Ärztearbeitskreis Stuttgart verbreitet alte Falschmeldung (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 10.07.2018, 23:51 (vor 498 Tagen)

Es ist nicht zu glauben: Der "Ärztearbeitskreis digitale Medien Stuttgart" mit Dr. Jörg Schmid als Korrespondenzautor verbreitet noch in diesen Tagen eine Falschmeldung, die der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk bereits 2011 in die Welt setzte.

Mit einem offenen Brief vom 6. Juni 2018 an die Baden-Württembergische Kultusministerin spricht sich eine Gruppe von Ärzten, darunter einige langjährige Mobilfunkgegner, gegen W-Lan an Schulen aus. Die Argumente sind nicht weiter erwähnenswert, es ist das übliche Zitieren fleißig zusammengegoogelter Fundstellen, also das, womit Mobilfunkgegner seit bald 20 Jahren (vergeblich) punkten wollen.

Doch der Arbeitskreis legt unfreiwillig ein krasses Zeugnis von Inkompetenz ab, er beruft sich nämlich auf eine Forderung des Europarats (Resolution 1815), die im vorgetragenen Wortlaut nie verabschiedet wurde. Der Arbeitskreis behauptet, die Forderung 8.3.2 des Europarats laute kernig & rigoros:

Sämtliche Handys, DECT-Telefone oder W-LAN-Systeme sind in Klassenzimmern und Schulen zu verbieten, wie dies auch von einigen regionalen Behörden, medizinischen Berufsverbänden und Bürgerinitiativen gefordert wird.

[Englischer Originaltext: ... ban all mobile phones, DECT phones or WiFi or WLAN systems from classrooms and schools, as advocated by some regional authorities, medical associations and civil society organisations.]

Doch dies ist falsch, der Europarat fordert dies nicht!

Die Ärzte haben es sich zu bequem gemacht, sie kolportieren eine Falschmeldung von Diagnose-Funk, die der Verein trotz Hinweis des IZgMF starrsinnig auf seiner Website weiter verbreitet, inzwischen seit gut sieben Jahren.

Diagnose-Funk verbreitet nicht die beschlossene (gültige) Fassung der Europarat-Resolution, sondern nur einen Entwurf, der in dieser Form nicht verabschiedet wurde. Die tatsächlich verabschiedete Forderung 8.3.2 wurde gegenüber dem Entwurf erheblich abgeschwächt, sie lautet im (englischen) Originaltext:

... for children in general, and particularly in schools and classrooms, give preference to wired Internet connections, and strictly regulate the use of mobile phones by schoolchildren on school premises

Die komplette Geschichte um die Resolution 1815 des Europarats ist lang und facettenreich, sie ist seit 27. Mai 2012 mit Quellenangaben hier nachzulesen. Doch Ärzte, die nur mal eben schnell ihren Namen unter offene Briefe eines Gesinnungsfreundes setzen, nur um mühelos beizupflichten, die wissen davon nichts – und geben sich so als Mitläufer zu erkennen. Wie dem auch sei, der peinliche Vorfall zeigt, die schleichende Desinformation durch organisierte Mobilfunkgegner korrodiert noch immer Teile der Ärzteschaft, wenn auch keine tragenden mehr wie die Bundesärztekammer.

Hintergrund
Alarmärzte warnen vor digitalen Medien an Schulen

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Tags:
Diagnose-Funk, Inkompetenz, Falschmeldung, Irreführung, Bauernfängerei, Mediziner, Resolution, Europarat, 1815, Aerztearbeitskreis, Prüfstein

Ärztearbeitskreis Stuttgart zieht öffentliche Beachtung vor

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 24.10.2019, 10:40 (vor 28 Tagen) @ H. Lamarr

Es ist nicht zu glauben: Der "Ärztearbeitskreis digitale Medien Stuttgart" mit Dr. Jörg Schmid als Korrespondenzautor verbreitet noch in diesen Tagen eine Falschmeldung, die der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk bereits 2011 in die Welt setzte.

