau Waldmann-Selsam, Sie haben der Gemeinschaft aller Mobilfunkkritiker wieder einmal einen prächtigen Bärendienst erwiesen. Belassen Sie es doch bitte zukünftig bei Hausbesuchen und laufen Sie weg, soweit Ihre Füsse Sie tragen, wenn ein Journalist Auskünfte von Ihnen möchte. Bitte! Sie tun sich und allen Kritikern damit einen großen Gefallen.

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Nachtrag vom 3. Mai, 20:00 Uhr: Der Artikel ist jetzt auch Online verfügbar

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Selbstdarstellung, Spiegel, Mobilfunkgeschädigte, Fallgeschichten, Desinteresse, Fundis, Leitmedien, Dworschak, Bühne


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