Faktenfalsche Darstellung des Fundings von ICNIRP-Mitgliedern (Allgemein)

Gast, Montag, 22.06.2020, 00:31 (vor 357 Tagen) @ H. Lamarr

Die Europaabgeordneten Michèle Rivasi (Europe Écologie) und Klaus Buchner (ÖDP) haben einen Bericht in Auftrag gegeben, der massive Interessenkonflikte von ICNIRP nachweisen soll.

Interessenkonflikte werden in diesem Bericht sehr widersprüchlich ausgelegt. Die Studie von Huss und Röösli wird zwar prominent erwähnt, jedoch werden die Resultate selektiv und faktenfalsch interpretiert: Die Studie inklusive das Update von 2011 zeigen klar, dass Publikationen mit "mixed" Funding zu keinem Bias führen und solche Publikationen sogar wahrscheinlicher einen Effekt der Mobilfunkstrahlung berichten (statistisch nicht signifikant) als rein öffentlich finanzierte Studien. Mixed Funding bedeutet: Industriegelder werden über Firewalls oder andere Konstrukte (nicht für Profit-Stiftungen) so verteilt, dass die Industrie keinen Einfluss nehmen kann. Es ist nicht überraschend, dass auch nachgewiesen wurde, bei Mixed-Funding-Studien ist die Qualität besser. Mögliche Gründe dafür: Bei solchen Studien dürfte das Funding höher sein und es wird genauer hingeschaut.

Praktisch alles was in dem Buchner/Rivasi-Bericht ICNIRP-Mitgliedern als Industrie-Funding unterstellt wird, ist in Wahrheit solches Firewall-Funding ohne Kontakt zur Industrie. Auch das große "Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm" (DMF) wurde von 2002 bis 2008 auf diese Weise mit 17 Mio. Euro finanziert, Firewall war das Bundesamt für Strahlenschutz.

Faktisch bleibt also nicht viel übrig von den vielen Anschuldigungen.

Befremdend ist in diesem Zusammenhang, dass der Bericht mit Lennart Hardell einen Wissenschaftler zitiert, der sowohl von der Industrie (Telia) wie auch von Aktivisten (z.B. der Schweizer Verein Gigaherz oder die deutsche Pandora-Stiftung) direkt Gelder entgegengenommen hat. Das Industrie-Funding, das Hardell für seine erste Fall-Kontroll-Studie erhielt, gibt er in allen späteren Publikation, die auf den Daten der ersten Studie aufbauen, nicht mehr an. Die beiden Berichterstatter scheint dies in keiner Weise zu beunruhigen. Warum nicht?

Auch wenn Interessenkonflikte zweifellos ein wichtiges Thema sind, so ist es doch wünschenswert, nicht nur mit einem Auge, sondern mit beiden genau hinzuschauen und faktentreu zu berichtet. Wegen der offensichtlichen Schieflage des Berichts dürfen sich die Berichterstatter nicht wundern, wenn ihr Papier nur als ein weiterer Beleg gesehen wird, wie gewisse Leute mit Fakten umgehen, um so gezielt Zweifel und eine Kontroverse zu schüren. Dies ist eine Taktik, die gerne der Tabakindustrie nachgesagt wird. Da passt es treffend ins Bild, dass die Pandora-Stiftung von einem Ex-Tabaklobbyisten geleitet wird.

Tags:
Interessenkonflikt, Entwertung, Hardell, Ex-Tabaklobbyist, Faktencheck, Huss, Fake-News, 5G-Experte, Rivasi-Report, Firewall


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