Neue Studie: Medienberichte erzeugen "Betroffene" (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 28.12.2012, 01:00 (vor 2860 Tagen)

Ein lange gehegter Verdacht ist jetzt wissenschaftlich bestätigt worden: Durch unqualifizierte Berichterstattung in den Medien über vermeintlich gefährliche Funkwellen werden gleichsam "Elektrosensible" künstlich erzeugt.

Um die Wirkung medialer Beeinflussung zu testen, wurden 147 Teilnehmer einer Studie von Michael Witthöft und G. James Rubin durch Los in zwei Gruppen aufgeteilt. Der einen (n = 76) wurde ein Film über die (angeblich) negativen Folgen von W-LAN-Befeldung vorgeführt, die andere Gruppe (n = 71) sah einen Film ohne Bezug zu W-LAN (Datensicherheit im Internet/Mobilfunk). Anschließend wurden alle Teilnehmer einer Scheinbefeldung mit W-LAN ausgesetzt (15 Minuten).

Wichtigster Endpunkt waren die Symptom-Schilderungen nach Ende der Befeldung. Sekundäre Endpunkte waren die Sorge über die gesundheitlichen Auswirkungen von EMF, die Zuschreibung von Symptomen zu der W-LAN-Scheinbefeldung und eine Zunahme der gefühlten Empfindlichkeit gegenüber EMF.

Ergebnisse: 82 (54 %) der 147 Teilnehmer berichteten von Symptomen, die sie der Scheinbefeldung zuschrieben. Der W-LAN-Film steigerte die Sorgen gegenüber EMF-Befeldung, am stärksten reagierten Menschen, die von Natur aus ängstlich sind. Die 7-seitige Studie setzt sich mit den einzelnen Ergebnissen weitaus ausführlicher auseinander als dies in der Zusammenfassung hier möglich ist. Angesprochen werden auch Schwächen der Arbeit, wie das Fehlen der Befeldungssituation "keine Befeldung", deretwegen nicht mit letzter Bestimmtheit gesagt werden kann, dass die beobachtete Zunahme der Symptome unter Scheinbefeldung auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen ist.

Schlussfolgerung der Autoren: Medienberichte über negative Auswirkungen vermeintlich gefährlicher Substanzen erhöhen die Wahrscheinlichkeit a) nach einer Schein-Exposition Syptome zu zeigen und b) eine scheinbare Empfindlichkeit gegenüber der Substanz zu entwickeln. Verstärkte Bemühungen von Journalisten und Wissenschaftlern sind anzustreben, um diesen negativen Auswirkungen zu begegnen.

Abstract der Arbeit: Are media warnings about the adverse health effects of modern life self-fulfilling? An experimental study on idiopathic environmental intolerance attributed to electromagnetic fields (IEI-EMF)

Hintergrund
Auch die Morgellonsche Krankheit ist ein Kind der Medien. Andrew Lustig vom Center for Addiction and Mental Health in Toronto schrieb dazu im Fachjournal „Psychosomatics“: „Die Morgellonsche Krankheit ist ein Internet-Phänomen. Durch die vielen öffentlich gemachten Schilderungen von Patienten in den vergangenen paar Jahren sehen wir einen explosiven Anstieg derer, die sich ebenfalls betroffen fühlen – dabei ist der Dermatozoenwahn seit über 300 Jahren bekannt.“ (Quelle)

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Studie, Nocebo, Medien, Elektrosensible, Elektrosmog-Panikmache, Moral, Rubin, Idiopathie, Verhalten, Morgellons, Witthöft, Dermatozoenwahn


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum