Verdeckter Ermittler besuchte zwei Memon-Werbeveranstaltungen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.10.2021, 23:11 (vor 90 Tagen) @ H. Lamarr

Neuigkeiten gab es erst wieder am 16. Juni 2021, als die KO-Ini mit Tilo Rößler, Radeberg (bei Dresden), in einem YouTube-Video den Rechtsanwalt präsentierte, der es kaum noch erwarten kann, die Klageschrift zu tippen. Warum ausgerechnet Rößler? Ein ungemein aufschlussreicher Fingerzeig findet sich in einem Karriereprofil Rößlers, in dem es am Ende heißt:

[...] Seit 2010 führt er die Leitung Abt. Wissenschaft und Forschung, Ausbildung memon bionic instruments GmbH, in Rosenheim und begleitet Forschungsprojekte mit Schwerpunkt „Auswirkungen künstlicher elektromagnetsicher Felder auf lebende Organismen“.

Auf was sich die sogenannte Kompetenzinitiative eingelassen hat, als sie einem Mitarbeiter von Memon die Rechtsvertretung ihres Vorhabens anvertraute, den Mobilfunk in Deutschland juristisch in Ketten zu legen, zeigt eine Recherche von Stefan Uttenthaler. Der Physiker mischte sich 2020 in Österreich unters Publikum von zwei Memon-Werbeveranstaltungen und schilderte anschließend auf Science Blogs anschaulich, wie ein "Fachberater" des Rosenheimer Unternehmens seinen Zuhörern Memon-Produkte schmackhaft machte. Stammleser des Forums werden das Geschäftsmodell auf Anhieb erkennen und ihre helle Freude daran haben. Hier ein kurzer Auszug aus dem Beitrag:

[...] Die erste der Veranstaltungen fand im September 2020 in Stadt Haag in Niederösterreich statt. Der Abend stand unter dem Titel „Elektrosmog, 5G & Handystrahlung – Risiken, Fakten und Lösungen”, wobei ich an diesem Tag nur den ersten Teil, nämlich jenen über „Risiken” und „Fakten” zu Elektrosmog, hörte. Den Rest holte ich dann beim zweiten Termin im Oktober nach. Der Vortragsabend war, möglicherweise wegen der zu dieser Zeit steigenden Corona-Neuinfektionen, eher schwach besucht: Inklusive mir selbst fanden sich gerade einmal neun Zuhörer in der Neuen Musikmittelschule Haag ein. Der eigentliche Vortragende wurde eingeführt von einem Herrn David H. (Name geändert, vollständiger Name ist dem Autor bekannt), der selbst auf memon-Produkte setzt und freiberuflicher „Fachberater” dafür ist. Nach kurzer Erläuterung seines eigenen Werdegangs (oder besser gesagt Leidenswegs) leitete er über zum Vortrag von Herrn Mag. Peter Grill. Herr Grill ist eigentlich studierter Tierarzt und betreibt nach eigenen Angaben ein Institut für Salutogenese. Da er persönlich als Vortragender angekündigt wurde, möchte ich ihn hier auch als einzigen der Beteiligten mit dem korrekten, vollständigen Namen nennen.

Herr Grill führte gleich zu Beginn an, was einer der den Vortrag dominierenden Begriffe werden würde: oxidativer Zellstress. Dieser entstünde durch einen Mangel an Elektronen, der zu einem sauren Milieu im Körper führe. Das Konzept der Übersäuerung ist eine in der Alternativmedizin weit verbreitete, pseudomedizinische Ansicht. Dabei beruft man sich u.a. auf den Medizin-Nobelpreisträger Otto Warburg, zu dessen Zeit man die Ursachen für Krebs aber noch sehr ungenügend verstanden hatte. Nach diesem Konzept könne Krebs nur im sauren Milieu ent- und bestehen, und Elektrosmog bzw. Mobilfunkstrahlen trügen zu einem sauren Milieu im menschlichen Körper bei.

Zu Beginn des Vortrags führte Herr Grill in sein Verständnis der physikalischen Grundlagen des Elektrosmogs und der Mobilfunkstrahlung ein. Wer hier wie ich als Physiker zumindest ein bisschen Grundlegendes über elektromagnetische Wellen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Laut Referent würden durch den Stromfluss bzw. Elektrosmog die „Minus-Ionen”, die natürlicherweise in der Luft verteilt seien, gestört, sie würden an den Wohnungswänden etc. kleben bleiben und so aus der Atemluft entfernt und für den Menschen unzugänglich werden. Außerdem führe Elektrosmog zur Zerstörung der „hexagonalen Wasserstruktur” (wohlgemerkt hat flüssiges Wasser keine hexagonale Struktur, diese tritt nur bei Eiskristallen auf). Das so gestörte Wasser könne z.B. keine Giftstoffe mehr aus den Zellen entfernen, weil es diese nicht mehr „packen” könne. An dieser Stelle wurde auf die pseudowissenschaftlichen Konzepte von Masaru Emoto verwiesen, ebenso wie auf die esoterischen Begriffe der Wasseradern oder geopathischen Störzonen, die dem Körper ebenso schaden könnten. [...]

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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