Bühnenarbeiter: Eva W. und Anders B. (Elektrosensibilität)

AnKa, Donnerstag, 19.04.2012, 08:03 (vor 2558 Tagen) @ H. Lamarr

Aufreger-Analogie: So wie Anders Breivik den Medien zufolge seinen Fall nutzen möchte, um sich und seine Gedankenwelt zu präsentieren, möchte dies aus meiner Sicht auch Eva W. tun. Beide suchen die Bühne für persönliche Auftritte. Beiden sollte die ungestörte (unwidersprochene) Entfaltung verwehrt werden. In Norwegen erdet die Staatsanwältin Breivik, in Deutschland sind Freiwillige am Werk. Ob der Königsweg des Widerspruchs das Schweigen ist? Pauschal stimmt dies sicher nicht.

Eva plappert Dinge heraus, die niemand ernst nehmen kann, der gezwungen wäre, darob eine verantwortliche Entscheidung zu treffen.

Es geht da wohl in erster Linie um eine notwendige seelische Entlastung, denn das dahinterstehende Weltbild ist so wahnhaft wie beängstigend: Dunkle Mächte bestrahlen angeblich Menschen, wollen Menschen in Krankheiten hineintreiben und in letzter Konsequenz auch deren Tod in Kauf nehmen.

Wenn man so etwas, im schönen Süddeutschland in einer weltoffenen Großstadt wohnend, wirklich ernsthaft glaubt, dann muss man dagegen anschreien, sich wehren, in alle Richtungen schlagen und treten. Und man wird fortdauernd nach Anzeichen suchen, die die eigene Überzeugung aufs Neue bestätigen. Dieses Repetieren beruhigt und erregt zugleich. Das ist ein tragischer Teufelskreis für Eva, und zugleich ein Hamsterrad. Aber man kann auch davon ausgehen, dass ein so geprägter Lebensstil Abenteuer ist, also für einen älteren Menschen auch einen belebenden Charakter hat.

Breivik ist ein anderes Kaliber, der Mann lebte seine im Wahn konstruierten Feindbilder in die letzte Konsequenz hinein aus. Anwälte und Richter können ihn nur deswegen "erden", weil sie seiner habhaft sind und ihn dazu zwingen können, sich den wirklichen Gegebenheiten zu stellen.

Allerdings glaube ich nicht, dass sich Breivik selbst derzeit "geerdet" fühlt. Er dürfte z.Zt. vielmehr glauben, dass man ein übles Spiel mit ihm spielt. Seine borniert zur Schau getragene Entschlossenheit erinnert übrigens ein bißchen an das virtuelle Auftreten "wuff"s in jenem Schweizer Forum, dort, wo es inzwischen möglich geworden zu sein scheint, die persönlichen Grenzen Anderer anzutasten und zu überschreiten. Und ich vermute, auch "wuff"s Werke würden sich inzwischen locker auf 1.500 Seiten zusammenstellen lassen.

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Tags:
Feindbild, borniert, Entschlossenheit


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