Fact-Sheet-296-Skandal: Finale Oktober 2004 in Prag (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 05.02.2015, 00:52 (vor 2087 Tagen) @ H. Lamarr

Um deutlich zu machen, wie absurd die Darstellung von Frau Weber bezüglich der stittigen Äußerung van Deventers ist, will ich zum Abschluss dieses Strangs demnächst noch kurz auf das WHO-Dokument eingehen, das die wissenschaftliche Grundlage des Fact Sheet 296 ist und das aus meiner Sicht alle Fragen zu diesem Informationsblatt beantworten kann, mit denen Frau Weber seit vielen Jahren anklagend durch die Lande, sämtliche EMF-Foren, einige Kommentarseiten und sogar bis zur DMF-Abschlusskonferenz nach Berlin gezogen ist.

Die Mutter des Fact Sheet 296 ist dieses Dokument (PDF, 196 Seiten, englisch). Es gibt Auskunft über das WHO-Arbeitstreffen zum Thema "Elektrosensibilität", das vom 25. bis 27. Oktober 2004 in Prag stattfand. Emilie van Deventer gehört zu den vier Autoren dieses Berichtsbandes. Mehr als 150 Teilnehmer aus 25 Ländern nahmen an dem Arbeitstreffen teil, aus Deutschland z.B. die damalige Vorsitzende des Vereins für Elektrosensible, München, Dr. pol. Birgit Stöcker. Ihren Bericht von dieser Tagung kann man sich <hier> anschauen.

Schon in der Zusammenfassung des Workshops kann Frau Weber z.B. auf den PDF-Seiten 17 + 18 nachlesen, was später sinngemäß an Handlungsempfehlungen für Ärzte in das Fact Sheet 296 aufgenommen wurde. Dass es das Fact Sheet überhaupt gibt, macht der Vortrag von van Deventer deutlich: Sie hatte vor dem Workshop an mehr als 50 Gesundheitsministerien in unterschiedlichen Ländern einen Fragebogen verschickt, der erkunden sollte, wie die einzelnen Staaten mit EHS umgingen. Nur 13 Antworten trafen ein und diese mehrheitlich mit dem Eingeständnis, nichts werde in Sachen EHS unternommen. Da tat sich offenkundig ein Widerspruch zur damaligen Forschungsagenda der WHO auf, die die Erforschung von EHS priorisierte und die Mitgliedsstaaten ermunterte, Forschung zu finanzieren, die Zusammenhänge zwischen EMF und EHS ergründen sollte. Auf dem Workshop wurde daher festgehalten, die Behörden dürften die Notlage der EHS nicht ignorieren, schließlich seinen in einigen Ländern ungefähr 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung betroffen. Und: Die Regierungen sollten Allgemeinärzte mit qualifiziertem Informationsmaterial über EHS versorgen.

Am Ende des Workshops wurde der WHO nahe gelegt, ein Fact Sheet heraus zu bringen, das über die Symptome von EHS Auskunft gibt, zugleich aber auch deutlich macht, dass diese Symptome nach aktuellem Kenntnisstand nicht EMF zugeschrieben werden können. Außerdem solle das Fact Sheet vor kommerziell vermarkteten Schirmprodukten warnen und Vorschläge machen, wie am besten mit EHS umzugehen sei.

Damit sind glasklar die Gleise erkennbar, an deren Ende später das Fact Sheet 296 stehen sollte.

Zwei Schönheitsfehler hat mMn der Berichtsband: Er wurde erst Mitte 2006 veröffentlicht, also rund 1/2 Jahr später als das Fact Sheet 296. Eine Erklärung für die vertauschte Reihenfolge nennt der Berichtsband nicht. Und dann ist da noch Olle Johansson. Er war in Prag mit dabei und distanziert sich als einziger explizit vom Inhalt des Berichtsbandes. Was genau Olle nicht passte fragt man ihn am besten selber.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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