Advocatus Diaboli: Verteidigung für L. Hardell (Forschung)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 23.10.2012, 23:10 (vor 2774 Tagen) @ Alexander Lerchl

Damit wurde gegen das vereinbarte Prozedere verstoßen, und zwar in einem zentral wichtigen Punkt. Es wurde nämlich nicht nur das Anschreiben verändert, sondern den Patienten wurden Buchgeschenke versprochen, die sie dann auch bekamen (nicht aber die Kontrollpersonen). Das dürfte die hohen Antwortraten erklären. Vor allem aber war Hardell bekannt, wer die Fälle und wer die Kontrollen waren. Das ist so, als wüsste ich, welche Ratten zu Mobilfunk exponiert und welche nicht exponiert sind. Erklärung wohl unnötig.

Mitnichten, Erklärung nötig, Sie sind hier schließlich nicht unter Ihresgleichen :-). Ich spiel' mal Gegenseite ...

a) Wenn Hardell mit dem Versprechen eines Buchgeschenks (aber kein Sparbuch!) die Rücklaufquote bei den Patienten erhöht hat, dann ist das wegen der größeren Stichprobe doch für die statistische Belastbarkeit seiner Resultate nur von Vorteil. Und was macht es schon aus, wenn die Kontrollen nichts geschenkt bekommen haben? Nix, ist doch nur 'n Buch gewesen und die zu den 237 Fällen passenden 237 Kontrollen sind auch so zustande gekommen!

b) Hardell hat also gewusst, ob ein Fragebogen von einem Patienten kam oder von einer Kontrolle. Na und? Was kann man denn noch groß unbewusst falsch machen, wenn z.B. die Daten aus der Rückantwort sauber 1:1 vom Papier weg in den PC reingehackt werden, zumal diesen Job Hardell wohl kaum selbst gemacht haben dürfte. Und erst einmal im PC, waren die Daten codiert und nicht mehr zuordbar. Passt doch!

c) Nehmen wir mal an, Hardell hat 1990 bei seiner Studie tatsächlich geschummelt. Da seither 22 Jahre vergangen sind, müsste es doch einige jüngere vergleichbare Studien geben, die Hardell widerlegt haben. Ist dazu etwas bekannt?

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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