Diskussion mit Reto Capeder (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 12.05.2019, 23:24 (vor 7 Tagen) @ Reto Capeder

11.5.2019 CAPE: Petition gegen Handymasten.
Damals ging es beim Handymasten nicht um 5G, sondern um 4G. Über 5G waren noch sehr wenige Fakten öffentlich bekannt, deshalb habe ich es damals auch noch nicht grundsätzlich verteufelt. Heute sind deutlich mehr technische Spezifikationen bekannt, wobei immer noch offene Fragen bleiben. Für mich sind die heute bekannten aber so, dass ich meine Aussage von damals revidiere und 5G grundsätzlich aus Gründen der Unverträglichkeit mit der menschlichen Gesundheit ablehne.

Ja, dass Sie 5G ablehnen ist Ihr gutes Recht, auch wenn ich diese Haltung nicht nachvollziehen kann. In dem Video-Interview auf dieser Seite sagen Sie, Sie seien "schwer elektrosensibel". Im Umkreis des Waisenhausplatzes in Bern wimmelt es aber geradezu von Mobilfunksendemasten, die ihnen aber anscheinend überhaupt nichts ausgemacht haben. Wie kommt das? Andere Extrem-EHS tragen in solcher Umgebung "Schutzanzüge", hüllen sich in metallene Rettungsdecken oder tragen Schirmkappen. Nichts dergleichen ist bei Ihnen erkennbar.

Nein, nicht "wir", nur Herr Capeder spricht davon. Wikipedia widerspricht der Behauptung von mehreren 100 kW. Die beiden vom Säntis ausgestrahlten DAB-Blöcke haben ERPs von nur 28,5 kW und 16 kW. DVB-T wird mit 4 kW ERP ausgestrahlt, der Rest ist alles gutes altes UKW und Analog-Fernsehen. Die Wikipediaseite wurde, Stand heute, zuletzt am 1. Oktober 2018 um 20:25 Uhr bearbeitet.

11.05.2019/CAPE Falsch: Die Senderdaten auf Wikipedia werden seit Jahren nicht mehr nachgeführt. Der zitierte letzte Eintrag bezieht sich nicht auf die Leistungsdaten. Schlecht recherchiert. Die korrekte Quelle für diese Aussage ist amtlich und kommt von admin.ch. (und dann Klick auf den gelben Punkt). Der Säntis hat aktuell 348 kW. Hier zeigt sich sehr schön, wie die Kraft des Senders von weniger als 50 kW DAB vor ein paar Jahren um den Faktor 7 angewachsen ist. Nun ist es keine Behauptung mehr, sondern nachgewiesen.

Nein, nicht falsch. Die von Ihnen genannte Strahlungsleistung von 348 kW (ERP) ist die Summe aller Strahlungsleistungen, die vom Säntis aus in den Äther geschickt werden. Wikipedia nennt die Strahlungsleistungen aufgeschlüsselt nach Funkdiensten. Die dürfen Sie einfach addieren (nicht quadratisch), um auf die Summenleistung zu kommen, ausgenommen natürlich das Analogfernsehen, das inzwischen abgeschaltet wurde. Ich komme so auf 348,5 kW Summenleistung. Der mit Abstand dickste Brocken ist dabei nach wie vor UKW, nicht DAB. Die DAB-Strahlungsleistung wurde nicht erhöht, schon gar nicht um Faktor Sieben. Wie kommen Sie nur darauf?

11.05.2019/CAPE: Nicht fair ist, wenn man Handy-Signale bei ca. 1 GHz mit DAB+ bei ca. 200 MHz vergleicht. Die Reichweite von DAB+ ist viel höher und bestrahlt uns an 365 Tagen, Tag und Nacht, ohne Möglichkeit auszuweichen.

Wollen wir wetten, dass die Immission (SAR) eines Handys im GSM-900-Modus in Ihren Kopf um ein Vielfaches höher ist als die Ganzkörper-Immission durch einen beliebigen DAB+-Sender? Und was die Rund-um-die-Uhr-Befeldung angeht: Meinen Sie, man müsse ein Hühnerei nur lange genug bei 20 °C liegen lassen, damit es gar wird? Wir haben seit rund 100 Jahren Funk, anfangs noch mit wesentlich tieferen Frequenzen und sehr hohen Strahlungsleistungen – der Menschheit hat es offensichtlich nicht geschadet. Panikmache vor Funkwellen gab es allerdings auch schon vor 100 Jahren

11.05.2019/CAPE: Ihre einseitige Fokussierung auf thermische Effekte, ist auch nur eine Behauptung. Es sind genügend Studien verfügbar, die hier aktuelles Wissen bezüglich der nicht thermischen Effekte der Strahlung abbilden, was bei den NIS-Grenzwerten völlig ignoriert wird. Siehe z.B. www.diagnose-funk.ch oder www.Funkstrahlung.ch

Lesen Sie die ICNIRP-Empfehlungen für HF-Grenzwerte, dann wissen Sie, dass "thermische Effekte" alles andere als eine Behauptung sind.

