Wie Journalisten Mobilfunkgegner aufwerten (Medien)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 28.08.2014, 12:08 (vor 1927 Tagen)

Bereits zweimal durfte Herr Josef Neuschitzer aus Spittal an der Drau, der Mann mit der berühmten "W.-Kappe", werbewirksam seine Knatterbox aus bayerischer Produktion in die Kamera halten, zuerst in diesem Beitrag vom 31. Juli, und rund einen Monat später in jenem. Beide Artikel sind von der selben Autorin, die Neuschitzer offensichtlich Gehör verschaffen möchte. Dagegen wäre bei qualifizierter sachlich und fachlich sauberer Berichterstattung auch nichts einzuwenden.

Liaisonen zwischen Mobilfunkgegnern und diversen Medien sind in der zweiten oder dritten Reihe gar nicht so selten. Spontan eingefallen sind mir rückblickend diese Techtelmechtel:

Dass merkur-online einen messbaren Faible hat, den Münchener Verein "Umweltinstitut" als Mobilfunkgegner im Gespräch zu halten, diesen Eindruck habe ich hier mit ein paar Zahlen erhärtet.

Das unrühmliche Ende der Zeitschrift Provokant ist in diesem Posting dokumentiert.

Unangefochtener Spitzenreiter in Zuwendung zu Mobilfunkgegnern ist die "Neue Rheinische Zeitung". Wir hatten sie so häufig am Wickel, dass ich der Einfachheit halber auf alle NRhZ-Suchergebnisse des Forums verlinke.

Unerwartet schlug sich auch die Bayerische Staatszeitung auf die Seite der Gegner, freilich aus höchst befremdlichem Grund.

Trotz dieser leicht nachvollziehbaren Betätschelung durch diverser Blätter sehen sich Mobilfunkgegner von den Medien durchwegs stiefmütterlich behandelt. Wer nach Belegen dafür sucht, muss sich auf vielfältige Klagelieder gefasst machen, etwa von Anti-Mobilfunk-Urgestein Eva W.

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Wie durch Medien die Debatte am Leben erhalten wird

KlaKla, Samstag, 30.08.2014, 09:49 (vor 1925 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Samstag, 30.08.2014, 10:11

Dass merkur-online einen messbaren Faible hat, den Münchener Verein "Umweltinstitut" als Mobilfunkgegner im Gespräch zu halten, diesen Eindruck habe ich hier mit ein paar Zahlen erhärtet.

Ach, der Schwarzwälder-Bote ist auch nicht schlecht

Immer die gleichen Reizwörter und kein Hinweis auf seriöse Quellen.
Das Umweltinstitut München ist mVn auch Anzeigenkunde beim Schwarzwälder-Bote
siehe hier: Versteckte Gefahren

Und den hier finde ich köstlich. 28.08.2014
Eugen Rominger aus Meßstetten, ist der Meinung, dass die Verwaltung endlich in seinem Interesse handeln soll.
Und auch er bewirbt die Gutachten des Umweltinstitut aus München. Wobei diese Gutachten lediglich eine Mindesthaltbarkeit von 0 Tagen haben.

Wenn einem nix mehr einfällt, fordert man externe Standortkonzepte oder runter mit den Grenzwerten, gibt damit aber auch zu verstehen, wie wenig man sich mit der Problematik detailliert auseinander setzen will/kann. Das ist nix, worauf Elektrosmognews hinweist. Die bedienen sich der Meinung von Professoren oder zu miedest Dr.-Titel träger. Wenn im Inland nix mehr zu finden ist, dann eben aus dem Ausland. ;-)

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Wie durch Medien die Debatte am Leben erhalten wird

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.08.2014, 11:17 (vor 1925 Tagen) @ KlaKla

Ach, der Schwarzwälder-Bote ist auch nicht schlecht

Auch wir sind dran beteiligt. Ohne uns gäbe es im Gigaherz-Forum gefühlt 30 Prozent weniger Klagelieder und Kopfschüsse.

