NTP-Wissenschaftler melden DNA-Schäden (Allgemein)

Wellenreiter, Montag, 28.10.2019, 22:43 (vor 1195 Tagen) @ Kuddel

Bei Modenverwirbelungskammern kommt es zu zeitlichen und örtlichen Inhomogenitäten. Die NTP-Studie ist jedoch so designt worden, dass es im zeitlichen Mittel zu einer homogenen Feldstärkeverteilung kommt. Dies ist zunächst einmal in Ordnung, wenn die Fluktuationen während der Befeldung deutlich schneller als die durch die thermische "Trägheit" langsame Änderung der SAR-induzierten Temperaturänderung ist.
Bei den in der NTP-Studie verwendeten Rotationsgeschwindigkeiten ist dies der Fall und von daher ersteinmal nicht zu beanstanden, insbesondere wenn das Sechsminutenmittel der SAR die relevante dosimetrische Größe ist.

Die Modenverwirbelung ändert das Peak SAR gegenüber einer realen Bestrahlung durch Mobiltelefone oder Sendemasten.
Das ist ungefähr so, als ob man z.B. bei GSM den Dutycycle verändert oder bei CDMA/LTE eine zusätzliche Pulsung aufmoduliert

Welche Erkenntnisse will man da noch aus den Ergebnissen gewinnen ?

Bei dieser extremen Verfälschung der Signaleigenschaften kann man ja gleich auf die Modulation verzichten und mit CW exponieren.

Wie kommt man darauf, das thermische Wirkungen erst nach 6 Minuten eintreten ?

Ein Lebewesen besteht, anders als ein Phantommodell, schliesslich aus verschiedenen Geweben und Schichten mit unterschiedlichen elektrischen Eigenschaften und unterschiedlichen thermischen Leitfähigkeiten.

Wenn nun eine sehr "verlusttreiche" Schicht zwischen zwei Schichten mit geringen Verlusten (und hoher thermischer Isolation) eingebettet ist (z.B. Fettschicht), dann kann sich die dünne, verlustreiche Schicht durchaus in wenigen Sekunden erwärmen

Jeder kennt das, wenn man z.B. Essen in der Mikrowelle erwärmt:

Die Phantommodelle gleichen dem Erwärmen von Wasser, dessen Tempertur nahezu perfekt proportional zur Expositionsdauer ansteigt.

Erwärmt man hingegen ein Steak mit Kartoffeln und Erbsen, so erwärmen sich die Erbsen oft so stark und schnell, dass sie bereits wenige Sekunden nach dem Einschalten zerplatzen. Nach 5 Minuten dampfen dann die Kartoffeln, während das Fleisch erst lauwarm ist.

Gehen wir auf das Problem mit den Erbsen ein:
Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, dass ein alter 500Watt Mikwoellenherd die Erbsen ohne Platzen erwärmen kann, hingegen ein 1000 Watt Mikrowellenherd, welcher per "Dutycycle" auf 500 Watt gedrosselt wird (10 Sekunden an, 10 Sekunden aus ...), die Erbsen platzen läßt.

Erwärmt man hingegen ein Glas Wasser mit derselben Einstellung (500 Watt) , so funktionieren beide Modelle völlig gleichwertig.

Somit macht für ein "kompexes" Essen einen sehr deutlichen Unterschied, welche "Peak SAR" der jeweilige Mikrowellenherd aufweist.


K

Eine Modenverwirbelungskammer ist nunmal der Kompromiss, den die Forscher eingehen mussten, um eine große Anzahl von freibeweglichen Tieren lebenslang mit gewissen SAR exponieren zu können. Die resultierende Frequenzverteilung wurde so gewählt, dass sie die Powercontrol eines Mobiltelefons einer Fahrt durch die Stadt nachbildet. (Siehe abb. 9, 10, 14 und 15 in https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5714549/). Den abgebildeten Spektren zufolge ist der Hauptteil der Leistung in den Frequenzkomponenten >0.1 Hz enthalten, sodass die SAR-Fluktuationen wahrscheinlich nie über mehr als 10s stabil waren. Im Vergleich zur thermischen Trägheit bei diesen SAR ist das schnell genug um zunächst vom SARMittelwert als dosimetrische Größe ausgehen zu können.

Dass die Forscher es versäumten, die Temperaturen über die Lebensdauer der Tiere zu monitoren, ist hingegen eine völlig andere Sache.


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