Schwermetallgehalt im Körper als EHS-Indikator (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.06.2010, 13:15 (vor 5127 Tagen)

In seiner Juni-Ausgabe entdeckt der Elektrosmog-Report die sogenannte Mainzer Studie und titelt "Manche Elektrosensible haben erhöhte Metallgehalte im Blut".

Aha.

In der Studie ging es um die Untersuchung elektrosensibler Personen im Hinblick auf Begleitfaktoren bzw. -erkrankungen, wie Allergien und erhöhte Belastung mit Schwermetallen und Chemikalien.

So weit, so gut.

Nur, wieviele sind denn nun "manche" Elektrosensible, die einen erhöhten Metallgehalt im Blut haben? Die Antwort auf diese Frage fällt für EHS unbefriedigend aus, wenn das stimmt, was der Elektrosmog-Report schreibt. Dem Blatt zufolge wurden 132 selbstdiagnostizierte EHS mit einer 101 Personen starken Kontrollgruppe verglichen und geprüft, wie es um die Belastung mit den Schwermetallen Cadmium, Quecksilber und Blei steht. Das von EHS wie "Fee" erhoffte deutliche Signal konnte dabei nicht festgestellt werden.

Cadmium: Beim Cadmiumgehalt im Blut gab es keine Auffälligkeit zugunsten der EHS-Gruppe, tatsächlich war der Cadmiumgehalt bei der Kontrollgruppe im Mittel sogar höher.

Quecksilber: Der Quecksilbergehalt war bei der EHS-Gruppe im Mittel nicht-signifikant höher als bei der Kontrollgruppe. Auffällig hohe Werte gab es nur in der EHS-Gruppe bei zwei Personen.

Blei: Auch beim Bleigehalt gab es zwischen den beiden Gruppen im Mittel keine signifikanten Unterschiede, drei Personen der EHS-Gruppe hatten jedoch besonders hohe Werte.

Leider kümmerte sich der Elektrosmog-Report nicht um die naheliegende Frage, ob die zwei stark quecksilber-belasteten EHS auch zu den stark blei-belasteten Personen zählen. Deshalb lässt sich nicht eindeutig sagen, ob gemäß der Eingangsfrage "manche" nun drei EHS sind oder fünf. Auf jeden Fall sind es wenige, sehr wenige.

Unter der Annahme, besonders hoch mit Schwermetall belastete EHS seien "echte" und nicht eingebildete EHS, resultiert aus den genannten Zahlen ein Prozentsatz von 2,3 % bis 3,8 % "echter" EHS an der Gesamtanzahl selbstdiagnostizierter EHS. Von 1000 selbstdiagnostizierten EHS wären demnach zwischen 23 und 38 "echt". Das mag zwar halbwegs plausibel klingen, kann aber dennoch nicht stimmen.

Warum nicht?

Weltweit wurden bislang in mindestens 46 Studien mindestens 1175 EHS-Probanden untersucht (Rubin). Würde obige Überlegung zutreffen, hätten die Wissenschaftler dabei "echte" EHS in der Größenordnung von 25 bis 40 Personen finden müssen. Tatsächlich wurde jedoch kein einziger gefunden, der zweifelsfrei und reproduzierbar auf die Einwirkung von EMF biologisch reagierte.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Mainz, Elektrosensibilität, EHS-Probanden, Quecksilber, Schwermetall, Giftstoffe, Schwermetallebelastung


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