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Wie durch Medien die Debatte am Leben erhalten wird

KlaKla, Sonntag, 11.08.2019, 09:17 (vor 118 Tagen) @ KlaKla

Ergänzung, die Berichterstattung des Schwarzwälder Boten

Funkmast Schuld am Bienensterben?
Von Schwarzwälder Bote 08.04.2010 - 19:20 Uhr

Oberndorf - Funkmast-Gegner sorgen sich um die Strahlung
Von Schwarzwälder Bote 08.04.2010 - 10:50 Uhr

Bad-Dürrheim Auch in Kliniken funkt es immer mehr
Von admin 31.08.2010 - 21:29 Uhr

Bad-Dürrheim Mappus lässt Mobilfunkkritiker nicht rein
Von Tina Mauthe 03.09.2010 - 07:30 Uhr

Bad-Dürrheim Rekordhohe Grenzwerte beim Mobilfunk
Von admin 06.09.2010 - 20:38 Uhr

SPD informiert sich über Elektrosmog

Von Schwarzwälder-Bote 05.07.2011 - 17:01 Uhr

Freudenstadt Konzept soll Bürger vor Strahlung schützen

Von Schwarzwälder-Bote 26.10.2012 - 19:01 Uhr

Bad Liebenzell Besondere Gefahr für Kinder gesehen

Von Schwarzwälder-Bote 20.11.2012 - 19:04 Uhr

Stuttgart verweist auf Bund Bürger fordern Schutz vor Sendemasten

Von Michael Gerster und Jürgen Lessat 08.03.2013 - 18:00 Uhr

Freudenstadt Für weniger Strahlenbelastung
Von Schwarzwälder-Bote 28.06.2013 - 19:02 Uhr

Pfalzgrafenweiler "WLAN wenigstens nachts abschalten"
Von Schwarzwälder-Bote 11.11.2013 - 20:50 Uhr

Freudenstadt Referent schlägt St. Gallener Modell als Lösung vor

Von Schwarzwälder-Bote 23.02.2016 - 18:50 Uhr

Villingen-Schwenningen Wie hoch ist die Mobilfunk-Strahlung?
Von Eva-Maria Huber 30.06.2016 - 09:28 Uhr

Bisingen Bisinger Arzt in Fernseh-Doku befragt
Von Jörg Wahlund Julia Brenner 30.03.2017 - 17:45 Uhr

Freudenstadt Pädagoge: Digitale Medien erst für Schüler ab zwölf Jahren
Von Schwarzwälder-Bote 30.06.2017 - 18:26 Uhr

Pfalzgrafenweiler Faszination digitaler Medien blendet negative Folgen aus
Von Schwarzwälder-Bote 19.11.2017 - 18:40 Uhr

Königsfeld Verbände informieren über Mobilfunk-Risiken
Von Schwarzwälder Bote 17.01.2018 - 17:43 Uhr

Königsfeld Mobilfunkgerät weghalten vom Körper
Von Stephan Hübner 26.01.2018 - 17:54 Uhr

Freudenstadt Mobilfunkdiskussion nimmt neue Dimensionen an
Von Hartmut Breitenreuter 03.08.2018 - 14:04 Uhr

Königsfeld Neue Initiative beklagt Stillschweigen
Von Albert Bantle und Stephan Hübner 04.04.2018 - 17:38 Uhr

Freudenstadt Mobilfunkdiskussion nimmt neue Dimensionen an
Von Hartmut Breitenreuter 03.08.2018 - 14:04 Uhr

Freudenstadt Fliegengitter helfen gegen Mobilfunk-Strahlen
Von Hartmut Breitenreuter 30.08.2018 - 10:22 Uhr

Königsfeld Bei der Funkmastfrage hat sich bislang gar nichts bewegt
Von Albert Bantle 11.05.2018 - 18:13 Uhr

Freudenstadt Gutes Netz mitwenig Strahlung?
Von Hartmut Breitenreuter 25.07.2018 - 18:26 Uhr

Freudenstadt 5G-Ausbau ruft Initiativen auf Plan
Von Schwarzwälder Bote 07.02.2019 - 18:11 Uhr

Sulz a. N. Die Kirche will keine Funkantenne im Turm
Von Schwarzwälder Bote 07.03.2019 - 15:56 Uhr

Dornstetten Kämpfer gegen Missstände aller Art
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Dornstetten "Es war ein Blick, dann war mir klar: Die ist es"
Von Von Waltraud Günther 27.03.2019 - 18:12 Uhr

Villingen-Schwenningen Mobilfunk: Arzt warnt vor Risiken
Von Eva-Maria Huber 04.04.2019 - 06:36 Uhr

