Cora: Objektive Wertung von Mobilfunkreviews durch Laien (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 13.06.2017, 12:25 (vor 796 Tagen)

Wenn fachliche Laien Mobilfunkstudien beurteilen, spielen subjektive persönliche Empfindungen, Vorurteile und Interessen häufig eine dominierende Rolle. Solche Bewertungen, wie sie von Anti-Mobilfunk-Vereinen wie Diagnose-Funk, Bürgerwelle oder Gigaherz vorgenommen werden, sind für Ratsuchende gehaltlos (Beispiel).

Für eine objektive systematische und damit gehaltvolle Bewertung muss das Rad freilich nicht erst erfunden werden, denn dafür gibt es Hilfsmittel. Eines dieser Hilfsmittel für Laien ist, wie die Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation (FSM) mitteilt, das "Cora"-Schema der Risikokommunikation: Communicating Health Risk Assessments to the general public. Es wurde im Rahmen der COST-Aktion BM070,4 2011/2012 entwickelt und wird in dem Beitrag Supporting non-experts in judging the credibility of risk assessments detailliert vorgestellt (PDF, 7 Seiten, englisch). Eine englische Kurzbeschreibung gibt es <hier>.

Das Schema kann von jedermann dazu benutzt werden, um vorgelegte Risikobewertungen systematisch auf Glaubwürdigkeit hin zu beurteilen. Es geht dabei nicht um die fachliche Qualität des Inhalts, dazu fehlt Laien die Kompetenz, sondern nicht weniger bedeutsame formale Parameter einer Studie, etwa wer der Auftraggeber ist, wer die Studie verfasst hat, wie bei der Auswahl der Literaturquellen vorgegangen und wie die Literatur bewertet wurde. Wie so eine Beurteilung konkret aussieht ist am Beispiel ICNIRP zu sehen.

Hintergrund
Die wichtigsten Fachbegriffe biologischer Mobilfunkstudien
Mobilfunkstudien: Bewertung der Ergebnisse durch Laien
Leitfaden zur praxisorientierten Beurteilung von wissenschaftlichen Berichten über Studienergebnisse
Leitfaden zur Beurteilung von Zeitungsartikeln über Studienergebnisse
Die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten: Eine Bewertungshilfe für Journalisten

[Admin: Im Titel -studien gegen -reviews ersetzt, 15.06.2017]

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Wissenschaft, Forschung, Instant-Experte, Objektivierung, Studien, Funktionär, Qualitätskriterien, Autodidakt, Impact Factor, Science, Bewertungshilfe, Verbraucher, Studienrecherche, Cora, EMF:Data

Mobilfunkgegner objektiv beurteilt

KlaKla, Mittwoch, 14.06.2017, 18:26 (vor 794 Tagen) @ H. Lamarr

Wer im Internet nach Informationen zum Thema sucht, landet früher oder später bei Diagnose-Funk. Der Verein wird geführt vom Baubiologen Jörn Gutbier und den Frührentner Peter Hensinger. Sie sind sehr daran interessiert als Verbraucherschutzorganisation wahrgenommen zu werden, erfüllen jedoch nicht die allgemeinen Kriterien einer Verbraucherschutzorganisation.

In Fokus von Diagnose-Funk steht der "Vorsorgegedanke" der sich wenig bis gar nicht an seriöser Wissenschaft orientiert. Vielmehr lehnt er sich an pseudowissenschaftliche Überlegungen an. Profit orientierte Mitstreiter, Esoteriker, Selbstdarsteller und Anhänger von Verschwörungstheorien stehen eng zusammen mit Diagnose-Funk. Sie pflichten sich gegenseitig bei, unterstützen sich bei Vereinsgründungen (Mitgliedschaft und Beirat) und sie besuchen gegenseitig ihre Veranstaltungen um öffentliches Interesse vorzutäuschen, welches in Wirklichkeit gar nicht existiert.

Diagnose-Funk verfasst Alarmmeldungen, die im Netz über ihre Webseiten und die der Nutznießer ihre Verbreitung finden. Die selben Nutznießer geben dann eine positive Bewertung für die Arbeit von Diagnose-Funks ab. Diese positiven Bewertungen werden von Diagnose-Funk in ein ansprechendes Outfit gepackt und der Öffentlichkeit präsentiert als Ärztliche Stellungnahme. So spielen man sich die Bälle zu.

Beispiele: Ärztliche Stellungnahmen zum Brennpunkt „Smartphones & Tablets schädigen Hoden, Spermien und Embryos“ von Diagnose-Funk und folgende Mediziner loben die Arbeit von Diagnose-Funk

Es zeigt sich, der Dr.-Titel allein ist keine Garantie für eine sachkundige Auskunft, wenn kommerziellen Interessen vorhanden sind. Diese unterschlägt man gerne um nicht gleich die egoistischen Ziele in den Fokus zu stellen. Leicht kann es sein, dass man nur vor den Karren gespannt wird.

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Mobilfunk: Mindeststandards wissenschaftlicher Arbeiten

H. Lamarr @, München, Sonntag, 25.06.2017, 16:42 (vor 784 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn fachliche Laien Mobilfunkstudien beurteilen, spielen subjektive persönliche Empfindungen, Vorurteile und Interessen häufig eine dominierende Rolle. Solche Bewertungen, wie sie von Anti-Mobilfunk-Vereinen wie Diagnose-Funk, Bürgerwelle oder Gigaherz vorgenommen werden, sind für Ratsuchende gehaltlos (Beispiel).

Wissenschaftliche Arbeiten müssen folgende qualitative Mindeststandards erfüllen:

Dosimetrie

  • Angabe der relevanten Expositionsparameter (Frequenzbereich, Signalform, Expositionsdauer, Expositionsintensität — SAR, Feldstärke)
  • Nachvollziehbarkeit des Versuchs anhand eines entsprechenden Protokolls
  • Wünschenswert: Angabe der Typen der verwendeten Messgeräte, Variabilität der dosimetrischen Größe

Statistische Signifikanz

  • Angabe statistischer Standardkriterien (Konfidenzintervall, p-Wert)
  • Angabe der angewendeten statistischen Verfahren

» Können die Resultate dadurch gegen die Vermutung eines Zufallsergebnisses hinreichend abgesichert werden?

Replikation der Untersuchungsergebnisse

  • Minimalanforderung: mögliche Nachvollziehbarkeit der Studie anhand des Studiendesigns
  • Wünschenswert: Wiederholbarkeit (Replikation) der Studienergebnisse

Kausalität

  • Dokumentation der Versuchs- und Kontrollgruppe
  • Verblindete Exposition und Auswertung
  • Selektionsmechanismen
  • Confounder

» Können somit andere Variablen für den gefundenen Zusammenhang mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden?

Adversität

  • Störung der Organfunktion
  • nicht rückbildungsfähig (nach Wegfall der Exposition) oder
  • Schädigung der Nachkommenschaft

» Hat der gefundene Effekt gesundheitliche Relevanz für den Menschen?

Ökologische Validität

  • Übertragbarkeit der Studiensituation auf die realen Bedingungen, unter denen Mobilfunk stattfindet

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat Funk (WBF), Österreich, Stand: Juni 2017

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