IARC: Wird es den Freispruch für Sendemasten geben? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 24.05.2011, 18:15 (vor 3331 Tagen) @ Alexander Lerchl

Prof. Anders Ahlbom ist einer der bekanntesten Epidemiologen Europas und Autor zahlreicher Studien zum Thema EMF und Krebs.

Nachfolgend der Text eines Postings vom 28.11.2009, das gegenwärtig in einem wegen des Streits mit Prof. Adlkofer ausgeblendeten Strang steht:

Es gibt noch andere, die im Sold der Tabakindustrie standen, und danach in Sachen EMF forschten. Ein Beispiel ist Anders Ahlbom, der Mitglied der ICNRIP war, und mit der Leitung des schwedischen Zeigs der Interphone-Studien betraut war. Der Mann hatte vorher die analoge Funktion bei der schwedischen Zigarettenindustrie inne, die Prof. A. in Deutschland hatte. War Ahlbom ein Vorgänger von Prof. A.? Oder ist das Wechseln der Branche ein ganz natürlicher Vorgang?

Verfasser des Postings ist nicht etwa "sektor3", sondern "wuff".

Auch bei Gigaherz steht der Fall "Ahlbom" seit gestern im Forum. Eigentlich, so sollte man meinen, müsste sich dort jetzt "wuff" zu Wort melden. Tut er aber (bislang) nicht. Er beschäftigt sich lieber mit dem Verbreiten umständlich dargebotener Binsenweisheiten übers IZgMF.

Möglicherweise ist der Fall Ahlbom zu komplex für "wuff". Denn wenn der Schwede in seinem Heimatland tatsächlich die gleiche Rolle innehatte, wie hierzulande Prof. A. im Verband der Cigarettenindustrie, dann wäre von Prof. Ahlbom alles mögliche zu erwarten gewesen, nicht aber sein Ausschluss vom IARC-Meeting, weil er ein eher bedeutungsloses Techtelmächtel mit einer Beratungsfirma verschwiegen hat, die unter anderem auch Kunden aus der Telekommunikationsbranche berät. Vielleicht kann uns, wenn schon nicht "wuff" so doch "sektor3" zu diesem Widerspruch etwas Erhellendes sagen.

Für die IARC ist der Ausschluss von Prof. Ahlbom mMn von Vorteil. Denn wenn die Krebsagentur einen der führenden Epidemiologen Europas wegen eines nicht besonders gravierenden Verstoßes gegen die DoI-Erklärungspflicht vor die Tür setzt, dann bleibt haften: Mensch Meier, die sind aber streng! Und das wiederum ist dringende Voraussetzung dafür, dass das, was da seit heute in Lyon debattiert wird, später auch Akzeptanz findet. Wobei eines freilich schon seit mindestens zehn Jahren klar ist: Wenn die IARC aus dem Meeting keine alarmierende Klassifizierung ableitet, wird sie bei einschlägigen Alarmkritikern in Ungnade fallen. So war es schon immer.

Spannend wird mMn sein, wie deutlich die HF-EMF-Klassifizierung der IARC differenzieren wird zwischen a) Handy-Immission und b) Sendemasten-Immission. Zu erwarten ist mMn ein Klassifizierung, die Handys unter einen gewissen Verdacht stellt, nicht aber Sendemasten. Sollte es tatsächlich zu einem Freispruch für Sendemasten kommen, wird es sicherlich amüsant sein, die Reaktionen und mehr noch die Nicht-Reaktionen der Szene zu beobachten, denn ein solcher Freispruch würde der Szene praktisch die Existenzgrundlage entziehen. Was die Szene selbstverständlich "irgendwie" zu verhindern wissen wird, erprobte Mittel dazu ist konsequentes Wegschauen und die Uminterpretation von Aussagen.

Doch wenn ich mir die 445 Seiten der IARC über das 2002 vorangegangene NF-EMF-Meeting so ansehe, und vergeblich nach einer laienverständlichen Kurzbewertung in zwei drei Absätzen durchwühle, dann sehe ich noch ein anderes Problem: Wer soll auf Seiten der Kritiker das alles lesen und auch noch richtig verstehen? Groß ist das Risiko, dass nur einer oder zwei Großkritiker versuchen werden, die Deutungshoheit über das zu erwartende IARC-Papier zu bekommen - es wird sich darin schon irgendetwas Alarmierndes finden lassen - und diese Deutung über die üblichen Kanülen in die Szene injizieren werden. Tut sich auf der Gegenseite gleiches, werden die ersehnten Aha-Erlebnisse wahrscheinlich im Dickicht einer Schlacht mit vielen Literaturverweisen unter gehen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Deutungshoheit, Freispruch


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