Immissionsminimierung mit "Codebook" wartet noch auf Einsatz (Technik)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 08.07.2020, 18:01 (vor 308 Tagen) @ H. Lamarr

Die Positionen, die ein Beam ausleuchten kann, sind nicht beliebig (im Sinne von kontinuierlich steuerbar), sondern als Koordinatenraster in einem "Codebook" (der Antenne) gespeichert. Das liest sich jetzt noch wenig aufregend. Doch es ist richtig spannend, denn dieses Codebook kann kritische Positionen mühelos davon ausklammern, von einem Beam ausgeleuchtet zu werden (entweder gar nicht oder mit beliebig geringer Leistung). Dies bedeutet nicht mehr und nicht weniger als eine Revolution in der Gestaltung von Antennendiagrammen, die sich mit smarten 5G-Antennen jetzt situationsbezogen an örtliche Gegebenheiten anpassen lassen! So eine kritische Position wäre z.B. in der Schweiz ein nahe gelegener Omen, bei dem es dann zu keiner oder eher zu einer programmiert schwächeren Befeldung käme. Abseits von Omen könnten die Beams vom Codebook wieder mit voller Leistung ausgestattet werden.

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen Schweizer Mobilfunknetzbetreiber zu erfahren war, ist die oben beschriebene gezielte Immissionsminimierung mit smarten Antennen künftig tatsächlich möglich. Gegenwärtig werde dieses Leistungsmerkmal, das die emotional geführte Mobilfunkdebatte um Standorte von Sendemasten in erheblichem Umfang befrieden kann, jedoch noch nicht genutzt.

Anzumerken ist, die gezielte Immissionsminimierung ist nicht allein auf smarte Antennen beschränkt, die nach dem Codebook-Verfahren arbeiten. Sie ist auch bei smarten Antennen möglich, die das Reziprok-Verfahren verwenden (siehe hier). Bei diesem Verfahren sendet ein Mobiltelefon regelmäßig Referenzsignale an die Basisstation. Die Basis misst die Referenzsignale und berechnet aus Empfangspegel, Mehrwegeempfang und Laufzeiten den Signalweg zur bestmöglichen Funkversorgung des Mobiltelefons (Richtung, Anzahl Beams, Hüllkurve des Summen-Beams). Dort, wo kein oder weniger Signal ankommen soll (z.B. nahe gelegener Omen), weist die Hüllkurve der eingesetzten Beams eine Einkerbung auf (Nullstelle). Bewegt sich der Nutzer folgt ihm der Summen-Beam, die Nullstelle wird dabei so verschoben, dass diese am Ort des Omens bleibt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kleinzellen, Immissionsminimierung, Beamforming, Beams, Codebook


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