Der "Ärztearbeitskreis" Stuttgart ist wieder einmal zum Leben erwacht. Wie die Stuttgarter Nachrichten am 23. Oktober 2019 berichten, zogen rund drei Dutzend Mitglieder des Arbeitskreises in weißen Kitteln vor das baden-württembergische Staatsministerium, um dort u.a. einen Stopp des 5G-Ausbaus zu fordern. Wie es in dem Bericht heißt, wies Ulrich Arndt, Leiter der Stabsstelle für Bürgerbeteiligung, bei dem Aufeinandertreffen mit den Medizinern darauf hin, dass diesen zuvor ein Gespräch angeboten wurde, sie aber die öffentliche Demonstration vorgezogen hätten. Dies passt widerspruchslos damit zusammen, dass Mobilfunkgegner Sachauseinandersetzungen mit Fachpersonal gerne vermeiden und lieber die öffentlichen Auftritte in diversen Spielarten suchen, z.B. Vorträge vor Laienpublikum, Online-Petitionen oder das Verfassen Offener Briefe. Die Scheu vor Fachpersonal lässt sich leicht erklären: Dieses lässt sich, anders als Laien, von weißen Kitteln und wahllos zusammen gegoogelten substanzschwachen Argumenten nicht beeindrucken.

Hintergrund
Ärzte und Mobilfunk: schlechte Noten für Mediziner

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Stuttgart, Bergmann, Geltungssucht, Demo, Dohmen, Dialogscheu, Ärztearbeitskreis

Ärztearbeitskreis Stuttgart zieht öffentliche Beachtung vor

KlaKla, Freitag, 25.10.2019, 09:20 (vor 27 Tagen) @ H. Lamarr

Ein kleiner Kreis von Medizinern, macht ein auf dicke Hosen. Sie sind die Abgehängten, die seit Jahren Alarm schlagen. Die Entdecker des Mikrowellensyndrom, sie wollen Anerkennung und Ruhm. Sie kooperieren mit Lobbyvereinen wie Diagnose-Funk, Ko-Ini oder Europaem. Alles Laien auf dem Gebiet, keine Fachkompetenz aber einen Dr. med. Titel. Pseudowissenschaft steht da hoch im Kurs. Ihr aggressives Verhalten, ihre Entwertungen und ihre Dialogverweigerung, all dass lässt mMn den Schluss zu, diese Akteure sind mit dem Thema völlig überfordert. Sie verstehen die politische Ordnung und die wirtschaftlichen Verknüpfungen nicht. Wie die Zeugen Jehovas gehen sie auf der Straßen jedoch im Weißkittel mit Stethoskop um den Hals. Sie sind zu bedauern.

Über alle Jahre hinweg haben sie es nicht geschafft, mit ihren Patienten ein solider Testverfahren zu Entwickeln um ihrem Phantom auf die Spur zu kommen. Die EHS bekennende Dohmen, war der Aufgabe wohl nicht gewachsen (BFS Fachgespräch 2006). Leichter scheint es ihr zu fallen, neue EHS Bekenner zu generieren. Verantwortungslose Mediziner, interessant für Boulevard-Medien.

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Ärztearbeitskreis Stuttgart leistet sich Fauxpas

H. Lamarr @, München, Freitag, 08.11.2019, 00:58 (vor 13 Tagen) @ H. Lamarr

Der "Ärztearbeitskreis" Stuttgart ist wieder einmal zum Leben erwacht.

Vorgeschichte: Diagnose-Funk, Stuttgarter Anti-Mobilfunk-Verein, betätigte sich für den sogenannten Ärztearbeitskreis Digitale Medien, ebenfalls ansässig in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, als Sprachrohr. Nun sind die Presse-Informationen von Diagnose-Funk in der Vergangenheit von den Medien jedoch nicht gerade mit Kusshand aufgenommen worden. Deshalb leistet sich der Verein in der Hoffnung auf mehr Echo mit Matthias von Herrmann seit kurzem einen "Pressereferenten", der sich als Parkschützer Nummer 190 im Dauerstreit um den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof bereits einen Namen machte und seinen Dienst Presse & Kampagne jedem aus dem sozial-ökologischen Spektrum anbietet. Akquiriert haben dürfte ihn Diagnose-Funker Peter Hensinger, der nicht nur gegen Mobilfunk aktiv ist, sondern auch gegen den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof. Da Diagnose-Funk aber weder sozial noch ökologisch ist, wirkt der Parkschützer dort fehl am Platz.

