Hensinger und das "Asbest des 21. Jahrhunderts" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.01.2017, 17:54 (vor 1046 Tagen) @ KlaKla

... Die Europäische Umweltagentur bezeichnet den Mobilfunk als das Asbest des 21. Jahrhunderts

Peter Hensinger bringt mich mit seinen Darbietungen regelmäßig an den Rand der Bewusstlosigkeit. Wenn ein Esoteriker in 5 Minuten mehr Stuss erzählen kann, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann, dann muss der Unterschied zwischen überzeugtem Mobilfunkgegner und Esoteriker zuweilen gegen Null gehen. Ich finde es skandalös und peinlich, einem Mann wie Hensinger öffentliche Bühnen zu geben, auf denen er seine verschrobene persönliche Meinung zu Fragen des Mobilfunks in Gestalt von Tatsachenbehauptungen unwidersprochen verbreiten darf. Richtig ärgerlich ist: Wie viele Mobilfunkgegner hat sich auch Herr Hensinger gegen Sachkritik immunisiert, er behauptet daher sogar längst Widerlegtes unbeirrt weiter. Dies macht ihn ausgesprochen anstrengend.

Weder in der Original-Pressemitteilung der EEA (European Environment Agency) von 2007 findet sich die Behauptung Hensingers wieder, noch in Kapitel 23 des BioInitiative-Reports von 2007, das von einem Mitarbeiter der EEA (David Gee) beigesteuert wurde. Interessanterweise räumt die EEA in ihrer Pressemitteilung sogar ein, von EMF (elektromagnetische Felder) nicht allzu viel zu verstehen (Although the EEA does not have specific expertise in EMF ...). Solange Herr Hensinger also keine zutreffende Quelle nennt, behaupte ich daher: Er lügt, die EEA bezeichnete Mobilfunk nicht als das Asbest des 21. Jahrhunderts. Im Video weicht der Stuttgarter bei Minute 8:50 übrigens von seinem Manuskript ab und betont sogar noch, die EEA habe ihre Asbest-Wertung des Mobilfunks "offiziell" abgegeben. Wir dürfen also gespannt sein, welches Dokument Hensinger aus dem Hut zaubern wird, will er sich von mir nicht Lügner nennen lassen.

Wer sich ein bisschen mit Ämtern und Behörden auseinandergesetzt hat, weiß, solchen Auskunftgebern ist die Polemik fremd, die Hensinger bei der EEA gefunden haben will. Das liegt daran, dass von Beamten/Angestellten leidenschaftslos und objektiv während der Bürozeiten Für und Wider abgewogen wird, also das glatte Gegenteil von dem, was durchgeknallte Mobilfunkgegner üblicherweise zuwege bringen.

XXXXXXX, das Asbest des 21. Jahrhunderts

Die dramatische Floskel ist für allerlei Polemik gut zu gebrauchen, um selbst den Dümmsten ein angeblich tödliches Risiko vor Augen zu führen. Und, keine Frage, auch Geschäftemacher bedienen sich dieses roten Fähnchens:

Mit dem Schlachtruf Elektrosmog - Asbest des 21. Jahrhunderts warb ein Geschäftemacher 2013 für seine baubiologischen Dienstleistungen.

Is Wi-Fi the tobacco smoke of 21st century?, fragte 2007 die Website live mint und ersetzt Asbest gegen Tabak. Diese Variante ist Herrn Hensinger verwehrt, denn sein Verein, Diagnose-Funk pflegt enge Kontakte mit dem Ex-Tabaklobbyisten Dr. Franz Adlkofer.

Die Mainpost titelte 2016 Mobilfunkstrahlung: „Das Asbest des 21. Jahrhunderts“, um einen drögen Vortrag von Helga Krause medial zu verbraten. Randnotiz: Die fachlich grenzwertig beschlagene Elektrosmog-Alarmsirene des BUND schreibt in dem Artikel den Hirnschocker "Asbest des 21. Jahrhunderts" nicht etwa wie Hensinger der EEA zu, sondern einer "britischen Lehrervereinigung". Naja, Mobilfunkgegner waren schon immer widersprüchlich.

Dieselmotor: "Asbest des 21. Jahrhunderts", schreibt "Wolfgang" 2005 in einem Citroen-Forum.

Und last, but not least:

Das ist das Asbest des 21. Jahrhunderts, schimpft 2015 in Henstedt-Ulzburg FDP-Mann Holowaty, meint damit aber weder Elektrosmog noch Dieselautos, sondern die Wärmedämmung mit Styropor in einem Gymnasium des Ortes.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Unseriös, Gerücht, Lernresistenz, Falschmeldung, Lüge, Baden-Württemberg, Asbest, Media, Umweltagentur, Selbstverdummung, Fake-News, Halbwissen


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