Stiftung Warentest: Diagnose-Funk kommt aus der Deckung (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 07.09.2019, 12:25 (vor 66 Tagen) @ H. Lamarr

Ist das nicht sonderbar? Der Artikel von Stiftung Warentest hat bis jetzt 67 Kommentare provoziert, den Kommentar eines Kommentators "Diagnose-Funk" sucht man dort indes vergeblich. Ersatzweise meldet sich der Verein auf dem sicheren Territorium seiner eigenen Website zu Wort, dort muss er keinen Widerspruch fürchten (Beitrag "Voll daneben oder wie bestellt? Stiftung Warentest zum Risiko Handy").

Überraschungen bietet die Entgegnung von Diagnose-Funk nicht, wie immer hapert es nicht am Fleiß der Stuttgarter, sich in Szene zu setzen, sondern an der Substanz des Textbreis. Stereotyp unterstellt der Verein auch der Stiftung Warentest ungebührliche Industrienähe. Diese reflexartige Reaktion zeigt Diagnose-Funk vorhersagbar dann, sobald ein Akteur in der Mobilfunkdebatte die alarmierenden Ansichten des Vereins nicht teilt. So ist es müßig, sich im Detail mit den wortreichen pseudowissenschaftlichen Ausführungen der Mobilfunkgegner auseinanderzusetzen, dies wurde anderweitig hier im Forum bereits zur Genüge getan. Die grundsätzlichen Probleme der Stuttgarter sind ihre strikte Einseitigkeit in der Bewertung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes, die mangelhafte fachlichen Qualifikationen ihres Führungspersonals, die Nähe zu kommerziellen Profiteuren der Angst vor Elektrosmog und der befremdliche Drang zum Dramatisieren.

Warum u.a. dieser Verein grundsätzlich zum Alarmieren verdammt ist, wurde 2017 von einem Ressorforschungsbericht des BfS wertungsfrei ebenso gründlich wie überzeugend analysiert. Eine Zusammenfassung des 156 Seiten umfassenden Berichts gibt es bei der Schweizer Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation (Auszug):

Institutionen, die sich primär auf wissenschaftliche Evidenz verlassen (und diese systematisch oder zumindest umfassend analysieren), kommen zu gleichen oder sehr ähnlichen Risikoeinschätzungen. Qualitativ geben diese Einschätzungen eher wenig Anlass zur Besorgnis. Organisationen, welche die wissenschaftliche Datenbasis selektiv und nur spärlich nutzen, die auch ausserwissenschaftliche Evidenzen berücksichtigen und die Studienresultate primär politisch – im Sinne der Vorsorge – bewerten, kommen mehrheitlich zu einer warnenden bis alarmistischen Beurteilung.

Nicht zur Sprache kommen in dem Ressortforschungsbericht die Motive, die Teilnehmer der Mobilfunkdebatte antreiben. Wahrscheinlich deshalb, weil sich darüber häufig nur spekulieren lässt. Das IZgMF beobachtet Diagnose-Funk seit langem und sieht den Verein als verdecktes Marketingvehikel zugunsten von Branchen, die mit irrationalen Ängsten gegenüber Funk Umsätze erwirtschaften (z.B. Baubiologen, niedergelassene Umweltmediziner, Anbieter pseudowissenschaftlicher Esoterikprodukte, Hersteller semiprofessioneller EMF-Messgeräte, Rechtsanwälte, Tabakindustrie ;-) ...). Doch die Gemengenlage ist unübersichtlich, da der Verein auch immaterielle Profiteure dieser Ängste bedient (z.B. Bürgerinitiativen, politische Außenseiter, staatsfeindliche Gruppierungen ...).

Hintergrund
Mobilfunkstudien: Bewertung der Ergebnisse durch Laien
Leitfaden zur praxisorientierten Beurteilung von Berichten über Studienergebnisse (Zeitungsartikel)
Leitfaden zur praxisorientierten Beurteilung von wissenschaftlichen Berichten über Studienergebnisse

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Unterstellung, Entwertung, Diagnose-Funk, Hardell, Adlkofer, Oxidativer Stress, Kommerz, Autodidakt, Chapman, NTP-Studie, Nilsson, StW


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