Bachelorarbeit: Einwirkungen von EMF auf Bäume (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 06.08.2016, 12:44 (vor 2307 Tagen) @ Trebron

Den angeblich damals tatsächlichen Stand wissenschaftlicher Dokumentation findet man also in diesem Buch:
Bernatzky, Alois: Baumkunde und Baumpflege, Thalacker 1994 … ISBN 3-87815-056-3
[...]
Nach zweihundert Seiten ohne Alarm kommt aber zum Abschluss noch ein kurzes Kapitel: „Radiästhesie – Ein Hilfsmittel für Bäume“. Und erst jetzt wird es ein wenig spannend. Denn es geht um Baum-Diagnose mit Wünschelruten-Gehen. Jetzt kommen die Szene-Begriffe wie Wasseradern, Gitterlinen, Lecher-Antenne und den Rest können wir uns besser sparen, sofern wir die Schule nicht bereits nach Klasse 7 verlassen haben.
Der Autor freut sich auf Seite 211, dass das Wünschelrutengehen bereits wissenschaftlich bestätigt und abgesegnet sei.

Nicht nur "Baumforscherin" Dr. med. Waldmann-Selsam beruft sich auf Herrn Bernatzky, auch Simon Maurer, Bachelor im Fach Aboristik an der Fachhochschule Göttingen, tut dies in seiner Bachelorarbeit Einwirkungen elektromagnetischer Strahlung auf Bäume – Eine Literaturrecherche aus dem Jahr 2014 (PDF, 59 Seiten).

Die Arbeit ist aus meiner Sicht nicht ergebnisoffen, sondern unübersehbar tendenziös, der Autor recherchierte selektiv, um eine vorgefasste Meinung mit passenden "Fakten" zu untermauern. So heißt es über das dilettantische Wirken von Waldmann-Selsam und Co. in der Zusammenfassung völlig frei von Kritik:

Neuere Forschungsansätze kommen aus dem Bereich der fotografischen Dokumentation geschädigter Bäume. Es werden Zeitreihen erstellt, die Bäume mit auffälligen Schäden zeigen, die laut der verantwortlichen Forscher nicht durch herkömmliche und bekannte Einflüsse herrühren könnten, sondern neuartig seien und daher durch eine neuartige Schadquelle hervorgerufen würden. Auch könne man ähnliche Schadsymptome an völlig unterschiedlichen Gehölzen antreffen und an scheinbar zufälligen Standorten beobachten. Diese Tatsachen würden deutlich gegen bekannte abiotische und biotische Schadeinflüsse sprechen und ein starkes Indiz dafür sein, dass es die technisch erzeugte Hochfrequenzstrahlung sei, die vielerorts von z.B. Mobilfunkbasisstationen emittiert würde und sowohl unspezifisch, wie auch scheinbar zufällig geografisch exponierte Bäume schädige.

Dass Frau Waldmann-Selsam Humanmedizinerin ist und dennoch Diagnosen über "elektrosensible" Bäume abgibt irritiert Herrn Maurer nicht. Auch die dilettantischen Messungen der Ärztin, die ein Breitbandmessgerät im Peak-Hold-Modus auf einer Pflückstange befestigt ein paar Meter in Richtung Baumkronen in die Luft reckt, führen zu keiner Abwertung der Ergebnisse. Bachelor Maurer hat keine Zweifel, er ist sich seiner Sache sicher und schließt:

Die Arbeit hat zum Ergebnis, dass die generelle biologische Wirksamkeit von elektromagnetischer Strahlung nicht in Frage gestellt werden kann. Jedoch ist vermutlich nicht das gesamte Frequenzspektrum der heute permanent versendeten Strahlung in der Lage, biologische Organismen zu beeinflussen, sondern ganz bestimmte Kombinationen aus verschiedenen Feldkomponenten greifen in lebendige Vorgänge von Organismen ein und schädigen diese auf vielerlei, bisher kaum erforschte Weise.

Einiges deutet darauf hin, Herr Maurer ist im Gigaherz-Forum mit den Pseudonymen Göttinger Sieben und/oder HKB unterwegs, um seinen Standpunkt, Elektrosmog macht Bäume und andere Pflanzen platt, öffentlich zu verbreiten, ohne allzu intensiven Widerspruch fürchten zu müssen.

Hintergrund
Mount Stupid: Gescheitert am "Berg der Dummheit"

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Waldmann-Selsam, Göttingen, Koniferenstudie, Bachelorarbeit, Maurer, Bäume, Bernatzky


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