Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Samstag, 17.06.2023, 12:50 (vor 311 Tagen) @ KlaKla

Zu dieser Aktion gibt einen Artikel in der Berliner Zeitung.

Auszug:

[...] Als von den allgegenwärtigen Mobilfunkmasten die Rede ist, meldet sich der Betroffene Stefan K. zu Wort. „Als ich damals Hirnkrebs bekam, habe ich sofort versucht herauszufinden, woran es denn liegen könnte“, sagt der 62-Jährige. „Dann guck ich eines Tages aus dem Fenster und sehe einen riesigen Mobilfunkmast.“ Er sagt, damals habe ihm sein Arzt erzählt, dass die Masten höchstwahrscheinlich der Grund seiner Erkrankung wären – obwohl man das nicht nachweisen konnte. [...]

Ginge es nach mir, dem Arzt gehörte wegen offensichtlicher Unfähigkeit die Approbation entzogen. Denn wenn überhaupt Mobilfunk für Hirntumoren verantwortlich gemacht wird, dann von den wenigen akademischen Anhängern dieser Hypothese wegen der körpernah betriebenen Smartphones und nicht wegen der Funkmasten. Auch ein Arzt sollte heutzutage wissen, dass ein Smartphone das Hirn seines Besitzers umso weniger "verstrahlt", je kürzer die Distanz zwischen Funkmast und Endgerät ist. Das können sogar Kinder schon kapieren.

Mästle & Co. sind zwar keine "Superspreader", dazu sind ihre Anliegen zu abseitig, aber wer auf der Suche nach einer nicht-diagnostizierbaren Krankheit ist, könnte von den "Schleusern" durchaus inspiriert werden, bei "EHS" beherzt zuzugreifen. So gesehen richten die Mästles der Republik nur Schaden an. Denn sie nehmen billigend in kauf, dass sie psychisch labile Personen in eine Sackgasse bugsieren, an deren Ende der Suizid lauert. In Deutschland gibt es dazu allerdings nur einen einzigen verbrieften Fall. Den auf dem Gewissen zu haben, müsste für die Schleuser aber belastend sein, wären sie sich dieser Schattenseite ihrer öffentlichen Auftritte bewusst, statt sie zu verdrängen. Und wenn Mästle und Warmbold der Kleinpartei ÖDP angehören, die sich von ihrem Ex-Bundesvorsitzenden Klaus Buchner erfolglos als Deutschlands einzige mobilfunkkritische Partei positionieren lässt, dann halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass die Beiden ihr öffentliches TamTam auch deshalb veranstalten, um ihrer Partei ein paar neue Anhänger zuzuschanzen. Wenn dies zutrifft, wäre mMn das Treiben der Beiden nicht nur schädlich, sondern verwerflich.

Die Mär von den vielen "Elektrosensiblen", die wegen ihrer Phobie nicht öffentlich in Erscheinung treten können, fiel 2019 vor dem Berliner Reichstagsgebäude wie ein Kartenhaus zusammen. Trotz wochenlanger Aufrufe in der Szene nahmen an der "Großveranstaltung" von Funkgegnern bundesweit nicht einmal 100 "Elektrosensible" in Gestalt von Pappkameraden teil. Eindrucksvoller lässt sich die Marginalität der seltenen Phobie nicht demonstrieren.

Die tatsächliche Anzahl der Betroffenen ist winzig, doch wegen der Abseitigkeit von "Elektrosensibilität" macht vor allem die Boulevardpresse gerne darauf aufmerksam. Dies wiederum weckt Begehrlichkeiten bei einem bunten Strauß von Geschäftemachern, die z.B. mit Heilsversprechen und einer großen Vielfalt an nutzlosen "technischen Hilfsmitteln" den künstlich geschaffenen Markt besorgter Bundesbürger auf ähnlich verlogene Weise bedienen wie bei den hinlänglich bekannten "Kaffeefahrten".

Hintergrund
Und wer therapiert den Therapeuten?

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Gerücht, EHS-Geschichte, Hirntumor, Hypothese, ÖDP, Phobie, Koppelgeschäft, Trittbrettfahren, Mästle, Warmbold


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