Eingabe zu den Koalitionsverhandlungen: Kinderpost (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 27.10.2021, 23:07 (vor 243 Tagen) @ H. Lamarr

Aber: Ich halte Gutbier nicht für so dumm, dass er ernsthaft glaubt, seine Eingabe, die am 21. Oktober noch einmal als "Pressemitteilung" aufgebrüht wurde, könnte in Berlin über den Reißwolf hinaus kommen.

Das Stuttgarter Hauptpostamt verkündet in seiner "Pressemitteilung" unter anderem die Parolen ...

Glasfaserausbau vorantreiben, Mobilfunkgrenzwerte zur Strahlenminimierung senken, Technikfolgenabschätzung für 5G-Mobilfunkausbau.

Glasfaserausbau forcieren: Ja, das hört und liest man ja häufig, der Glasfaserausbau solle vorangetrieben werden. Schön, dass auch Diagnose-Funk das fordert. Aber: Anscheinend haben die Stuttgarter nicht auf dem Schirm, dass es dabei (auch) um die flinke Anbindung von Mobilfunksendemasten geht, damit 5G überhaupt die versprochenen tollen Leistungswerte erreichen kann. Nur mal so zur Info fürs Hauptpostamt: Der Funkmast auf dem Dach unseres Nachbarn wurde bereits vor geraumer Zeit an Glasfaser angeschlossen, unser Haus bis heute aber nicht. Nein, ich wohne nicht in Machtelfing, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, sondern in der Bayerischen Landeshauptstadt.

Wozu aber sollte der Glasfaserausbau überhaupt für Privatpersonen vorangetrieben werden, wenn den Leuten eine Übertragungsrate von 1 Gbit/s überdimensioniert erscheint? Ein Blick in die jüngste VATM-Marktstudie verrät, was ich meine: In Deutschland gab es Mitte 2021 knapp 30 Mio. verfügbare Glasfaseranschlüsse. Doch nur 10,9 Mio. davon werden auch tatsächlich genutzt. Die übrigen 18,4 Mio. sind zwar verfügbar (Leitungen wurden gelegt), werden aber nicht genutzt (warum, kann man hier nachlesen). Sagenhafte 63 Prozent der bereits verfügbaren Glasfaseranschlüsse liegen derzeit brach, Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander und Diagnose-Funk fordert: Glasfaserausbau vorantreiben :no:. Die Mobilfunknetzbetreiber wird's freuen, die werden unverzüglich ihre Funkmasten anschließen, sollte dank Diagnose-Funk ein Glasfaseranschluss günstig in Reichweite kommen :-).

Mobilfunkgrenzwerte senken: Welche bitteschön möchte das Hauptpostamt denn gesenkt sehen? Die für Funkmasten oder die für Mobiltelefone? Oder etwa beide? Was für ein Dilettantismus: Anscheinend erwarten die Stuttgarter, dass die Verhandler des Koalitionsvertrags bei ihnen nachfragen, was gesenkt werden soll und vor allem um wie viel :no:. Beinahe hätte ich's vergessen: Wer mehr Mobilfunksender in Stadt und Land sehen möchte fordert tiefere Grenzwerte für Ganzkörperexposition. Je tiefer, desto mehr Mobilfunksender. Comprendido?

Technikfolgenabschätzung: Ist längst erledigt für Frequenzen bis 6 GHz und kann zu den Akten gelegt werden. Ja, aber was ist mit den angeblich unerforschten 26 GHz? Tipp fürs Hauptpostamt: Mal bei Dr. Peter Unger nachfragen (+49 171 83 28 269, Leiter EMVU, Deutsche Telekom) und sich von ihm sagen lassen, dass die deutschen Mobilfunknetzbetreiber Frequenzen über 20 GHz für ihre 5G-Angebote weder zeitnah noch in absehbarer Zukunft einplanen :yes:.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Kinderpost, Netzverdichtung, Nachhilfe, Glasfaser, Forderungen, Technikfolgenabschätzung, Blähboy


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