Die Angst der Elektrosensiblen vor der Geisteskrankheit (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.02.2012, 15:49 (vor 2849 Tagen)

Zitat aus dem Gigaherz-Forum: "Aus dem französisch-sprechenden Teil Kanadas wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag (10./11.2.2012) allen wichtigen EMF-Organisationen Frankreichs die Information über eine grossangelegte Studie über EHS zugestellt. Next-Up reagierte umgehend und gab eine Warnung heraus, wonach es sich um eine 'teuflische' Täuschung der Betroffenen handelt. Es gehe der Nationalen Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt und Arbeit (ANSES) nur darum, Betroffene in 24 Gesundheitszentren - verteilt über ganz Frankreich – als Geisteskranke einzustufen und sie einer psychiatrischen Behandlung zu zuführen."

Bei der erwähnten Studie geht es um diese frisch angelaufene Aktion.

Warum ereifert sich Next-up, falls das Zitat oben stimmen sollte, so sehr? Die Antwort ist eindeutig: Bei solchen Untersuchungen, die Fakten schaffen und sich nicht auf liebevoll kolportierte Fallberichte über angebliche Elektrosensible verlassen, fällt aller Voraussicht nach das Lügengebäude über die riesige Anzahl der "Betroffenen" (und täglich werden es mehr) in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Objektivierung ist das harte Ende aller Elektrosensibilität

Ach "Spatenpauli", das ist doch nur eine unbelegte Behauptung von dir!

Nein, denn im kleineren Maßstab wurde das, was jetzt in Frankreich begonnen wurde, bereits in der Schweiz fertig gestellt. Mit einem desaströsen Ergebnis für Elektrosensible: In rund drei Jahren meldeten sich lediglich 155 Elektrosensible bei den Beratungsstellen, noch nicht einmal 50 davon waren zu einer umweltmedizinischen Abklärung bereit. Wahrscheinlich glauben sogar noch 1000-mal mehr Menschen diesen absurden Maya-Kalender-Unsinn, Ende 2012 ginge die Welt unter. Weitere Belege dafür, dass Elektrosensibilität - allen gegenteiligen Bekundungen von interessierter Seite zum Trotz -, seit eh und je nur mit einer winzigen Gruppe überzeugter Kranker in Verbindung gebracht werden kann, gibt es <hier> in der Link-Abteilung.

Doch warum ist das alles so, warum darf die Handvoll überzeugter Elektrosensibler nicht in aller Ruhe ihren sekundären Krankheitsgewinn für sich nutzen, warum müssen Vereine wie Next-up sich so aufspielen?

Das liebe Geld ...
Wie so oft geht es auch bei Elektrosensiblen ums Geschäft. Wobei differenziert werden muss: Nur wenige der ohnehin wenigen Elektrosensiblen sind kommerzielle Interessen zu unterstellen, das Gros der öffentlich wahrgenommen Elektrosensiblen hat immateriellen Gewinn im Sinn (Beachtung, Zuwendung, Anerkennung ...). Bei den Fürsprechern ist es anders, sie wirken als Lautsprecher für die wenigen Elektrosensiblen und versuchen seit Jahren, mit hoher Lautstärke eine hohe Anzahl vorzutäuschen. Dazu sind dann Kunstgriffe nötig, um mit der Realität einigermaßen zurecht zu kommen, beliebt ist z.B. die Behauptung, ein Großteil der Elektrosensiblen wüßte (noch) gar nichts von ihrer unerwünschten Fähigkeit der Feldwahrnehmung, die Leute litten still und leise vor sich hin, ohne Elektrosmog für die Beschwerden verantwortlich zu machen. Für besorgte Laien und Politiker reicht so eine Begründung, für die Wissenschaft ist sie Käse.

Geschäftsmodell: Mit unerreichbaren Forderungen Spannung aufbauen
In der Anti-Mobilfunkszene gibt es dichten Filz, der die Verbindungen von Vereinen zu den Branchen verdeckt, die aus der Elektrosmog-Angst einen Teil ihrer Umsätze bestreiten (Baubiologie, Alternativmedizin, Esoterik, Low-Cost-Messtechnik ...). Elektrosensible, vorgeführt wie früher in Kuriositätenkabinetten die "Frau ohne Unterleib", eignen sich vorzüglich zum Angst verbreiten. Normalerweise wird dann behauptet, diese armen Leute seien die ersten, die feinfühligsten, die jetzt schon das Böse spüren könnten - bald würde es die gesamte Menschheit treffen, wenn nicht schnellstens etwas dagegen unternommen wird. Und so vergeht kaum ein Monat, in dem nicht angebliche Lösungsvorschläge verkündet werden. Aber: Diese Vorschläge sind immer ein Mix aus nicht umsetzbarer Fiktion (z.B. Grenzwertsenkung, elektrosmogfreie Zonen ...) und mühelos umsetzbarem Geschäft (Schirmung, Messungen, Behandlungen ...). Aus meiner Sicht wissen die Strippenzieher in den Anti-Mobilfunk-Vereinen sehr genau, dass Sie mit Ihren medienwirksam verbreiteten unrealistischen Forderungen zwar die "nützlichen Idioten" der Szene zu allerlei Aktionen mobilisieren und auch die Skeptiker ablenken können, die laut propagierten Ziele aber nie erreichen werden. Das stört jedoch dort niemanden. Denn das eigentlich angestrebte Ziel ist das konkret umsetzbare Geschäft, das in aller Regel diskret abgewickelt wird, ausgenommen solche, die sich medial ausschlachten lassen für weitere Aufträge.

Aus dem Fehler von Gigaherz gelernt
Wenn nun, wie es in der Schweiz bereits geschehen ist und sich in Frankreich anbahnt, Elektrosensible als unbedeutend kleine Gruppe von nicht selten psychisch kranken Menschen identifiziert werden, dann fallen Elektrosensible für die Profiteure der Mobilfunkdebatte als Zugpferde aus. Aus den Fehlern in der Schweiz wurde gelernt, denn dort propagierte "Gigaherz" emsig die Teilnahme an der am Ende so verheerenden Erfassung der Elektrosensiblen. Das ist vorbei, jetzt plustern sich alle möglichen Leute auf, um die Elektrosensiblen in Frankreich von der Teilnahme abzuhalten. Dabei bedient sich Next-up der Keule, vor der Elektrosensible am meisten Angst haben, nämlich als Geisteskranke zu gelten. Da Next-up dies mMn nicht aus echter Sorge um die Menschen macht, sondern aus Sorge um den Bestand an Zugpferden zur Umsatzgenerierung, finde ich es abstoßend.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Verschwörungstheorie, Geschäftsmodell, Missverständnis, Alternativmedizin, EHS-Verein, VEM, kommerzielle Interessen


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