Prof. Frank: Kanadischer Epidemiologe unterstützt 5G-Moratorium (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.01.2021, 22:36 (vor 490 Tagen)

Mit Prof. John William Frank (71) betritt ein kanadischer Epidemiologe, der am Usher Institute der Universität von Edinburgh lehrt, die Bühne der 5G-Gegner. Frank begnügt sich nicht mit einer Statistenrolle, er startet senkrecht mit einem Essay in dem Fachjournal Epidemiology and Community Health. Alles gute Zutaten für eine nette Geschichte, wäre der auf der Insel hoch geschätzte Essayist im Fachgebiet der Bioelektromagnetik nicht ein völlig unbekannter Quereinsteiger.

Das Essay von Frank erschien unter dem Titel "Electromagnetic fields, 5G and health: what about the precautionary principle?" (Volltext) in der Januar-Ausgabe 2021 des Journal of Epidemiology and Community Health. Die folgende Zusammenfassung des Essays (übersetzt mit www.DeepL.com/Translator) weckt erste Zweifel, ob der in seiner Selbstsicht "erfahrene Epidemiologe" diesmal im Eifer des Gefechts über die Grenzen seiner Kompetenz hinaus geschossen ist:

Die neuen Telekommunikationssysteme der fünften Generation (5G), die jetzt weltweit eingeführt werden, sind Gegenstand einer heftigen Kontroverse geworden. Einige Gesundheitsschutzbehörden und ihre wissenschaftlichen Beratungsgremien sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine schlüssigen wissenschaftlichen Beweise für Schäden gibt. Mehrere neuere Untersuchungen unabhängiger Wissenschaftler deuten jedoch darauf hin, dass in dieser Frage erhebliche Unsicherheiten bestehen, wobei sich schnell Hinweise auf potenziell schädliche biologische Wirkungen durch die Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (RF-EMF) ergeben, in einem Ausmaß wie es die 5G-Einführung mit sich bringen wird. Dieser Aufsatz identifiziert vier relevante Quellen wissenschaftlicher Unsicherheit und Besorgnis: (1) Unklarheit darüber, welche Technik genau in 5G enthalten ist; (2) eine schnell wachsende Anzahl von Laborstudien, die beunruhigende In-vitro- und In-vivo-Effekte von HF-EMFs dokumentieren - allerdings mit vielen Lücken; (3) ein fast völliges Fehlen (bis jetzt) von qualitativ hochwertigen epidemiologischen Studien über schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit durch 5G-EMF-Exposition im Speziellen, aber schnell einsetzende epidemiologische Beweise für solche Auswirkungen durch frühere Generationen von HF-EMF-Exposition; (4) hartnäckige Behauptungen, dass einige nationale Regulierungsbehörden für Telekommunikation ihre HF-EMF-Sicherheitsrichtlinien nicht auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, was mit nicht bewältigten Interessenkonflikten zusammenhängt. Der Autor, ein erfahrener Epidemiologe, kommt zu dem Schluss, dass man die wachsenden gesundheitlichen Bedenken über RF-EMFs nicht abtun kann, insbesondere in einer Zeit, in der aufgrund der räumlich dichten Sendeanlagen, die 5G-Systeme erfordern, auf breiter Front höhere Expositionswerte für die Bevölkerung auftreten. Auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips schließt sich der Autor den Forderungen anderer nach einem Moratorium für die weitere weltweite Einführung von 5G-Systemen an, bis schlüssigere Untersuchungen zu deren Sicherheit vorliegen.

Den Standpunkt, den Frank vertritt, kann man gut und gerne aus dem Quellenmaterial importieren, das der Autor im Volltext benennt. Es ist ja kein Geheimnis, beide Seiten der Mobilfunkkontroverse sitzen auf denselben wissenschaftlichen Daten in Form von hunderten von Studien, allein die Bewertung der Daten macht den Unterschied. In diese Bewertung fließen nicht nur Erfahrung und Fachkompetenz in EMF-Sachfragen ein, sondern auch persönliche Neigungen. Wer alle diese Voraussetzungen hat kann authentisch bewerten, wem eine oder mehrere der Voraussetzungen fehlen kann dies nicht und muss, wenn er sich für die eine oder andere Seite entschieden hat, notgedrungen die begründeten Ansichten anderer importieren und sich zueigen machen. Da Frank ein EMF-Neuzugang ist, zähle ich ihn zu den Importeuren. Die rezipierte Meinung anderer gibt er mit eigenen Worten wieder.

Und hier noch einige Recherchesplitter ...

► Prof. Franks Curriculum Vitae.

► Von 1997 bis 2001 war Frank Lehrbeauftragter an der "School of Public Health" der University of California, Berkeley. Mit ziemlicher Sicherheit traf er dort auf den überzeugten Mobilfunkgegner Joel M. Moskowitz, der Frank möglicherweise zu seinem Essay inspiriert hat.

► Wenn sich ein Professor gegen 5G ausspricht ist das (auch) Stoff für den Boulevard.

► Im EMF-Portal ist "Frank JW" mit null Eintrag vertreten.

► Zum Zeitpunkt der Abfrage (22. Januar 2021, 21:00 Uhr) weist das Publikationsprofil von Franks Essay 82 Tweets von 71 Twitter-Nutzern aus: 3 Nutzer sind Wissenschaftler, je 4 Mediziner und Multiplikatoren (Journalisten, Blogger ...) und 60 sind Laien. Kein Wunder, wenn der Boulevard unter diesen Umständen zugreift.

► Prof. Frank steht seit 2018 mit einem Bein im Ruhestand (semi-retired), er reiht sich damit in die Liste derer ein, die am Ende ihrer beruflichen Laufbahn steile Thesen zum "Risiko 5G" wagen, da sie nichts mehr zu verlieren haben.

► Frank unterstützt zwar die Forderung anderer nach einem 5G-Moratorium, im Appell von Martin Blank und im 5G-Appell von Hardell/Nyberg konnte ich ihn soeben jedoch nicht verorten. Das passt nicht zusammen.

► Dariusz Leszczynski wundert sich über den langen Weg, den das Manuskript von Franks Essay hinter sich hat. Er twitterte am 19. Januar:
Received 2 December 2019
Revised 13 October 2020
Accepted 16 October 2020
Published 19 January 2021

Hinweis: In einer früheren Fassung dieses Posts war im Publikationsprofil die Anzahl der Laien irrtümlich mit 68 angegeben. Richtig ist die Anzahl 60. Der Fehler wurde am 24.01.2021 um 00:20 Uhr berichtigt.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Epidemiologie, Blank, Kanada, emeritiert, Moskowitz, Kontroverse, Epidemiologe


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