Bei Effekten unterhalb der thermischen Wirkschwelle ist häufig nicht eindeutig klar, ob nicht doch versteckte thermische Effekte (z.B. Mikro-Hotspots) mit im Spiel sind. Und wenn auch diese ausscheiden ist so gut wie immer unklar, ob der beobachtete Effekt, der in aller Regel klein ist, gesundheitlich negativ, positiv oder belanglos ist. Ich bin kein Experte, deshalb überlasse ich die Beurteilung dieser athemischen Effekte Leuten, die etwas davon verstehen.

Diagnose-Funk und Funkstrahlung.ch sind Laienorganisationen ohne Fachkompetenz in EMF-Sachfragen. Halten Sie sich besser an wissenschaftliche Expertenkommissionen oder ans Bafu, dort bekommen Sie Informationen von kompetenten Leuten. Mit Google irgendwelche alarmierende Studien einsammeln ist keine Kunst, die qualifizierte Interpretation der Beute hingegen schon. Laien sollten sich mMn nicht anmaßen, sich vor Zuhörern als Experten in EMF-Sachfragen aufzuspielen, nur weil sie ein bisschen länger gegoogelt haben als andere.

11.05.2019 CAPE: Der Unterschied ist, dass UKW als analoges Signal nicht moduliert ist und keine schnellen Signalpegelveränderungen im 10.4 Hz Takt hat. Die Pegeländerung pro Zeit (Peaks) ist das Problem, übrigens auch bei WLAN. Das Abschirmen nicht sinnvoll ist kann ich unterstützen, unter der Voraussetzung, dass die Signale um Faktoren reduziert werden.

Selbstverständlich ist UKW moduliert, frequenzmoduliert um genau zu sein.

11.05.2019 CAPE: Natürlich berufen sich die Amtsstellen auf Exposimeter-Messungen, die dazu genutzt werden, die Exposition von Personen in den verschiedenen Regionen der Schweiz jährlich zu dokumentieren. Es ist auch richtig, dass der Bund mit den teuren Messgeräten korrekte Messungen durchführen kann. Speziell die Provider versuchen immer wieder, betroffenen Personen Exposimeter anzuhängen, die aber genau diese von mir beschriebenen Mängel haben. Oft kommen Geräte zum Einsatz, die nur für Frequenzen über 200 MHz zertifiziert /geeicht sind.

Sie sagen, Sie seien beim Umweltmedizinischen Beratungsnetz in Behandlung. Was haben die Ihnen denn für eine Diagnose gestellt? Da sich "Elektrosensibilität" seriös nicht diagnostizieren lässt, gehe ich davon aus, man hat Ihnen nicht eindeutig "Elektrosensibilität" bescheinigt. Oder irre ich mich?

11.05.2019 CAPE: Wenn man alles was nicht mobil sein muss über Glasfaser abwickelt, kann man die mobilen Sender auf das ausrichten, was wirklich mobil sein muss. Wenn man aber den Leuten versucht schmackhaft zu machen, sie sollen künftig Zuhause Fernsehen in 4k Auflösung über 5G empfangen, dann brauchen wir künftig Datenraten und damit Strahlungen ungeahnten Ausmasses.

Eigentlich müssten Sie sich auf 5G freuen, denn mit 5G werden Unbeteiligte aller Voraussicht nach von adaptiven Antennen deutlich schwächer befeldet (-6 dB) als Handy-Nutzer. Und da Sie nichts von Richtfunk gesagt haben: 5G wird bei 26 GHz auch als "Glasfaser durch die Luft" Häuser ans Internet anbinden. Immer dann, wenn das die wirtschaftlich sinnvollere Lösung gegenüber Glasfaser ist. Sorgen müssen Sie sich darüber nicht, Sie werden davon nichts mitbekommen.

CAPE 11.05.2019 Frage: Sind Sie so kritisch gegenüber meinen Kommentaren, weil Sie solche Geräte verkaufen? Es war nicht meine Absicht, Ihnen das Geschäft zu vermiesen. Sorry.

Nein, ich verkaufe solche Geräte nicht und habe auch sonst keine kommerziellen Interessen in der Mobilfunkdebatte. Warum ich 2002 zum Mobilfunkgegner wurde können Sie <hier> nachlesen, und warum ich nach ein paar Jahren genervt wieder ausgestiegen bin steht <dort> in der Selbstdarstellung. Gegen Sie, Herr Capeder habe ich überhaupt nichts, Sie sollten mMn jedoch einmal darüber nachdenken, welchen materiellen und immateriellen Schaden Sie mit öffentlichen Auftritten zum Ziel der Elektrosmog-Panikmache anrichten, insbesondere bei labilen Personen, die, leichtfertig angesteckt mit dem Wahn "elektrosensibel" zu sein, sich im Extremfall auch das Leben nehmen können. Da haben auch Sie Verantwortung, dass sich so etwas nicht wiederholt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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