Warum sind Mobilfunkkritiker in aller Regel so alt? (Allgemein)

Kuddel, Sonntag, 11.11.2012, 22:45 (vor 2587 Tagen) @ Alexander Lerchl
bearbeitet von Kuddel, Sonntag, 11.11.2012, 23:04

Meine These:

Mit dem Alter läßt die Lernfähigkeit nach und es wird immer schwieriger, dem "aktuellen Stand" der Wissenschaft zu folgen.

Manch einer stellt vielleicht fest, daß er in jüngeren Jahren einmal Interesse für andere Arbeitsgebiete hatte, z.B. früher einmal den Traum hatte, Arzt zu werden oder als Arzt in die Forschung wollte ,aber in der Arztpraxis hängengeblieben ist.

Im Alter möchte er das Rad noch einmal zurückdrehen und sich der "Forschung" widmen, möglichst in einem Forschungsgebiet außer Konkurrenz (low hanging fruits), ohne große Anforderungen an kompliziertes Grundlagenwissen, ohne die Notwendigkeit der Teamarbeit und mit möglichst schneller Umsetzung in die "Praxis".

Da man mit dem medizinischen Praxisalltag vertraut ist, bietet sich das Gebiet der Alternativ-Medizin als "Forschungsfeld" an, weil in diesem Umfeld keine wissenschaftlichen Qualitätsstandards erfüllt werden müssen, um die eigene "Forschung" in die Praxis umzusetzen.

Die alternativmedizinsche "Community" ist sehr tolerant ("open minded") und damit bequem. Man muß die Kollegen nicht in aufreibenden "Disputen" von der Validität der "Forschung" überzeugen. Es gilt der einfacher Grundsatz nach "Paracelsus"=> "wer heilt hat recht" und es finden sich immer ein paar Patienten, bei denen es "funktioniert", was als Bestätigung der eigenen Thesen angesehen wird.

Die Mobilfunkkritik kommt meiner Meinung nach aus dem Umfeld der "Energiemedizin", "Homöopathie" und "Radiästhesie" / "Baubiologie".

Viele Alternativmediziner glauben, daß Prozesse im Körper durch "Informationen" beeinflußt werden, welche von außen auf den Körper einwirken.

Eine Sparte der Informationsmediziner "erforscht" seit den 50er Jahren die Anwendungsmöglichkeit technischer Felder um zu heilen (Beispiel Bioresonanztherapie => Warnke, Scheingraber, König).
Mittels technischer (modulierter) Felder, welche über Elektroden oder Licht "in den Körper" gebracht werden, versucht man heilende "Informationen" in den Körper zu senden. Es gibt in der Bioresonanztherapie Listen, welche "Frequenzen" zur Behandlung welcher Beschwerden nützlich sind.
In der Informationsmedizin spielt die Intensität der Felder eine untergeordnete Rolle, es kommt auf die "Information" an.

Nun kommen die Mobilfunksender daher und bringen unkontrolliert "höchstwirksame Informationen" in den (gesunden) Körper und machen diesen krank. Insbesondere "Elektrosensitive" Personen, welche gut auf Felder (und Behandlungen) ansprechen, sind gefährdet.
Daher muß der Mobilfunk bekämpft werden.

Ein anderer Zweig ist jener der Radiästhesie (Erdstrahlen).
Die Radiästheten "halfen" den Menschen, die sich vermeindlich während des Schlafs nicht ausreichend erholten und dadurch krank wurden. Die Radiästheten "muten" durch ihre eigene "Sensibilität" schädliche (Erd)-Strahlen und sorgen durch Verschieben des Bettes dafür, daß die Menschen nicht den schädlichen Informationen der Erdstrahlen ausgesetzt sind.
Immer weniger Menschen glauben aber an Wünschelruten und Erdstrahlen und so kam der Wünschelruten- und Spherics-Forscher Herbert König (Professor der Elektrotechnik, Buchautor von "Unsichtbare Umwelt", Wünschelrutenreport, Schwiegervater=Wünschelrutengänger) auf die revolutionäre Idee, statt Erdstrahlen (schwachen) physikalischen Feldern eine Auswirkung auf die Gesundheit zuzuschreiben.

Aus der Radiästhesie entwickelte sich die moderne Baubiologie, welche die schädlichen Einflüsse von Giften und Feldern im Haus "erforscht", insbesondere indem sie durch "Messungen" die natürliche Umwelt erfasst und einen Katalog "natürlicher" Feldstärken und Konzentrationen von Substanzen erfasst.
Kleine Firmen entwickelten "physikalischhe" Meßgeräte für diese "Forscher".
Ein Glaubensgrundsatz der Baubiologie lautet, dass alle Substanzen und Felder, welche die "natürlichen" Felder überlagern, potentiell "schädlich" sind.

Da Rundfunk und Mobilfunk im Vergleich zur "Natur" sehr starke Felder emittieren und zudem mit "Frequenzinformationen" überlagert sind (Informationsmedizin) werden diese von Baubiologen als "schädlich" eingestuft. Auch die Baubiologen gehen von besonders" sensiblen" Personen aus (=ihre Kundschaft), welche auf die Felder und Substanzen reagieren.

Aus diesen Gründen erklärt es sich, daß Baubiologen, Radiästheten, Homöopathen, Energie- und Informationsmediziner sowie Anhänger der Alternativmedizin die Leitfiguren der Mobilfunkkritikerszene stellen.
Die Elektrosensiblen (=deren Kunden und "Forschungs-Beweis") und alle übrigen Menschen (=potentielle Kunden) müssen vor den "hochwirksamen", schädlichen Informationen in den Funkaussendungen geschützt werden.

Ärzte pflegen ein Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten. Durch gezielte "Aufklärung" über die Schädlichkeit der Funkfelder ist es nicht verwunderlich, daß einige verunsicherte Patienten Bürgerintiativen gründen, um ihre Gesundheit vor den langfristigen Auswirkungen schädlicher Felder zu schützen.

K

Tags:
Rentner, Homöopathie, Lernfähigkeit, Alternativmedizin, Beratungsresistent, Bioresonanztherapie


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