Keine Angst vor WLAN-Router - Drießen erklärt Studienlage (Allgemein)

Gast, Sonntag, 24.10.2021, 09:14 (vor 403 Tagen)

Auszug: Angst vor Wlan-Router, Tablet und Smartphone?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, stuft hochfrequente elektromagnetische Felder seit 2011 als „möglicherweise krebserregend" ein. Solche Felder entstehen unter anderem bei der Drahtloskommunikation über Smartphone und WLAN-Router – Geräte, die vielfach auch im Klinikalltag genutzt werden. Wir sprachen mit Dr. rer. nat. Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der RWTH Aachen University über die aktuelle Forschungslage

pflegen-online: Frau Dr. Drießen, wie wirken hochfrequente elektromagnetische Felder auf den Menschen?

Dr. rer. nat. Sarah Drießen: Erwiesen ist eine thermische Wirkung, das heißt, eine Erwärmung. Man sagt, dass der Körper eine gewisse Temperaturschwankung vertragen und ausgleichen kann und deshalb kleine Unterschiede tolerierbar sind. Alle Grenzwerte beruhen auf dieser thermischen Wirkung. Sie verhindern, dass wir beim Telefonieren übermäßig erwärmen oder eine nennenswerte Temperaturschwankung stattfindet, wenn man neben einer Mobilfunkantenne wohnt.

Gibt es Hinweise auf weitere Auswirkungen?

Tatsächlich werden auch andere, athermische Wirkungen diskutiert. Es gibt Studien, die etwa auf einen Zusammenhang mit Krebserkrankungen hindeuten. Oft sind solche Zusammenhänge statistisch nur wenig signifikant – aber dennoch sind sie da und stehen im Raum. Das Gleiche gilt zum Beispiel für Wirkungen auf den Schlaf, das EEG oder die Kognition.

Wie belastbar ist die Studienlage hierzu?

Konsistent sind solche athermischen Wirkungen bisher nicht nachgewiesen. Die IARC hat hochfrequente Strahlung als „möglicherweise krebserregend“ eingruppiert. Hauptsächlich aus epidemiologischen Studien, aber auch aus ein paar Tierstudien geht hervor, dass es hier einen Zusammenhang geben könnte. Aber: Wir haben ebenso viele gute Studien, die genau diesen Zusammenhang nicht zeigen. Aus diesem Grund kann man das bislang nicht klar bewerten und sagt: möglicherweise krebserregend. Wir bräuchten hier weitere Forschung – und wenn dieser Zusammenhang tatsächlich klar gegeben wäre, müsste man auch nach einem entsprechenden Wirkmechanismus suchen.

Das heißt, athermische Wirkungen sind derzeit weder belegt noch entkräftet?

Wir haben zwei Lager, zum einen die Wissenschaftler, die daran festhalten, dass es allein die thermische Wirkung gibt, und die in der so genannten nicht-ionisierenden Strahlung unterhalb der Grenzwerte gar kein Problem sehen. Und zum anderen die Kritiker, die eben doch auf weitere Wirkungen verweisen. Das Problem ist, dass beide Seiten häufig gezielt die Studien heranziehen, die dem jeweiligen Standpunkt dienen. Mehr ...

Hintergrund: IARC-Klassifikation: Handy - Group 2B, Sendemasten - Group 3

Tags:
Wissenschaft, Handy, Klassifizierung, 2B, Studienlage, Drießen

Kritiker sind Profiteure u. verantwortungslose Selbstdarsteller

KlaKla, Sonntag, 24.10.2021, 09:56 (vor 403 Tagen) @ Gast

Wir haben zwei Lager, zum einen die Wissenschaftler, die daran festhalten, dass es allein die thermische Wirkung gibt, und die in der so genannten nicht-ionisierenden Strahlung unterhalb der Grenzwerte gar kein Problem sehen. Und zum anderen die Kritiker, die eben doch auf weitere Wirkungen verweisen.

Selbst für Laien leicht verständlich, sind die kommerziellen Interessen der Kritiker die auf weitere Wirkungen verweisen um ihre fragwürdigen Dienstleistungen zu verkaufen oder um sich schlicht und einfach wichtig zu machen. Siehe Baubiologen, Heilpraktiker und sonstige Quereinsteiger. In der Echokammer dominieren die Profiteure sie geben den Ton an, nicht die besorgte/verwirrten Laien.

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Geltungsdrang, Profiteur, Selbstdarsteller, Kommerz, Hochmut, Echokammer, Plurv

Drießen über Mobilfunkgegner: "werden nicht ernst genommen"

H. Lamarr @, München, Sonntag, 24.10.2021, 14:26 (vor 403 Tagen) @ Gast

Auszug: Angst vor Wlan-Router, Tablet und Smartphone?

