Die rechten Geistesverwandtschaften der Mobilfunkgegner (Forschung)

Christopher, Sonntag, 20.11.2011, 22:13 (vor 3386 Tagen) @ AnKa

Hinzu kommt in diesen Szenen ein irrationales Misstrauen in Wissenschaft und ein latenter bis offen zur Schau getragener Staatshass. Es geht hierbei um den Kampf gegen Wissen, um die Verachtung intellektueller Arbeit, es geht gegen Verfasstheit und gegen liberale Ordnung.

Den ideologischen Überbau, mit dem man sich seine "Wahrheiten" begründet, bilden diverse Verschwörungstheorien. Bei den Mobilfunkgegnern ist es der direkte Verdacht, der Staat gehe absichtlich bzw. in fremdem, nicht offen eingestandenem Auftrag gegen die physische Unversehrtheit seiner Bürger vor oder dulde solche Verhältnisse zumindest bewusst. Politisch Rechtsextreme frönen ähnlichen Verschwörungstheorien. Diese fantasieren den Staat als von fremden Mächten "gesteuert". Rechtsextreme wie Mobilfunkgegner fordern im besten Wutbürgerstil "echte Demokratie" - und haben doch gerade diese am allerwenigsten in ihrem verqueren Sinn.

Wobei man ehrlicherweise dazusagen muß: Diese weltfremde Ablehnung der Realität, das Bevorzugen der Ideologie gegenüber Fakten und (natürlich) der Hang zu Verschwörungstheorien, wenn die Welt und das Weltbild nicht zusammenpassen, das ist kein Alleinstellungsmerkmal des rechten Rands - der linke Rand kann da munter mithalten (und manchmal marschieren sie ja auch quasi Seit an Seit).
Und ich schätze, genau dort, wo sich rechter und linker Rand treffen, da finden sich wuff und Konsorten. Politisch neutral gegen alle Vernunft. Vermutlich meint wuff genau das, wenn er meint, er sei "extrem Mitte"...
Da finden sich viele Menschen zusammen, denen man den Aufwand, an der politischen Willensbildung durch ein parlamentarisches System mitzuwirken, nicht zumuten kann, und die sich doch gleich in ihrer Bürgerehre gekränkt fühlen, weil niemand (a) persönlich vorbeikommt und sie nach ihren Ansichten fragt und (b) dann überraschend Entscheidungen getroffen werden, die ihren Ansichten widersprechen. Auch eine einzige Person kann eine gefühlte Mehrheit sein - man muß nur selbst diese eine Person sein. Und kein Wunder, daß es dann zur großen Enttäuschung kommt, wenn diese gefühlte von einer echten Mehrheit überstimmt wird.
Hat den Leuten denn nie jemand beigebracht, daß man nicht immer nur gewinnen kann? Und daß man somit auch mal mit Niederlagen fertig werden muß - ohne gleich jemand anderen dafür verantwortlich zu machen? :no:

Tags:
Ideologie


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