Millionenspiel: Gigaherz-Jakob kapiert Röösli nicht (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 23.02.2020, 17:35 (vor 580 Tagen)

Gigaherz-Präsident Jakob (81) demonstriert auf seiner Website wieder einmal eindrucksvoll sein begrenztes Textverständnis und sein technisches Unvermögen. Die vorgetragene Story ist wie üblich wirr und für Außenstehende kaum nachvollziehbar, da Jakob den Wissenschaftler Röösli zwar angreift, den Stein des angeblichen Anstoßes jedoch nicht verlinkt. Ergo müssen seine Leser sich mit der Ansage zufrieden geben, Martin Röösli würde öffentlich behaupten, die Strahlung von Mobilfunkantennen auf dem Nachbardach sei eine Million mal schwächer als das Handy am eigenen Ohr.

Das aber hat Röösli gar nicht gesagt. Tatsächlich sagte er vor laufender Kamera mit Blick auf eine Grafik (Minute 3:20):

[...] Hier sieht man zum Beispiel, dass, wenn man sehr guten Empfang hat, dann strahlt ein Handy eine Million Mal weniger stark, als wenn man sehr schlechten Empfang hat. [...]

Wie es zu diesem Faktor 1 Million kommt, das ist in diesem Posting vom 3. November 2019 ausführlich für verständige Menschen beschrieben.

Jakob aber ist nicht verständig, sondern ein starrsinniger Dilettant. Er versteht Röösli nicht nur falsch, sondern kommt zudem noch mit unzulässigen Messwerten daher, um seine wirre Verdrehung der Fakten zu begründen.

Es ist kaum zu glauben, doch der Gigaherz-Präsident setzt die Emission eines Handys in Beziehung zur Immission, die irgendein Sendemast hervorruft. Das grenzt so dicht an Schwachsinn, dass es mir schwer fällt, den Widersinn dieses Vorgehens in Worte zu fassen. Röösli lässt sich damit jedenfalls in keiner Weise widerlegen.

Vielleicht geht es so: Jakob hält die Messsonde eines altertümlichen Messgeräts dicht neben ein GSM-Handy und liest am Display den Messwert 120 V/m ab. Dann behauptet er willkürlich, eine GSM-Basisstation (400 W Strahlungsleistung) würde in 1,2 km Entfernung zu 0,12 V/m Immission führen. Beide Werte rechnet er sodann von elektrischer Feldstärke in Leistungsflussdichte um und wie durch Zauberhand kommt heraus, dass das Handy 1 Million Mal stärker strahlt als das ankommende Signal des Sendemasten. Nur, was hat das mit Rööslis Aussage zu tun? Jakob wiederholt anschließend diese Prozedur mit 3G- und 4G-Technik, wobei die Differenz der Werte bei 3G auf Faktor 40 fällt und bei 4G auf Faktor Null. Am Ende triumphiert der Gigaherz-Präsident:

Rööslis Million hat sich in Luft aufgelöst. Ganz im Gegenteil zum Sponsoring aus der Industrie, das seinen Forschungen zufliesst. Dieses dürfte wahrscheinlich schon 1 Million mal höher geworden sein, als zur Zeit der 2G-Handys.

Für mich fällt Jakobs verstörter Widerlegungsversuch in die Kategorie "nachts ist es kälter als draußen", bei der man ebenfalls in Nöte kommt, ernsthaft etwas entgegnen zu können. Um nicht noch mehr Zeit mit dem Irrsinn der Drama-Queen aus Schwarzenburg zu verplempern, deshalb nur einige Stichpunkte:

► Der Widerlegungsversuch ist vom Ansatz her falsch, da Jakob etwas widerlegen möchte, was Röösli gar nicht sagte.
► Jakobs Messung direkt an einem Handy fand wahrscheinlich im reaktiven Nahfeld der Handy-Antenne statt und ist damit mit der gezeigten Messsonde unzulässig. Aus gutem Grund sind für Nahfeldmessungen SAR-Messplätze erforderlich.
► Die Umrechnung von elektrischer Feldstärke auf Leistungsflussdichte ist für die Handymessung unzulässig und falsch, weil der von Jakob verwendete Feldwellenwiderstand von 377 Ohm nur im Fernfeld einer Antenne (mindestens etwa vier Wellenlängen von der Antenne entfernt) wirksam ist.
► Jakob übersieht, dass alle Handys, auch 5G-Handys, noch immer die "alte" Betriebsart GSM900 beherrschen.
► Da bei allen Mobilfunksystemen die Basisstation bestimmt, wie stark ein Mobiltelefon sendet, weiß nur der Himmel, unter welchen zufälligen Bedingungen Jakob seine Messwerte an Handys genommen hat. Für reproduzierbare Bedingungen hätte er einen Funkmessplatz und eine Test-SIM benötigt, beides hat er jedoch nicht. Und wenn er es hätte, könnte er damit nicht richtig umgehen.
► Jakob setzt seine Messwerte zusammenhanglos in Beziehung. Das ist völlig sinnleer. Wenn überhaupt, dürfte er für seine Betrachtung nicht irgendeinen Sendemasten heranziehen, sondern nur die selektiv gemessene Immission des Sendemasten auswerten, der momentan Verbindung zu dem Mobiltelefon hat.
► Jakobs Messwerte der Basisstationen sind willkürlich angenommene Werte, die in der realen Welt um Größenordnungen nach oben oder unten anders lauten können. Was der Ex-Elektriker da macht erinnert an den Schützen, der wahllos auf eine Bretterwand feuert und nachträglich um die Einschusslöcher die konzentrischen Ringe von Zielscheiben pinselt, um Volltreffer vorzutäuschen.

Wer sich jetzt fragt, warum ich dem offensichtlichen Unsinn von Jakobs Widerlegungsversuch überhaupt widerspreche, und diesen nicht wie alle anderen einfach nur ignoriere: Bei Fachleuten hat der Gigaherz-Präsident zu keiner Zeit auch nur einen einzigen Stich gemacht, seine Klientel sind Laien, die von Funktechnik noch weniger verstehen als er. Und davon, das zeigen zahllose Einträge in diesem Forum, gibt es viele, darunter leider auch einflussreiche Politiker. Jakob wegzusperren oder anderweitig mundtot zu machen ist rechtsstaatlich unzulässig. So bleibt als einziges Mittel, ihm auf Dauer die unheilvolle Wirkung eines Spaltpilzes zu nehmen, der Widerspruch. Konsequent dann, sobald der selbsternannte Experte seiner Klientel hanebüchenen Blödsinn auftischt. Das tut er aber so häufig, dass die Kapazitäten des IZgMF nicht ausreichen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Jakob, Wissenschaftler, Gigaherz, Röösli, Kompetenzgefälle, Million, Konzessionsklage


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