NTP-Wissenschaftler melden DNA-Schäden (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 23.10.2019, 18:06 (vor 706 Tagen)

In einem noch unveröffentlichen Manuskript (doi: 10.1002/em.22343) meldet eine 12-köpfige Forschungsgruppe um die NTP-Wissenschaftler Stephanie L. Smith-Roe, Michael E. Wyde und John R. Bucher genotoxische Wirkungen von Hochfrequenzstrahlung in vivo (Genotoxic effects of radiofrequency radiation in vivo).

Abstract

NTP untersuchte im Rahmen eines zwei Jahre dauernden Krebs-Bioassays an Nagetieren auch die genotoxische Wirkung von Mobiltelefonstrahlung (GSM und CDMA/UMTS). Männliche und weibliche SD-Ratten (Sprague Dawley) und N-Mäuse (B6C3F1) wurden ab dem 5. Trächtigkeitstag und ab dem 35. postnatalen Tag in den Modenverwirbelungskammern der NTP-Studie über 18 Stunden pro Tag in Intervallen von 10 Minuten befeldet. Die Ratten erfuhren dabei eine Ganzkörper-SAR von 1,5 W/kg, 3 W/kg oder 6 W/kg (900 MHz) die Mäuse eine von 2,5 W/kg, 5 W/kg oder 10 W/kg (1900 MHz). Nach 19 Wochen (Ratten) oder 14 Wochen (Mäuse) Exposition wurden die Tiere mit zwei verschiedenen Methoden auf Anzeichen von Genotoxizität untersucht. Unter Verwendung des alkalischen Comet-Assays (pH > 13) wurde die DNA-Schädigung in Zellen aus drei Hirnregionen, Leberzellen und peripheren Blutleukozyten bewertet, für die Bewertung der Chromosomenschädigung in unreifen und reifen peripheren Bluterythrozyten kam der Mikronukleus-Assay (Mikrokerntest) zum Einsatz. Die Ergebnisse des Kometentests zeigten einen signifikanten Anstieg der DNA-Schäden in der Frontalrinde männlicher Mäuse (beide Modulationen), in den Leukozyten weiblicher Mäuse (nur CDMA) und im Hippocampus männlicher Ratten (nur CDMA). In anderen untersuchten Geweben von Ratten und Mäusen kam es ebenfalls zu einem Anstieg der DNA-Schäden, der jedoch als nicht eindeutig beurteilt wurde. Mikronukleierte rote Blutkörperchen zeigten weder bei Ratten noch bei Mäusen einen signifikanten Anstieg bei den Mikrokernen. Zusammenfassend legen diese Ergebnisse nahe, dass die Exposition gegenüber Mobilfunkstrahlung mit einer Zunahme von DNA-Schädigung verbunden ist.

Originaltext

The National Toxicology Program tested two common radiofrequency radiation (RFR) modulations emitted by cellular telephones in a 2-year rodent cancer bioassay that included interim assessments of additional animals for genotoxicity endpoints. Male and female Hsd:Sprague Dawley SD rats and B6C3F1/N mice were exposed from gestation day 5 or postnatal day 35, respectively, to code division multiple access (CDMA) or global system for mobile (GSM) modulations over 18 h/day, at 10 min intervals, in reverberation chambers at specific absorption rates (SAR) of 1.5, 3, or 6 W/kg (rats, 900 MHz) or 2.5, 5, or 10 W/kg (mice, 1900 MHz). After 19 (rats) or 14 (mice) weeks of exposure, animals were examined for evidence of RFR-associated genotoxicity using two different measures. Using the alkaline (pH > 13) comet assay, DNA damage was assessed in cells from three brain regions, liver cells, and peripheral blood leukocytes; using the micronucleus assay, chromosomal damage was assessed in immature and mature peripheral blood erythrocytes. Results of the comet assay showed significant increases in DNA damage in the frontal cortex of male mice (both modulations), leukocytes of female mice (CDMA only), and hippocampus of male rats (CDMA only). Increases in DNA damage judged to be equivocal were observed in several other tissues of rats and mice. No significant increases in micronucleated red blood cells were observed in rats or mice. In conclusion, these results suggest that exposure to RFR is associated with an increase in DNA damage.

Kommentar: Wie schon bei der NTP-Studie wird sich auch bei dieser Arbeit der Streit voraussichtlich daran entzünden, dass die Nager einer weit über Grenzwert (0,08 W/kg) liegenden Ganzkörperbefeldung ausgesetzt waren, um Ergebnisse zu bekommen, die ausschließlich für Teilkörperexposition (Europa: maximal 2 W/kg) relevant sind. Vorausgesetzt die Ergebnisse dieser un­or­tho­doxen Art der Exposition werden von Experten als valide bewertet, gelten sie ausschließlich für Mobiltelefone und nicht für Mobilfunksendemasten. Überrascht hat mich (Biologie-Laie), dass Leukozyten auf die Exposition reagiert haben. Bislang galten Lymphozyten, die zur Gruppe der Leukozyten zählen, als robust gegenüber EMF-Befeldung. So hat dies 2013 jedenfalls Franz Adlkofer verlauten lassen. Seine Aussage galt aber wohl nur für GSM-Exposition. Auf CDMA/UMTS-Exposition haben die Leukozyten der aktuellen Arbeit jedenfalls reagiert. Apropos Adlkofer: Das Literaturverzeichnis der aktuellen Arbeit referenziert nicht auf Adlkofers Reflex-Projekt, auch nicht auf das Athem-Projekt der Auva, hingegen u.a. auf Rüdiger HW, 2009, und auf Speit G, Gminski R, Tauber R, 2013.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Wissenschaft, DNA-Schäden, Lymphozyten, NTP-Studie, Wyde, Comet


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