Noch eine treffende Einschätzung von Sarah Drießen:

Die Skeptiker übertreiben oft, und sie beziehen sich häufig auf halbgare, schlechte Studien, sodass sie am Ende nicht ernst genommen werden. Wenn man das aber vernünftig aufziehen würde, könnte man fundiert schon einiges bemängeln. Wir müssen aber auch sehen: Wenn es richtig harte, schlimme Effekte gäbe, dann hätten es die vorhandenen Studien schon gezeigt. In die Grenzwerte ist ein Sicherheitsfaktor eingerechnet, sie gelten auch für geschwächte Menschen. Nur könnte es eben dennoch Restrisiken geben – und es würde sich sicher lohnen, diese im Sinne einer guten Vorsorge weiter zu untersuchen. Allerdings fehlt bei uns meines Erachtens der politische Wille, weitere systematische Untersuchungen zu fördern und auch nachhaltig am Ball zu bleiben. Vielleicht möchte man die Diskussion gar nicht neu anfachen.

Drießen bringt in dem Interview den Sachverhalt gut auf den Punkt. Nur einen wichtigen Punkt vermisse ich bei ihr (und bei allen anderen Wissenschaftlern): Um die Mobilfunkdebatte besser nachvollziehen zu können, muss man die Motivation von Mobilfunkgegnern in die Betrachtung mit einbeziehen. Es wird gerne so getan, als seinen Mobilfunkgegner durchwegs selbstlose edle Kämpfer gegen einen unsichtbaren Feind, der sich auf eine breite Unterstützung von Politik und korrupter Wissenschaftler verlassen kann. Nach 20 Jahren tagtäglicher Beschäftigung mit dem Thema behaupte ich: Das ist ein von organisierten Mobilfunkgegnern listig eingefädelter Trugschluss, der auf dem althergebrachten Stereotyp beruht, dass "die da oben" denen "da unten" grundsätzlich nicht wohlgesonnen sind. Was zuweilen ja auch zutreffen mag.

Meine Erfahrung ist jedoch eine ganz andere: Ein maßgebender Anteil der Mobilfunkgegner ist keineswegs edel und selbstlos, sondern zieht aus der fortwährenden Befeuerung der Mobilfunkdebatte ohne Wenn & Aber materiellen oder immateriellen Profit. Belege für diese Behauptung finden sich hier im Forum massenhaft. Aus meiner Sicht ist die Mobilfunkdebatte, die zu gefühlt 90 Prozent von Laien geführt wird, zum weit überwiegenden Teil eine Inszenierung, die den persönlichen Interessen der Profiteure dient. Zu den Profiteuren zähle ich z.B. fortgebildete "Baubiologen", wenn diese gratis irrationale Ängste gegenüber Funkwellen schüren, nur um diese dann gegen Honorar mit objektiv unnötigen Dienstleistungen (Messungen, Schirmmaßnahmen ...) wieder zu nehmen. Damit kein Missverständnis aufkommt: Das Gros laienhafter Mobilfunkgegner sind mMn von Profiteuren aufgehetzte Mitläufer, die zumindest anfangs aufgrund irrationaler Ängste im festen Glauben an eine gute Sache unfreiwillig in die Anti-Mobilfunk-Szene hinein stolpern und sich willig instrumentalisieren lassen. Die meisten kehren der Szene nach einiger Zeit wieder den Rücken, einige aber finden Geschmack an ihrer Rolle und genießen die ihnen zuteil werdende Aufmerksamkeit. Sie bleiben bei der Stange und werden zu Profiteuren aus immateriellen Interesse.

Die mit Abstand wichtigsten Stimmen in der Mobilfunkdebatte sind die von Wissenschaftlern der Bioelektromagnetik. Doch deren Blick ist auf Studien und Fakten gerichtet, sie kümmern sich nicht um die Motivationen von Mobilfunkgegnern – und schweigen deshalb zu diesem Thema. Soziologen könnten Licht ins Dickicht der Motivationen bringen, mir ist jedoch keine einzige soziologische Studie bekannt, die sich mit den materiellen und immateriellen Interessen von Mobilfunkgegnern beschäftigt hat. Dabei wäre eine solche Studie aus meiner Sicht ein gar nicht so schwierig zu setzender Meilenstein in der Mobilfunkdebatte. Denn wer die Hintergründe öffentlich wahrgenommener Mobilfunkgegner recherchiert, erkennt recht schnell, woher der Wind weht und wohin der Hase läuft.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Angst, Durchlauferhitzer, Inszenierung, Motivation, Krankheitsgewinn, materieller/immaterieller Profit

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