Meinungen zum TAB-Bericht übers Risiko Mobilfunk (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 28.02.2023, 13:36 (vor 452 Tagen) @ H. Lamarr

Wie ein Telefonat mit Projektleiter Revermann heute ergab, ist der Bericht von allen Fraktionen des Bundestags gebilligt worden, Änderungswünsche wurden eingearbeitet und voraussichtlich noch diese Woche wird der Bericht als Bundestagsdrucksache auf der Website des Bundestages veröffentlicht. Im Laufe dieses Monats wird ihn auch das TAB auf seine Website nehmen.

Adelheid, jetzt ist's soweit:

Mögliche gesundheitliche Auswirkungen verschiedener Frequenzbereiche elektromagnetischer Felder (HF-EMF) (PDF, 311 Seiten)

Auf dem Portal teletarif.de hat Henning Gajek seine Sicht auf den TAB-Bericht veröffentlicht, ein Kommentator teilt diese nicht:

Im Rahmen der "Tech­nik­fol­gen­abschät­zung" hat der Deut­sche Bundestag in diesen Tagen seinen "Tech­nik­fol­gen­bericht zu gesund­heit­lichen Auswir­kungen der Mobil­funk­strah­lung" veröf­fent­licht. Die Einfüh­rung beschreibt recht anschau­lich das Dilemma: "Ein beson­deres Augen­merk wurde auf eine trans­parente Unter­schei­dung zwischen eviden­zba­sierten wissen­schaft­lichen Befunden und mögli­chen Inter­pre­tationen seitens gesell­schaft­licher Stake­holder sowie poli­tischer Akteure gelegt. In diesem Sinne leistet der Bericht wohl eine Risi­koab­schät­zung, aber keine dezi­dierte Risi­kobe­wer­tung." mehr ...

Der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk, Stuttgart, nahm die Veröffentlichung des Berichts zum Anlass, auf seiner Website seine Meinung zu dem Papier vorzutragen. Dem Verein zufolge hat der Bericht große Bedeutung, weil er ein von allen Fraktionen des Bundestags getragenes Konsenspapier sei, der Bundestag sich somit auf eine Risikoeinschätzung der Mobilfunktechnik festgelegt habe. Der Verein interpretiert die "Gesamtaussage" des Berichts erwartungsgemäß in seinem Sinne: Es gäbe eine umfangreiche Studienlage, die Gesundheitsrisken nachweise und nicht weiter unter den Teppich gekehrt werden dürfe. Diese Studienlage müsse diskutiert und daraus Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Ausgrenzung von kritischen Wissenschaftlern und NGOs in dieser Debatte solle beendet werden.

Kommentar: Mit NGOs meint Diagnose-Funk erstrangig sich selbst. Seit gut zehn Jahren bemüht sich der Verein vergeblich um landes- und bundespolitischen Einfluss auf die "Mobilfunkpolitik". Vergeblich deshalb, weil sein Auftreten indiskutabel populistisch und fachlich unqualifiziert darauf abzielt, mit einseitig alarmistischen Interpretationen der wissenschaftlichen Risikodebatte die Bevölkerung mit irrationalen Ängsten gegenüber elektromagnetischen Feldern zu infizieren. Schaut man sich an, welche Partei im Bundestag quasi als politischer Vertreter von Diagnose-Funk in dieselbe Kerbe haut, werden Parallelen sichtbar. Entsprechende Vorstöße der AfD scheiterten bislang am geschlossenen Widerstand aller anderen Parteien. Gut so.

Auch mit Blick auf kommerziellen Lobbyismus verbietet sich politischer Einfluss des Stuttgarter Vereins, denn sein Handeln ist für alle Geschäftsmodelle förderlich, die auf irrationalen Ängsten gegenüber Elektrosmog basieren. Nein, kein Politiker benötigt den Rat von selbsternannten Experten in Sachfragen des Mobilfunks, dafür gibt es hierzulande ausreichend viel besser qualifiziertes Personal. Gegen dessen Fachkompetenz ist Diagnose-Funk machtlos. Ersatzweise bemüht sich der Verein deshalb mit allen Mitteln, Zweifel an der Integrität seiner Konkurrenten zu säen. Das ist bizarr, denn Diagnose-Funk selbst hat keine Hemmungen, ausgerechnet einen "Baubiologen" als ersten Vorsitzenden zu beschäftigen, also jemanden, der kommerziell von Ängsten gegenüber Elektrosmog profitiert. Mit dem BUND gibt es überdies eine bürgerschaftliche Organisation, die seit jeher am Runden Tisch EMF des Bundesamtes für Strahlenschutz vertreten ist und dort ihre Bedenken vortragen kann, das von Diagnose-Funk gesehene Vakuum bei der Interessenvertretung, es existiert gar nicht.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Selbstüberschätzung, Risikobewertung, Lobbyismus, Zweifel säen, Gschaftlhuber, Geschäftemacherei


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