Spät, später, zu spät, "Kompetenzinitiative" (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Samstag, 28.02.2015, 00:49 (vor 1699 Tagen) @ KlaKla

Zunächst einmal finde ich es bemerkenswert, dass der Verein für Elektrosensible, München, nicht direkt auf die Website der sogenannten Kompetenzinitiative verlinkt, sondern den Umweg über den Dienst "Cleverreach" nimmt. Was das zu bedeuten hat lässt sich hier nachlesen. Einen ehrenwerten Grund für diese kommerzielle Form der Verlinkung kann ich noch immer nicht erkennen. Aber das ist jetzt nicht Thema.

Der folgende Link führt ohne befremdlichen Umweg direkt zu der sogenannten Stellungnahme der sogenannten Kompetenzinitiative (Ko-Ini), die anlässlich der Abstimmung des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) über den Umgang mit "Elektrosensibilität" zusammengedengelt wurde.

Im Tal der Tränen
Ich habe mir diese "Stellungnahme" durchgelesen und hatte große Mühe, bis zum Schluss durch zu halten. Aus meiner Sicht ist es das zermürbend belanglose Gejammere eines schlechten Verlierers. Oder anders gesagt: Diese Stellungnahme hat den Wert Null. Warum? Weil auch die Kompetenz der sogenannten Kompetenzinitiative in dieser Angelegenheit gegen Null geht. Das ist leicht daran fest zu machen, dass die Ko-Ini erst dann auf den Plan trat, als alles vorbei war und der EWSA längst abgestimmt hatte. Während der gesamten Diskussionsphase, die immerhin von Anfang November 2014 bis 7. Januar 2015 reichte, war von der Ko-Ini nichts zu hören und zu sehen. Jetzt, wo nichts mehr zu reißen ist, wird die Niederlage beweint und mit substanzlosem Gewäsch mühsam beerdigt. Es ist allerdings auch nicht ersichtlich, welchen Mehrwert die Ko-Ini in der Entwurfsphase hätte einbringen können.

Fakt ist: Es kann keine Rede davon sein, der siegreiche Gegenentwurf sei "in letzter Sekunde" vor der Abstimmung verfasst worden. Richtig ist: Bereits in der Fachgruppe TEN war der unqualifizierte Entwurf der vorgeschalteten Studiengruppe hart umstritten und schaffte dort am 7. Januar nur mit Mühe die Mehrheit, die zur Weitergabe des Entwurfs an das Plenum erforderlich war (Details: siehe unten Hintergrund). Noch am 7. Januar begann deshalb die Arbeit an dem Gegenentwurf, der noch vor der Plenarsitzung am 21./22. Januar den EWSA-Mitgliedern ausgehändigt wurde. Was sich so einfach anhört ist Schwerstarbeit für die Übersetzer gewesen, die alles in mehr als 20 EU-Sprachen übersetzen mussten.

Jammern um Mehrheitsentscheidung
Offensichtlich hat die Ko-Ini beträchtliche Schwierigkeiten, die auf beste demokratische Weise im EWSA gefundene Mehrheitsentscheidung zugunsten des Gegenentwurfs hinzunehmen. Mutmaßlich ist diese Niederlage für den Altherrenclub das Motiv gewesen, wenn schon keine Siegesmeldung, dann wenigstens eine ganz und gar überflüssige Duftmarke in die Welt zu setzen. Es war für die Ruhestandsvereinigung die letzte Gelegenheit, in dieser von ihr gründlich vermasselten Angelegenheit überhaupt noch einmal zu Wort zu kommen.

Unqualifiziert ist der von der Fachgruppe TEN abgenickte erste Entwurf, weil er unkritisch die bekannten Allgemeinplätze von Profiteuren der E-Smog-Angst formulierte, was sich in einer Häufung frei erfundener Behauptungen bemerkbar macht. Die Ko-Ini ist davon begeistert, denn auch sie kann es nicht besser. Besser konnte es Sir Richard Adams, Initiator des Gegenentwurfs, der ganz ohne barockes Geschwurbel auskommt und letztlich obsiegte.

Bauchgesteuert
Dass die Zustimmung zu Adams Gegenentwurf nicht größer war und immerhin 110 Gegenstimmen zustande kamen, ist erklärbar. Zum einen sind ungefähr 50 Prozent der EWSA-Mitglieder Frauen, die stärker als Männer zu subjektiven Entscheidungen neigen (Ach Gott, diese armen "Elektrosensiblen" ...). Zum andern wurden alle EWSA-Mitglieder von einer britischen "Elektrosensiblen" via Mail vorab mit "Material" versorgt. Ob diese gezielte Beeinflussung der EWSA-Mitglieder überhaupt rechtens ist wage ich wegen fehlender Transparenz zu bezweifeln. Wie dem auch sei, den beiden genannten Einflussgrößen schreibt einer, der am 21. Januar mit dabei war, die beträchtliche Anzahl von Gegenstimmen zu. Eigentlich erschreckend wenn man bedenkt, wie grottenschlecht die Alternative zum Gegenentwurf ist.

Der nächste Anlauf kommt bestimmt
Das Gejammere der Ko-Ini wird an der Niederlage vom 21. Januar 2015 nichts mehr ändern. Das wissen selbstverständlich auch die reifen Jungs um den reifen Karl Richter, sie spekulieren daher bereits auf den nächsten Anlauf im EWSA. Doch dazu müssen sie erst einmal einen Berichterstatter finden, der sich so einwickeln lässt, wie zuletzt der Spanier Bernardo Hernández Bataller. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass Bataller ein zweites mal das Risiko eingehen wird, eine so demütigende Niederlage einstecken zu müssen wie am 21. Januar 2015. Und weil auch andere Berichterstatter die harte Landung Batallers erleben konnten, wird es wohl ein Weilchen dauern, bis Gras über die Sache gewachsen ist und die Lobby der Elektrosmog-Profiteure einen neuen Versuch wagt, den EWSA nach Strich und Faden für dumm zu verkaufen. Solange sie dort auf Leute wie Sir Richard treffen, werden sie es freilich schwer haben.

Hintergrund
Chronik: Wie es zu der Stellungnahme des EWSA gekommen ist
EWSA/EESC empfiehlt: "Elektrosensibilität" soll erforscht werden

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kinderpost, Chronik, Ko-Ini, Jammern, EWSA, Goethe-Experte, Cleverreach


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