Jonglieren mit Krebswahrscheinlichkeiten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 02.01.2009, 01:59 (vor 4316 Tagen) @ Doris

Immerhin: Schon der geringe Anstieg der Krebswahrscheinlichkeit um ein Promille würde unter den derzeit rund einer halben Milliarde Handy-Nutzern weltweit 500 000 Tumorerkrankungen zusätzlich bedeuten.

Also ich bin nun wahrlich nicht gut in Mathematik, aber in dieser Aussage ist mMn der Wurm drin. Denn es wurde überhaupt nicht der Anstieg einer (nicht weiter bezifferten) Krebswahrscheinlichkeit um 1 Promille (nicht Promillepunkte) berechnet, sondern einfach so getan, als ob 1 Promille von 0,5 Mrd. Handynutzern (=500'000) zusätzlich Krebs bekommen würden.

Nehmen wir mal als plausibles Beispiel Hirntumore. Gemäß dieser Quelle liegt die Wahrscheinlichkeit einen zu bekommen bei 0,1 Promille (1:10'000). Das heißt, von den 0,5 Mrd. Handynutzern bekommen 50'000 schon rein statistisch Krebs, ohne dass Funkfelder überhaupt eine Rolle spielen. Laut hese steigt nun die Krebswahrscheinlichkeit wegen Funk möglicherweise um 1 Promille (1:1000). Auf unsere konkreten Zahlen angewendet kommen zu den 50'000 allgemeinen Krebsfällen noch 50 weitere aufgrund EMF hinzu (1/1000 von 50'000). Die nebulösen Angaben von heise auf eine reale Krebswahrscheinlichkeit angewendet reduzieren die angeblich 500'000 zusätzlichen Krebsfälle auf 50 zusätzliche Fälle von Hirntumor. Vorausgesetzt ich habe richtig gerechnet ist die Anzahl der Fälle doch sehr stark eingedampft.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich will hier kein Risiko klein reden. Ich will mich aber auch nicht mit den Milchmädchenrechnungen eines Journalisten abspeisen lassen. Mittlerweile liegt die Anzahl der Handynutzer weltweit bei 3,5 Mrd., da ist es offenkundig, dass selbst ein relativ kleines Risiko viele Menschen treffen kann. So wie es beim Autofahren, Rauchen, übermäßigem Essen, beim Trinken von Alkohol oder beim sorglosen Sonnenbaden Tag für Tag passiert und weitgehend hingenommen wird. Da stört es mich dann schon, wenn ein Autor mit mMn untauglichen Mitteln versucht, seinem Beitrag einen Schuss Dramatik einzuhauchen. Genau solche Passagen sind es nämlich, die sich in den Köpfen der Leser festsetzen und dann zu diffusen unbegründeten Sorgen führen. Auf diesem Wege züchtet die Presse exakt das heran, was sich am Tag X, wenn im Umkreis von 300 Metern zur Wohnung des Lesers ein neuer Mast errichtet wird, als wütender Sendemastengegner entpuppt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Krebs, Gehirntumor, Milchmädchen, Journalisten, Laien


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