Freudenstadt Gefahr totaler Überwachung in den Städten
Von Schwarzwälder Bote 16.04.2019 - 17:24 Uhr

Villingen-Schwenningen Mediziner kämpft gegen öffentliches WLAN
Von Eva-Maria Huber 17.04.2019 - 20:25 Uhr

Alpirsbach Wege aus der Zwickmühle
Von Claus Wiegert 23.04.2019 - 18:12 Uhr

Villingen-Schwenningen Mediziner kämpft gegen öffentliches WLAN
Von Eva-Maria Huber 17.04.2019 - 20:25 Uhr

Deutschland Kreise: Fraktionsspitzen einstimmig für Mobilfunk-Konzept
Von dpa 14.06.2019 - 12:07 Uhr

Villingen-Schwenningen Gegen öffentliches WLAN: Mediziner erhält Unterstützung
Von Eva-Maria Huber 22.05.2019 - 10:10 Uhr

Freiburg Immer mehr Forscher warnen vor Risiken von 5G
Von Eva-Maria Huber 15.07.2019 - 14:22 Uhr

Eva-Maria Huber: Jahrgang 1960. Nach Studium in Zürich und London Abschluss als Diplom-Übersetzerin und Dolmetscherin. Anschließend Volontariat bei Acher-Renchzeitung und Offenburger Tageblatt. Seit 1986 beim Schwarzwälder Boten in diversen Redaktionen. Seit 2004 erneut in Villingen-Schwenningen als Reporterin. Schwerpunkte: Soziale Themen, Lokale (Wirtschafts-)Politik, Nachhaltigkeit

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Wie Journalisten Mobilfunkgegner aufwerten: Kompetenzgefälle

H. Lamarr @, München, Sonntag, 11.08.2019, 17:49 (vor 118 Tagen) @ H. Lamarr

Liaisonen zwischen Mobilfunkgegnern und diversen Medien sind in der zweiten oder dritten Reihe gar nicht so selten.

Inzwischen können wir das Rätsel, warum es keine Liaisonen in der ersten Reihe gibt klar benennen: Weil es keine erstklassigen Mobilfunkgegner gibt, zumindest nicht in den D-A-CH-Ländern, müssen Journalisten zwangsläufig in die hinteren Reihen ausweichen, um zu kompetenten Sprechern aus Wissenschaft & Forschung überhaupt eine Gegenmeinung präsentieren zu können. Daraus resultiert in Medienberichten über das "Risiko Mobilfunk" ein gravierendes Kompetenzgefälle. Die Medien lassen fachliche Laien mit fester Überzeugung und häufig dubioser, nicht selten profitorientierter Interessenlage, auf Wissenschaftler los. Mehr zu diesem Phänomen in diesem Strang, in dem wir "seriöse" Sendungen öffentlich-rechtlicher Programmanbieter analysieren und aus dem Staunen nicht herauskommen.

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Focus-Online: "Professor warnt vor 5G-Gefahren"

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.09.2019, 16:47 (vor 97 Tagen) @ H. Lamarr

Am 13. August 2019 brachte Focus-Online einen Gastbeitrag des Journalisten Gabor Steingart mit dem Titel: Professor warnt vor 5G-Gefahren: "Es werden Erbinformationen destabilisiert". Man könnte es mit der Angst bekommen, gäbe es an dem kurzen Artikel nicht einiges auszusetzen.

Gabor Steingart ist ein erfahrener Journalist, wenn auch kein unumstrittener. Irgendwann im August muss er auf die Idee gekommen sein, für das "Morning Briefing", das er für Focus-Online schreibt, das Thema "Risiko 5G" anzupacken. Wie es sich für einen seriösen Journalisten gehört, der von der Sache selbst nichts versteht, holte er sich (am Telefon) eine Pro- und eine Kontra-Meinung ein und bastelte daraus eine 5G-Alarmstory mit einem Schuss Entwarnung. Auf den ersten Blick gibt es an dieser Recherche nichts auszusetzen, auf den zweiten aber schon.

