Die "wissenschaftliche" Tätigkeit von IGUMED (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 21.05.2017, 11:59 (vor 907 Tagen) @ KlaKla

Die Aktion Blutuntersuchung mit Dr. Peter Germann würde ich gelten lassen als wissenschaftliche Tätigkeit.

Soso, die sogenannte Dr.-Germann-Studie (PDF, 10 Seiten) würdest du also gelten lassen. Deine Ansprüchen kenne ich nicht, hoch können sie jedoch nicht sein :waving:.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schrieb 2006 über die sogenannte Dr.-Germann-Studie die folgende Bewertung. Wenn dir das zuviel Text ist, lies nur den letzten Absatz:

Hintergrund
In verschiedenen Gegenden Bayerns wurden und werden Untersuchungen zur Beeinflussung von Blutparametern durch Mobilfunksendeanlagen durchgeführt. Hierzu werden freiwilligen Personen jeweils vor und nach der Inbetriebnahme einer Mobilfunksendeanlage Blutproben entnommen und miteinander verglichen. Die Untersuchungen werden in der Regel von örtlichen Bürgerinitiativen initiiert. Im folgenden soll auf eine der bekanntesten Studien eingegangen werden.
Unter Federführung des Mediziners Dr. Germann erschien im Juli 2004 als Internetbeitrag die Arbeit „Einfluss der Mobilfunkbelastung auf die Retikulozytenreifung“ mit dem Untertitel „Vorläufige Bewertung anhand von 1000 Analysen“. Hier wurden 15 Personengruppen aus dem gesamten Bundesgebiet einbezogen. Der Hauptaugenmerk lag dabei auf der Anzahl und dem Reifegrad der Retikulozyten.
Der Normbereich für Retikulozyten wird in der Literatur mit etwa 0,5 bis 2,5 % beziffert. Für den Reifeindex werden mit einem niedrigen, mittleren und hohen Unreifegrad drei Klassen gebildet und jeweils der prozentuale Anteil angegeben.

Ergebnis (Dr. Germann-Studie)
Der Retikulozytenmittelwert war vor Inbetriebnahme 0,87 % (bei 1014 bis 1053 Personen; genaue Zahl nicht bekannt, da in Text und Tabellen verschiedene Zahlen angegeben sind) und nach Inbetriebnahme 0,897 % (bei 440 oder 498 Personen; auch hier uneinheitliche Angaben). 2/3 der Gruppenmitglieder zeigen eine Verringerung der Retikulozytenanzahl und 1/3 eine Erhöhung.

Schlussfolgerungen der Studienautoren
Die Studie kommt bezüglich der Retikulozytenuntersuchungen zu der Schlussfolgerung, „... dass es signifikante Effekte am Menschen durch pulsierende EMF gibt ...“. Einige Absätze später wird noch ausgeführt, „... dass Kinder und Jugendliche deutlicher auf die Einflüsse reagieren, als die im Vergleich ältere Generation (bis 1960 geboren).“ und weiter „... Damit lassen sich auch tragische Einzelfälle erklären, bei denen Kleinstkinder und Kleinkinder ohne bekannte Ursache schwer krank werden oder sterben.“.

Stellungnahmen von Fachgremien, Anmerkungen
Die Dr. Germann-Studie ist in keinem Fachjournal publiziert und konnte deshalb von Expertengremien nicht bewertet werden.
Zu vorhandenen Studien, die mit Blutzellen durchgeführt wurden, stellt der Stewart Report (IEGMP) keine konsistenten Effekte einer schwachen Hochfrequenzexposition auf das blutbildende System oder zirkulierende Blutzellen fest.
Die AGNIR fasst in ihrem Bericht von 2003 zusammen, dass beobachtete hämatologische Abweichungen bei Berufstätigen, die einer Hochfrequenzexposition ausgesetzt waren, geringfügig und die vorhandenen Studien widersprüchlich seien. Die Ergebnisse deuteten nicht auf ein Risiko hin.
Anmerkungen zur Dr. Germann-Studie: Alle Blutwerte liegen offensichtlich im physiologischen Normbereich. Die angegebenen Mittelwerte sind nicht signifikant unterschiedlich und die Angaben zur Schiefe der Verteilung sind mit den angegebenen Daten nicht nachprüfbar. Eine Fehlerrechnung oder die Angabe von Messfehlern wurde unterlassen. Zahlenangaben sind mehrfach widersprüchlich und Mittelwertberechnungen mathematisch unkorrekt durchgeführt. Die Tatsache, dass Analysewerte von den Bedingungen bei der Blutentnahme, dem Transport, dem jeweiligen Labor und vom Laborpersonal abhängig sind, wird zwar erwähnt, findet aber bei der Interpretation der Ergebnisse keine Berücksichtigung. Andere individuell bedingte Einflussparameter wie Gesundheitszustand, Medikamenteneinnahmen oder Ernährungsverhalten wurden nicht berücksichtigt.
Insgesamt muss zusammengefasst werden, dass die vorliegende Arbeit den üblichen wissenschaftlichen Qualitätskriterien nicht genügt. Der gestellten Arbeitshypothese, sowie dem behaupteten kausalen Zusammenhang bei schwer erkrankten Kindern, fehlt jegliche wissenschaftliche Basis. Die getroffenen Schlussfolgerungen sind aus den vorliegenden Daten nicht ableitbar.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
UMG, Germann, Retikulozyten, Bewertung, LGL, Nachprüfbarkeit


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