Fliegengewicht Hensinger fordert Schwergewicht Röösli heraus (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.07.2022, 20:15 (vor 121 Tagen)

Im Dezember 2021 publizierte eine Autorengruppe um den Schweizer Epidemiologen Prof. Martin Röösli in einer Fachzeitschrift einen Artikel über mutmaßliche Gesundheitsrisiken von 5G. Dies rief Peter Hensinger, den zweiten Vorsitzenden des Vereins Diagnose-Funk auf den Plan. Mit zwei Gegendarstellungen will Hensinger die Abhandlung der Autorengruppe entkräften. Das IZgMF hat mit Stichproben geprüft, ob es dem Herausforderer gelungen ist, den Champion in Verlegenheit zu bringen.

Sachverhalt

Der Artikel der siebenköpfigen Schweizer Autorengruppe erschien in der medizinischen Fachzeitschrift Aktuelle Kardiologie unter dem Titel "Gesundheitsrisiko Mobilfunkstrahlung? Was ändert sich mit 5G?" (Volltext). Korrespondenzautor ist Martin Röösli. Mit einem Impact-Factor von 0,1 zählt die Zeitschrift nicht zu den wissenschaftlich hochrangigen Journalen, was mutmaßlich auch daran liegt, dass das Blatt Mitteilungsorgan von zwei Kardiologenverbänden ist. In der Wissenschaftsliteratur ist der Impact-Factor in etwa das, was bei TV-Sendungen die Einschaltquote ist. Aktuelle Kardiologie hat eigenen aktuellen Angaben zufolge pro Heft eine verkaufte Auflage von 3'770 Exemplaren, eine ganzseitige 4-farbige Anzeigenseite steht zum Listenpreis von 5'140 Euro in den Mediaunterlagen.

Im März 2022 erhielt Röösli von der Zeitschrift die Nachricht, Peter Hensinger und zwei Mitglieder des Ärztearbeitskreis digitale Medien Stuttgart hätten bei Aktuelle Kardiologie eine Gegendarstellung in Form eines Leserbriefs eingereicht. Weder der Leserbrief noch Rööslis Erwiderung darauf wurden bisher von der Zeitschrift veröffentlicht. Doch dies ist zu verschmerzen, denn am 16. Mai 2022 erschien, nun exklusiv von Hensinger, in der Zeitschrift Umwelt Medizin Gesellschaft (UMG) eine 7-seitige Langfassung der Kritik unter dem Titel "Eine Auseinandersetzung mit Prof. M. Rööslis Darstellung der Studienlage zu nicht-ionisierender Strahlung und 5G" (Volltext, deutsch). Mit einem Impact-Factor von 0 ist UMG wissenschaftlich völlig unsichtbar. Das quartalsweise erscheinende Blatt ist Mitteilungsorgan von sieben Vereinen niedergelassener Umweltmediziner, die verbreitete Auflage gemäß der Mediadaten für 2022 beträgt 2'500 Exemplare und eine ganzseitige 4-farbige Anzeigenseite ist für 650 Euro Listenpreis zu haben.

Der Artikel Hensingers in der Zeitschrift UMG ist Gegenstand unserer Betrachtungen.

Augenscheinlich hält Peter Hensinger seine Entgegnungen zur Darstellung der Schweizer Autorengruppe für so bedeutsam, dass er von UMG extra einen englischsprachigen Sonderdruck seines Beitrags anfertigen ließ und diesen Louis Slesin übergab, dem Herausgeber von Microwave News, USA. Slesin ließ sich nicht lumpen. Er nahm die Steilvorlage aus Deutschland an und verwurstete sie am 20. Juli 2022 auf seiner Website unter dem Titel "Der üble Geruch der Wahrheit" mit dem Untertitel "Die Korruption der wissenschaftlichen Literatur geht weiter". Diese Titelzeilen sind eine enttäuschende Offenbarung. Sie belegen, der New Yorker glaubt Hensinger ungeprüft jedes Wort. Der alternde Slesin riskiert damit nach diesem Ausrutscher, der ebenfalls auf Diagnose-Funk zurückzuführen ist, erneut seinen guten Ruf, den er sich seit 1981 als ausforschender, kritischer und gut vernetzter Beobachter der endlosen Debatte um mögliche und unmögliche Risiken einer Einwirkung elektromagnetischer Felder auf Menschen erworben hat. Hensinger werden solche Überlegungen fremd sein, er kann sich darüber freuen, dass Slesin ihm auf den Leim ging und die Verbreitung seines Sonderdrucks übernommen hat.

Wird fortgesetzt ...

Hintergrund
Untergang und Wiederauferstehung der Zeitschrift UMG
Ärztearbeitskreis digitale Medien Stuttgart: Fußabdruck im IZgMF-Forum

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Wissenschaftler, Hensinger, Umwelt-Medizin-Gesellschaft, Slesin, Verbandszeitschrift, Röösli, Pseudo-Experte, Sonderdruck


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