1. Auswahl der Gesprächspartner
Als erfahrener Journalist weiß Steingart, als Belastungszeugen für ein 5G-Gesundheitsrisiko kann er sich keines Druckers aus Stuttgart bedienen oder eines Baubiologen aus Herrenberg, er brauchte eine Kapazität mit Rang und Namen, am besten einen Wissenschaftler. Seine Wahl fiel auf Prof. Wilfried Kühling (Jg. 1948), der im www mühelos als Mobilfunkkritiker auszumachen ist und als langjähriges Mitglied im Bundesvorstand des BUND sowie Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats dieses großen Vereins die Autorität hat, die Steingart brauchte. Wer Kühling nach Risiken des Mobilfunks befragt, weiß von vornherein in welche Richtung die Antworten des Professors gehen werden, Steingart konnte also sicher sein, von ihm nichts Entwarnendes aufgetischt zu bekommen. Das war wichtig, denn für Entwarnung hatte Steingart mit Nicole Meßmer eine Sprecherin des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vorgesehen.

Doch das Fernduell Kühling vs. Meßmer ist nur scheinbar fair, denn Kühling vertritt eine wissenschaftliche Außenseitermeinung. Ihn allein gegen Meßmer antreten zu lassen ist zwar bequem für Steingarts Schnellrecherche, bildet die wahren wissenschaftlichen Kräfteverhältnisse jedoch nur stark verzerrt ab und gaukelt eine 1:1-Pattsituation vor, die real nicht gegeben ist. Hätte Steingart diese Verzerrung vermeiden wollen, Kühling hätte nicht gegen einen, sondern gegen mindestens zehn Meinungsgegner antreten müssen. Wie dies im Alltag eines Journalisten zu realisieren gewesen wäre ist nicht mein Problem, da es ersichtlich jedoch sehr aufwendig ist stellt sich aus meiner Sicht eher die Frage, ob verzerrende 1:1-Duelle zwischen kleinen Minderheiten und großen Majoritäten nicht grundsätzlich der falsche Weg sind. In einem anderen aber vergleichbaren Zusammenhang (Gutachter-Stellungnahmen) hatte 2014 ein US-Richter diese Problematik in einem Mobilfunkprozess plakativ auf den Punkt gebracht.

2. Kokettieren mit Autoritäten
In seinem "Morning Briefing" stellt Steingart seinen Belastungszeugen mit den Worten vor:

Für den Morning Briefing Podcast habe ich mit Prof. Wilfried Kühling von der Luther-Universität Halle-Wittenberg gesprochen. Er leitet den wissenschaftlichen Beirat des BUND und hält die 5G-Technologie für gefährlicher als es Firmen und Staat glauben machen wollen.

Jeder verständige Leser muss Kühling im Kontext für einen ausgemachten Experten in 5G-Streifragen halten. Doch ist er das wirklich? Aus meiner Sicht nein, denn Steingart lässt großzügig weg, dass Kühling nicht etwa Professor der Biologie oder Nachrichtentechnik ist, sondern am Institut für Geowissenschaften und Geographie der Universität Halle-Wittenberg mit Raum- und Umweltplanung beschäftigt war, was mit Mobilfunk, wenn überhaupt, nur am Rande zu tun hat. Kühlings Ruf als Mobilfunkkritiker entspringt nicht seiner beruflichen Expertise in diesem Fach, sondern privater Leidenschaft, Kühling ist, was Mobilfunk anbelangt ein fachlicher Laie, der sich autodidaktisch mit dem Thema befasst. Dies alles erdrückt Steingart mit seinem Hinweis, Kühling sei Professor, er befolgt damit Schopenhauers rhetorischen Kunstgriff 30 (vorschieben von Autoritäten), um berechtigte Zweifel an den Ausführungen des (fachfremden) Professors im Keim zu ersticken. Dabei war Steingart selbst durchaus klar, dass sein Gesprächspartner nicht vom Fach ist. So identifiziert er ihn in der Audioaufzeichnung seiner beiden Telefonate ab Minute 14:05 klar als Raum- und Umweltplaner, er sei kein Mediziner, Biologe oder Physiker. Steingart wollte von seinem Interviewpartner wissen, wie denn die Professoren anderer Fakultäten auf das angebliche Risiko 5G reagierten. Das hat er gut gemacht. Kühling geriet ins Schwimmen, blinkte links und bog rechts ab, um der Gefahrenzone schnell zu entkommen. Leider hat es diese Passage nicht in Steingarts Artikel geschafft.

