"wuff" & "Ulido" - zwei Kritiker auf demselben Holzweg (Forschung)

H. Lamarr @, München, Samstag, 09.01.2010, 00:34 (vor 4183 Tagen) @ Doris

Teilnehmer "Ulido" ist im Gigaherz-Forum von "wuff" hin- und hergerissen. Er schreibt unter anderem:

Hallo noch mal,
mir scheint die eine Feststellung von @wuff

Zitat:
Zweitens würde das Ergebnis der Alzheimerstudie bedeuten, dass Funkstrahlung eben doch eine Wirkung auf den Menschen hat, was bisher bestritten wurde.

verdient besondere Beachtung.


Schauen wir wieder einmal genauer hin ob es stimmt, dass die Überlegung von "wuff" besondere Beachtung verdient.

In der Studie wurden Mäuse in rund 26 cm Entfernung von einer Antenne 8 1/2 Monate einem GSM900-Funkfeld ausgesetzt, das bei den Tieren täglich für 2 Stunden zu einem SAR-Wert von 0,25 W/kg führte.

Eigentlich müssten "wuff" und "Ulido" bei diesen Angaben stutzen. Zunächst einmal herrschen in 26 cm Entfernung bei 900 MHz zwar keine Fernfeldbedingungen, dennoch ist klar, dass es sich hier nicht um eine Teilkörperbefeldung des Mauskopfes handelt, sondern um eine Ganzkörperbefeldung. Der zulässige Grenzwert für diese Art der Befeldung beträgt lediglich 0,08 W/kg. Weltweit wird kein Erdenbürger einer so starken Ganzkörperbefeldung ausgesetzt, er müsste sich dazu bei einer unter Vollast arbeitenden Basisstation wenige Meter (in aller Regel 2 bis 9) vor den Antennen aufhalten (Sicherheitsabstand). Die Mäuse aber wurden nicht mit 0,08 W/kg befeldet, sondern mit mehr als dem 3-fachen dieses Wertes! Das Experiment fand damit weit über Grenzwert statt und dass dann bei monatelanger täglicher 2-h-Einwirkung möglicherweise irgendwelche Effekte eintreten, fügt sich nur in eine ziemlich lange Reihe anderer beobachteter Effekte oberhalb der Grenzwerte ein.

Was "wuff" und "Ulido" ebenfalls übersehen ist, dass das Experiment mit genetisch veränderten (transgenen) Mäusen gemacht wurde, und z.B. nur bei diesen Mäusen während der Dauerbefeldung ein deutlicher Anstieg der Körpertemperatur festgestellt wurde (bei Befeldung weit über Grenzwert kein Wunder). Da es keine transgenen Menschen gibt ist eine 1:1-Übernahme der an transgenen Mäusen gewonnenen Resultate mit Sicherheit unzulässig.

Kritikwürdig erscheint mir dagegen die Exposition der Mäuse. Einfach eine Stabantenne aufstellen und dann in 26 cm Abstand Mäusekäfige ringförmig um die Antenne zu platzieren, das kann eigentlich keine homogene Befeldung aller Tiere gewährleisten.

[image]

Da hat sich die LMU deutlich mehr Mühe gegeben (Parabolantenne), um kontrollierte Bedingungen zu schaffen. Über die Dosimetrie konnte ich bei der Alzheimer-Studie keine Angaben finden, etwa ob die gemessen haben oder nur gerechnet wurde. Die genannte SAR-Toleranz von ±2 dB bedeutet immerhin eine nicht unerhebliche Abweichung von ±60 %, statt 0,25 W/kg hätten es also ebenso gut 0,4 W/kg sein können was eine Grenzwertüberschreitung um den Faktor 5 bedeutet.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
SAR, Mäuse


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