Dariusz' EHS-Projekt: versauen ihm "unechte" EHS die Resultate? (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Samstag, 23.04.2022, 23:36 (vor 222 Tagen) @ Dariusz Leszczynski

Success of this project will fully depend on how many EHS persons and their physicians will be willing to share what they know about EHS.

Die "elektrosensible Christine vom Niederrhein" teilt in dem Video freimütig mit, was sie über ihre eigene Situation weiß oder zu wissen glaubt. Ihr Gesprächspartner Alex Quint, der "Christine" die Bälle zuspielt, ist kein Wissenschaftler, sondern Vermögensberater und Edelmetallhändler und gemäß Psiram aktiver Teilnehmer der Truther-Szene. Alex Quint ist kein Markus Lanz, bohrendes Hinterfragen von phantastischen Behauptungen seiner Gegenüber kommt ihm deshalb nicht in den Sinn. Und weil an entscheidenden Stellen die Quellenlage nur vage angedeutet wird, ist eine nachträgliche Recherche praktisch nicht möglich. Abhängig von der Einstellung eines Betrachters zum Thema EHS muss man "Christine" entweder blind glauben, was sie zu berichten weiß, oder man bricht das Video nach ein paar Minuten genervt ab.

Ein Vermögensberater interviewt die "elektrosensible" Christine vom Niederrhein

"Christine" behauptet u.a., sie sei wegen ihrer extrem ausgeprägten EHS (NF & HF) von einer Amtsärztin arbeitsunfähig geschrieben worden. Irgendwie war sie dann aber Gegenstand einer Verhandlung vor einem Sozialgericht und wurde mehrfach begutachtet, wobei ihr angeblich eines der Gutachten, ein kritisches, nicht zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde. Nur durch Zufall habe sie es einsehen können. Weiter erzählt sie die wilde Geschichte von einer Provokationsstudie, die von der Bild-Zeitung unter dem Titel "Handystrahlung ungefährlich" verwurstet worden sei. Sie habe sich mit einem der Autoren in Verbindung gesetzt, weil sie der Ansicht ist, dass diese Studie wegen misslungenem Design nichts finden konnte. Der Wissenschaftler habe ihre Einschätzung rundheraus bestätigt! In dieser Art & Weise wälzt sich das Video rd. 1¾ Stunden dahin, Behauptung reiht sich an Behauptung und selbstverständlich hat "Christine" auch ein ganzes Bündel ärztlicher Atteste, die ihr EHS bescheinigen. Sie tritt weder schüchtern noch unsicher auf, sondern selbstgewiss und voller Tatendrang. Viele Details verraten, dass sie ihr Wissen über EHS Google zu verdanken hat. So erklärt sie allen Ernstes, ihre Symptome kämen u.a. vom "Verklumpen" ihrer roten Blutkörperchen unter EMF-Einfluss. Mutmaßlich hoffte "Christine" mit viel Googeln, vor Gericht eine überzeugende Figur abzugeben und die Richter zu beeindrucken.

Die Frage ist jetzt: Wie will Dariusz mit solchen EHS umgehen, die, mit Inbrunst haarsträubende Geschichten erzählen, dank Tante Google auf alles eine Antwort wissen und mit etlichen ärztlichen Attesten wedeln können? Ich meine damit Leute, die sich vorzeitig in den Ruhestand verabschieden wollen, sich im www deshalb fleißig schlau gemacht haben und sich so gegenüber Ärzten, Gutachtern und Wissenschaftlern als "echte" EHS ausgeben können, obwohl sie in Wirklichkeit "unechte" EHS sind. Oder anders gefragt: Wie will Dariusz ohne Test "echte" EHS von "unechten" sicher unterscheiden können? Ein ärztliches Attest taugt dazu nicht, da EHS sich bekanntlich auf anerkannte Weise nicht diagnostizieren lässt, sondern nur alternativmedizinisch oder pseudowissenschaftlich. Hier im Forum haben wir das Problem "echt" oder "unecht" nicht lösen können. Wenn Belpomme recht hat, sind 97,5 Prozent der EHS "unecht". Sollte das stimmen, sind von den rd. 120 EHS, die sich bislang bei Dariusz gemeldet haben, nur drei "echt" und eine genauere Untersuchung wert. Gelangen die 117 "unechten" jedoch bis in die genauere Untersuchung, verwässern sie deren Ergebnisse zur Unbrauchbarkeit. Nach allem, was bisher über Dariusz' EHS-Projekt bekannt ist, hat er aus meiner Sicht nicht vor, eine Vorselektion in wahrscheinlich "echte" und offensichtlich "unechte" EHS (z.B. anhand der Antworten auf den initialen Fragebogen) vorzunehmen. Darin sehe ich ein erhebliches Problem für die Validität seiner Ergebnisse. Allerdings hat Dariusz keine Details seines Projekts preisgegeben, so dass meine Befürchtung auch gegenstandslos sein kann, da davon auszugehen ist, dass dem Finnen die geschilderte Problematik durchaus klar ist.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
EHS, Schmarotzer, Gerücht, EHS-Test, Motivation, Geldrolleneffekt, Pseudowissenschaft, Alternativmedizin, Dohmen, Attest, Erwerbsminderungsrente, Prozeß, Alternativmedien, Quint


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