Geschichte: Am 23. Oktober 2019 schritt von Herrmann zur Tat und gab für Diagnose-Funk eine Presse-Information (PI) heraus: Ärzte warnen vor 5G-Mobilfunk - Ärzte-Delegation zieht vors Staatsministerium in Stuttgart. Formal gibt es an der PI wenig auszusetzen, bei der Nennung der Breite des Drei-Meter-Banners, den die Ärzte mit vereinten Kräften trugen, vermisst der aufgeklärte Leser vielleicht zwei oder drei Nachkommastellen, der Umfang seiner PI ist dem frischgebackenen Pressereferenten vielleicht für den Anlass etwas zu üppig geraten und die vielen Zitate wirken vielleicht etwas überzogen, weil die zitierten Personen den allermeisten Lesern völlig unbekannt sein dürften. Dass von Herrmann in präkognitiver Wahrnehmung bescheiden von "über 20 Medizinern" spricht (womit üblicherweise 21 Personen gemeint sind), sein Kollege Thomas Durchdenwald von den Stuttgarter Nachrichten hingegen an Ort und Stelle "rund drei Dutzend Mediziner" gesehen haben will, also etwa 36 Weißkittel, das sind Widersprüche, die im Dunstkreis der Anti-Mobilfunk-Szene zum Alltag gehören, und von Herrmann nicht angelastet werden können.

Sehr wohl anzulasten ist von Herrmann jedoch der Fauxpas, für die beiden genannten Presse-Ansprechpartner, das sind er selbst sowie Dr. med. Jörg Schmid (Korrespondenzperson des Ärzearbeitskreises Digitale Medien) zwanglos deren Handynummern anzugeben! Wer diese Telefonnummern <hier> eingibt kann feststellen, die beiden telefonieren übers Mobilfunknetz der Deutschen Telekom. Warum in einer PI von Mobilfunkgegnern Handynummern ein Fauxpas sind ist so offensichtlich, dass ich mir eine Begründung erspare.

Inhaltlich ist die PI und der ihr zugrunde liegende Offene Brief der übliche substanzarme Sermon, den organisierte Mobilfunkgegner auf ihren Websites ohnehin unaufhörlich herunterbeten und der Journalisten, wie die Erfahrung zeigt, nur peripher tangiert. Jeder Satz des Offenen Briefes ließe sich entkräften – wäre der Brief denn wichtig. So hake ich nur bei einer Kleinigkeit ein, die mir an dem Brief spontan aufgefallen ist. Dort heißt es: "Zahlreiche Studien haben deutliche Hinweise auf die krebsfördernde Wirkung von Mobilfunkstrahlung ergeben." Als Beleg wird auf eine "Anlage A" verwiesen, deren Benennung überbestimmt ist, denn eine Anlage B gibt es nicht. Die "zahlreichen Studien" schrumpfen in der Anlage (überschrieben mit "Krebsfördernde Wirkung von Mobilfunkstrahlung") auf ganze vier zusammen. Davon berichtet jedoch nur eine einzige Studie (Lerchl, 2015) tatsächlich eine krebsfördernde Wirkung elektromagnetischer Felder (EMF), die anderen drei haben mit Tumorpromotion nichts zu tun. Sie berichten stattdessen, EMF sei krebsverursachend. Was mögen das für Mediziner sein, die diese beiden Begriffe undifferenziert in einen Topf werfen! Diese Schlamperei macht sich auch anderweitig bemerkbar, so wird die dritte der vier Studien (Molla-Djafari ...) als "Report Nr. 7" der Auva vorgestellt. Das ist falsch, richtig ist "Report Nr. 47".

Bedeutsamer ist, dass in diesem Report weder von einer krebsfördernden noch von einer krebsverursachenden EMF-Wirkung die Rede ist, wenig spektakulär wird lediglich von angeblich beobachteten DNA-Schäden berichtet. Die zugehörigen Versuche sind als sogenannte "Reflex"-Nachfolgestudie in die Annalen der Wissenschaftsgeschichte eingegangen, denn gegenüber diesen Versuchen erhob Prof. Lerchl 2008 seinen hinlänglich bekannten Fälschungsverdacht. Dies führte dazu, dass die Medizinische Universität Wien 2009 das von der Auva bereits erhaltene Honorar für die Durchführung der "Reflex"-Nachfolgestudie in voller Höhe an die Auva zurückzahlte! Dass der Ärztearbeitskreis jetzt ausgerechnet diese fragwürdige alte Studie als Belastungsmaterial wiederbelebt, lässt über die Qualifikation der Ärzte die Augenbrauen skeptisch nach oben gehen.

Welchen Erfolg die PI von Herrmanns gezeigt hat lässt sich mit Google-News näherungsweise erforschen. Von futurezone.de abgesehen konnte ich heute keinen zweiten (echten) Treffer in der Trefferliste von Google-News ausmachen – was möglicherweise auch am Suchbegriff liegt.

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