Wieder weniger gut: Steingart erweckt den Eindruck, Kühling sei Universitätsprofessor im aktiven Lehrbetrieb. Doch das stimmt nicht, Kühling ist emeritiert, mutmaßlich bereits seit 2013, eine Webseite der Lutheruniversität führt ihn nur noch als ehemaligen Mitarbeiter. Er ist weder in der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Leipzig, aktiv, noch in Planungsgemeinschaften oder in der Stadtplanung. Er betreut auch keine Arbeiten an der Universität mehr. Als ehemaliger Leiter seines Fachbereichs darf er allerdings weiterhin als Ansprechpartner für Journalisten auftreten. Dennoch: Einem beruflichen Ruheständler das Etikett eines im Lehrbetrieb tätigen Professors aufzukleben, um Kunstgriff 30 glaubhaft erscheinen zu lassen, das halte ich für irreführend. Möglicherweise ist Steingart aber auch nur an Kühlings (veralteter) Seite im Webauftritt der Universität gescheitert, die zu Fehldeutungen geradezu einlädt.

Unter der Maßgabe, dass Wilfried Kühling ein fachfremder Professor im Ruhestand ist, bleibt von Kunstgriff 30 nicht mehr viel übrig. Ich erspare es mir deshalb, auch noch auf den Inhalt der professoralen Ausführungen einzugehen, zumal es hier im Forum schon genug Kritik an Behauptungen Kühlings gibt.

3. Irreführende Formulierung
Nachdem er Wilfried Kühling zu Wort kommen ließ, wandte sich Steingart dem Bundesamt für Strahlenschutz zu. Die Überleitung formulierte er haarsträubend:

[...] Also habe ich für den Morning Briefing Podcast bei Nicole Meßmer durchgeklingelt, der Sprecherin der Aufsichtsbehörde.

Sie bestreitet die Aussagen des Professors nicht, hält sie aber für bislang nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Meßmer war um Relativierung bemüht, aber auch um Aufrichtigkeit [...]

Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, kriegte ich den Mund nicht mehr zu. Der fachliche Laie Kühling entzückte Steingart mit dem erwarteten Potpourri an Bedenken und Befürchtungen – und Nicole Meßmer bestreitet die Aussagen des Professors nicht?! Diese faustdicke Überraschung war der Anlass für dieses Posting. Doch wie sich auf Nachfrage bei Meßmer herausstellte, konnte sie die Ausführungen Kühlings nicht bestreiten, weil sie von diesen keine Kenntnis hatte. Denn der Journalist sagt ihr zu Beginn seines Telefonats lediglich, er habe mit dem Professor gesprochen und dieser habe Bedenken gegenüber Handystrahlung, insbesondere gegenüber dem 5G-Ausbau geäußert, was sie denn dazu zu sagen habe (siehe auch Audioaufzeichnung ab Minute 17:20). Steingart schildert in seiner Überleitung also nicht etwa eine Äußerung Meßmers (ich bestreite nicht ...), sondern nur seinen persönlichen Eindruck aus dem Telefonat. Glücklich ist die Wortwahl, die ihm dazu eingefallen ist, nicht.

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Stille Post oder die Fortsetzung eines "Gerüchtes"

Gast, Montag, 02.09.2019, 08:23 (vor 96 Tagen) @ H. Lamarr

«Sehr aufrichtigen Gespräche»

Stellvertretend für diese Haltung steht zum Beispiel die Aussage von Wilfried Kühling, eines auf Umweltverträglichkeit spezialisierten Professors an der Luther-Universität Halle-Wittenberg, der die 5G-Technologie für gefährlicher hält, als Firmen und Staat glauben machen wollen. Gegenüber dem deutschen Journalisten Gabor Steingart verwies er unter anderem auf zwei Studien, die belegen würden, dass es bei höherer Strahlenbelastung zu einer Tumor-Verstärkung bei Ratten gekommen sei. «Wenn Tierversuche zeigen, es ist krebserregend, dann würde das bei einem Medikament dazu führen, dass man das Medikament vom Markt nimmt. Das ist aber in diesem Bereich nicht der Fall.»

