Chronik der Abrüstung: Mobilfunkgegner im Vakuum (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 01.01.2018, 23:14 (vor 712 Tagen) @ H. Lamarr

Des Rätsels Lösung steckt in der Nachricht oben. Der finanzielle Engpass des Portals, der darauf beruhen soll, dass das Umweltbundesministerium keine Zuschüsse mehr leistet, gilt explizit nur für HF-Studien (wozu auch Mobilfunk gehört). NF-Studien, und nur solche sind es, die das Portal seit 27. November gebracht hat, sind von dem Engpass nicht betroffen.

Die (vorläufige) Aufgabe der Berichterstattung über Mobilfunkstudien ist die Fortsetzung einer Entwicklung in Deutschland, die 2009 begonnen hat:

2009 Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) löst sich auf, WIK führt Teile davon fort
2014 WIKs EMF-Aktivitäten (EMF Brief) werden eingestellt
2016 Informationszentrum Mobilfunk (IZMF, Berlin) löst sich auf
2018 – EMF-Portal berichtet nur noch über NF-Studien

Der Trend ist offenkundig: Weder die Industrie noch der Staat sehen in den verblieben Resten der deutschen Mobilfunkgegnerei eine nennenswerte gesellschaftliche Gefahr, gegen die Maßnahmen erforderlich sind. Die bislang eingesetzten finanziellen Mittel zur Bekämpfung der Desinformation, die organisierte Mobilfunkgegner verbreiten, zeigten keine nennenswerte Rendite mehr und können deshalb umgeplant werden, jetzt z.B. in die Risikokommunikation des noch lebendigen Schlachtfeldes "Strom". Für die deutschen Mobilfunkgegner ist der Rückzug ihrer organisierten Argumentationsgegner eine schwere Demütigung: Sie werden nicht mehr ernst genommen. Die Szene muss aufpassen, dass sie jetzt nicht genauso zu Boden geht wie jemand, der sich an eine Tür lehnt, die plötzlich geöffnet wird.

Diagnose-Funk leidet am stärksten
Die Begrenzung des EMF-Portals auf Stromstudien trifft besonders hart den Verein Diagnose-Funk, der sich ganz ungeniert der Studiensammlung (Mobilfunk) des Portals bediente, um daraus Alarmstudien zu filtern und damit – in einem Zerrbild des tatsächlichen wissenschaftlichen Kenntnisstandes – unbegründete Ängste gegenüber EMF in der Bevölkerung zu schüren. Dem EMF-Portal blieben diese für Diagnose-Funk günstigen Trittbrettfahrten nicht verborgen, doch es unternahm bislang nichts dagegen. Seit 27. November 2017 steht nun der Zug, auf dem der Anti-Mobilfunk-Verein gratis mitfuhr. Dies bedeutet beträchtliche Mehrarbeit für die Mobilfunkgegner, die jetzt gezwungen sind, sich selbst um die Beschaffung von Alarmstudien zu kümmern. So gesehen hat das EMF-Portal bzw. das Umweltbundesministerium genau den richtigen Schritt gemacht, um den weiteren Missbrauch des Portals durch Diagnose-Funk radikal zu unterbinden.

Diagnose-Funk hat auf die Teilschließung des EMF-Portals reagiert (siehe oben im Strang) und angekündigt, bis Jahresende 2017 mit einer eigenen Datenbank für Mobilfunkstudien an den Start zu gehen. Nun, dieser Termin ist schon mal ergebnislos verstrichen. Schlimm ist das nicht, denn selbstverständlich kann Diagnose-Funk kein adäquater Ersatz für das EMF-Portal sein, dafür fehlt dem Verein a) der Wille, einen unverzerrten Blick auf die Studienlage zu liefern, b) die Kompetenz für eine fachlich qualifizierte Präsentation im Stile des EMF-Portals (z.B. Details zur Dosimetrie einer Studie) und c) natürlich das Geld. So unke ich denn am ersten Tag des Jahres 2018, dass die Diagnose-Funker demnächst nur das auf die Beine stellen werden, was sie bisher schon abgeliefert haben: Ein dilettantisch kommentiertes Sammelsurium an EMF-Alarmstudien, das – zur hellen Freude der bundesdeutschen Baubiologie – allein den Zweck hat, Sorgen und Ängste gegenüber Elektrosmog in der Bevölkerung wach zu halten.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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