Dr.-Germann-Studie: Die Studie, die eine war (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 22.05.2017, 09:43 (vor 906 Tagen) @ H. Lamarr

Nachdem das LGL die Dr.-Germann-Studie aus den Angeln gehoben hatte meldete sich der Autor zu Wort und erklärte, seine Studie sei eigentlich gar keine Studie, sondern nur eine Unterrichtung von Bürgerinitiativen. Doch sollte dies zutreffen, die Zielgruppe also aus medizinischen Laien bestehen, dann frage ich mich schon, was sich der Herr Doktor bei den folgenden Zeilen aus seiner Unterrichtung wohl gedacht haben mag:

Die Tatsache, dass bei Kindern unter 4 Jahren die 2. Blutentnahme häufiger nicht möglich war als bei der Ersten, weist darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der EMF-Belastung und der Gerinnung existieren könnte. Diese Erscheinung kann durch eine Reihe von Todesfällen bei Kleinkindern, die an Apoplexie oder Infarkten sterben mussten, zumindest angenommen werden und sollte einer genauen Prüfung unterzogen werden.

Man kann sich leicht denken, was Eltern, die ihre kleinen Kinder an EMF-Bluttests haben teilnehmen lassen, bei dieser leichtfertigen und aus meiner Sicht unverantwortlichen Annahme des Mediziners empfunden haben müssen.

Unter dem Titel Einfluss der Mobilfunkbelastung: Retikulocytenreifung und funktionelle Beschwerden veröffentlichte Dr. med. Peter Germann seine Studie in Ausgabe 1/2007 des Verbandsblattes Umwelt, Medizin, Gesellschaft. Passagenweise finden sich dort Texte aus der "Unterrichtung der Bürgerinitiativen" wieder, so auch die oben zitierte Stelle zur Blutgerinnung bei Kleinkindern:

Die Tatsache, dass bei Kindern unter 4 Jahren die 2. Blutentnahme häufiger nicht möglich war als bei der ersten, weist auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der EMF- Belastung und der Gerinnung hin.

Den Hinweis auf "Todefälle bei Kleinkindern" hat Dr. Germann jedoch weggelassen. Dies ist einerseits nach der Kritik durch das LGL nachvollziehbar, andererseits irritiert diese Entschärfung erheblich: Medizinischen Laien hat Dr. Germann seine Mutmaßung über Todesfälle bei Kleinkindern noch zugemutet, seinen Ärztekollegen (Leser von UMG) hingegen nicht. Der Wormser Mediziner gerät damit voll in den Bannstrahl der Bundesärztekammer, die 2012 anmahnte, die Ausübung der Umweltmedizin in Arztpraxen mit Sorge zu betrachten, da dort vielfach durch dubiose Diagnoseverfahren neue Umweltprobleme und -belastungen erst generiert würden.

Das Spiel mit der Angst war und ist nicht nur für unseriöse Umweltmediziner einträglich, sondern ein weit verbreitetes gesellschaftlich hingenommenes Geschäftsmodell, mit dem z.B. Versicherungen, Baubiologen, Sicherheitsfirmen oder Hersteller von Antivirus-Software arbeiten.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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