Weiter sagte Kühling, dass es wissenschaftlich erwiesen sei, dass die Hirnströme durch elektromagnetische Strahlen beeinflusst würden, Erbinformationen destabilisiert, die Qualität der Spermien vermindert würden und sich über längere Zeit verschiedene Krankheiten manifestieren könnten. Kühling spricht von einem «Grossversuch an der Bevölkerung», da man 5G erst nach der Einführung wissenschaftlich begleiten wolle. Bisher habe man eher versucht, die Technik im Vorfeld zu untersuchen und zu sehen, was es für Entwicklungen geben könnte. Aufgrund dieser Resultate habe man dann die Technik angepasst. Es sei unverantwortlich, die Bevölkerung einer höheren Strahlenbelastung auszusetzen und die Auswirkungen erst nach der Einführung zu untersuchen, obwohl man heute schon wisse, dass bei der jetzigen Belastung Effekte vorhanden seien.

Steingart konfrontierte Nicole Messmer, Pressesprecherin beim deutschen Bundesamt für Strahlenschutz mit diesen Aussagen. Messmer antwortete erstaunlich offen, bestritt die Aussagen nicht, wies aber darauf hin, dass sie zu wenig belegt seien. «Wie sich 5G genau auf die Exposition auswirken wird, also die Strahlung, der die Bevölkerung ausgesetzt ist, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden». Überhaupt gebe es beim Thema Mobilfunk noch einige offene Fragen. Man rate beim Bundesamt für Strahlenschutz deshalb zu einem umsichtigen Umgang mit dem Mobiltelefon. Grundsätzlich helfe jeder Zentimeter Abstand. Die grössere Immission stamme vom eigenen Gerät und nicht von der nächstgelegenen Basisstation. Quelle: Demokratisch Links

Bundesamt für Strahlenschutz bestreitet nicht, dass ...

H. Lamarr @, München, Montag, 02.09.2019, 12:28 (vor 96 Tagen) @ Gast

Steingart konfrontierte Nicole Messmer, Pressesprecherin beim deutschen Bundesamt für Strahlenschutz mit diesen Aussagen. Messmer antwortete erstaunlich offen, bestritt die Aussagen nicht, wies aber darauf hin, dass sie zu wenig belegt seien.

Perfekt, danke für diesen Verweis, genau dieses irreführende Kolportieren hatte ich befürchtet und das Beispiel zeigt, aus gutem Grund. Es ist typisch für die Mobilfunkdebatte, dass kleinste sprachliche Ritzen, die das Umdeuten eines Sachverhalts zulassen, genutzt werden, um im Vorübergehen Information in Desinformation zu verwandeln! So ist auch künftig damit zu rechnen, dass sich die von Gabor Steingart in die Welt gesetzte Verdrehung der Tatsachen dort weiter ausbreitet, wo diese willkommen ist. Mutmaßlich werden wir noch dramatisierten Varianten begegnen der Art "Bundesamt für Strahlenschutz bestreitet nicht die Warnungen von Prof. Wilfried Kühling, Vorsitzender des wissenschaftlichen Rats der Bundesrepublik Deutschland" 😊. Passiert dies in den Hinterzimmern von Dorfwirtschaften, wenn Referenten der Anti-Mobilfunkszene Landbewohner "informieren", findet die schleichende Desinformation unbemerkt statt.

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Kühling vs. Meßmer: weitere Fundstellen

H. Lamarr @, München, Dienstag, 03.09.2019, 13:02 (vor 95 Tagen) @ H. Lamarr

Perfekt, danke für diesen Verweis ...

Moment mal, der Text auf "Demokratisch links" ist ja seinerseits nur ein 1:1-Copy-Paste-Produkt, das Original befindet sich (wieder mal ...!) in der Schweiz, genauer auf der Site Infosperber. Auf den ersten Blick wirkt der Artikel ausgewogen, das kann aber täuschen, für eine Prüfung fehlt mir momentan die Zeit.

Hier weitere Fundstellen für den Suchbegriff "Nicole Meßmer" Kühling. Unerwarterweise bringt das Krawallmedium "Epoch Times" das Duell Kühling vs. Meßmer differenziert, vor allem fehlt dort Steingarts irreführende Formulierung, Nicole Meßmer würde Kühlings Ausführungen nicht bestreiten. Das hätte ich Epoch Times zuvor nicht zugetraut und lerne daraus, dass in der Mobilfunkdebatte pauschale Vorverurteilungen (meiner Erfahrung nach) häufig zutreffen, jedoch nicht immer. Der Anti-Mobilfunkverein Diagnose-Funk z.B. hat es bislang nicht geschafft, in den 13 Jahren seines www-Daseins mich auch nur ansatzweise ein einziges Mal angenehm zu überraschen :-).

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