REFLEX: Der vollständige Johnston-Report (2008) Teil 2 (Allgemein)

Alexander Lerchl @, Dienstag, 28.01.2020, 13:35 (vor 1045 Tagen) @ Alexander Lerchl

Einleitung

Das REFLEX-Projekt (Risikobewertung potenzieller Umweltgefahren durch die Exposition in niederenergetischen elektromagnetischen Feldern unter Verwendung empfindlicher in-vitro-Methoden) wurde von der Europäischen Kommission innerhalb des 5. Rahmenprogramms finanziert: "Lebensqualität und Management lebender Ressourcen". Das Projekt mit einer Gesamtfinanzierung von nahezu 3,3 Millionen Euro wurde von Prof. Dr. Franz Adlkofer von der VERUM-Stiftung, München, Deutschland, koordiniert.

Zwischen Februar 2000 und August 2003 führten 12 Forschergruppen aus sieben europäischen Ländern ein Programm mit wiederholten in-vitro-Experimenten durch, um die biologischen Auswirkungen von schwach wirksamen elektromagnetischen ELF- und HF-Feldern zu identifizieren. Das ursprüngliche Protokoll sah vor, dass die Teilnehmer unter Verwendung gut etablierter in-vitro-Tests dieselben Zelltypen der wichtigsten biologischen Zellsysteme (wie Gehirnzellen, Blutzellen und embryonale und neuronale Stammzellen) exponieren sollten, um genotoxische Effekte und Veränderungen in der Gen- und Proteinexpression oder Genmutationen oder veränderte Zellproliferation, Differenzierung und Apoptose zu überprüfen. Eine Ausnahme von dieser Replikation der Forschung war Teilnehmer 10, [Professor Kuster von Arbeitspaket 6], wo die Kuster-Gruppe allein für die "Qualitätskontrolle" von Expositionssystemen einschließlich der von ihnen "narrensicher" gemachten und ferngesteuerten Doppelblind-Expositionsparadigmen in Zürich verantwortlich war.

Während der gesamten Laufzeit des REFLEX-Projekts habe ich mich über die Forschungsergebnisse informiert, die die REFLEX-Gruppe auf EMF-Gesundheitskonferenzen vorgestellt hat. Da ich mit den Wissenschaftlern der meisten Forschungsgruppen zusammen war, stand ich mit Adlkofer auf einem guten wissenschaftlichen Verhältnis. Er teilte mir einige seiner Folienpräsentationen mit, die ich auf die gemeinnützige Website <rfsciencefaqs.com> stellte, die die REFLEX-Gruppe [zusammen mit vielen anderen Gruppen, einschließlich der FGF] abonniert hat. Adlkofer lud mich zu einigen der privaten REFLEX-Forschungsberichts-Zwischenbesprechungen ein, wie z.B. dem Treffen in Bologna 2002, und bezahlte meine Reise. Dadurch wurde ich mit dem REFLEX-Protokoll und den laufenden Forschungen vertraut und traf viele der REFLEX-Forscher.

Publikationen der Rüdiger-Gruppe in Wien

Zwischen 2002-2008 veröffentlichte die Rüdiger-Gruppe mehrere Arbeiten, die über DNA-Schäden in menschlichen Hautfibroblastenzellen nach Exposition sowohl mit ELF [Ivancsits et al., 2002; Ivancsits et al., 2003a,b, 2005; Winkler et al., 2005] als auch mit RF [Diem et al., 2005; Schwartz et al., 2008] berichteten. Sie testeten aktiv mehrere verschiedene intermittierende Schemata [Ivancsits et al., 2002] und zeigten die stärksten Effekte mit intermittierenden Schemata von 5-minütigen Feld-an/10-minütigen Feld-Aus-Zyklen auf DNA-Brüche in menschlichen Hautfibroblastzellen, obwohl weder intermittierende Schemata noch menschliche Hautfibroblastzellen im ursprünglichen Protokoll spezifiziert worden waren.

Es ist bemerkenswert, dass keines der in den EMF-Papieren der Rüdiger-Gruppe berichteten Ergebnisse zu DNA-Schäden unabhängig repliziert wurde, trotz einer Reihe von Versuchen [ELF fehlgeschlagene Replikationen: Scarfi et al., 2005, Prise et al., 2008] [RF fehlgeschlagene Replikationen: McNamee et al., 2003a,b; Zeni 2003; Sakuma et al., 2006; Takashima et al., 2006; Scarfi et al., 2006; Speit et al., 2007; Zeni et al., 2007]. [Dies ist keine vollständige Liste der fehlgeschlagenen Replikationen].

Jüngste Enthüllungen von Betrug - Antrag auf Rücknahme der Rüdiger-EMF-Papiere

Die veröffentlichten fehlgeschlagenen Replikationen sowie andere neuere Enthüllungen [Vijayalaxmi et al., 2006; FGF-Workshop 11. Mai 2007: siehe SAJ/FGF-Bericht, Jan. 2008; Lerchl, 2008; Wolf, 2008; Vogel, 2008] haben viele wissenschaftliche Mängel in den Arbeiten der Rüdiger-Gruppe identifiziert.

Im April 2008 wies Lerchl [2008] darauf hin, dass "die kritische Analyse der Daten seltsame Fehlberechnungen und statistische Merkwürdigkeiten aufzeigt, die Anlass zu Bedenken über die Herkunft der berichteten Daten geben", in der Publikation von Schwarz et al., [2008], die eine wahrscheinliche Datenfabrikation nahelegte. Ebenfalls im April untersuchte Wolf von der Universität Wien innerhalb des Rüdiger-Labors und stellte fest, dass Kratochvil einen Expositionscode-Bruch in einem Notizbuch aufzeichnete. Der Code-Bruch identifizierte die experimentellen und die Kontroll-Expositions-Gruppen, ohne dass die Züricher konsultiert werden mussten, was eine unverblindete Auswertung der Objektträger ermöglichte. Wolf entdeckte, dass man den experimentellen Code sowohl des ELF- als auch des HF-Expositionssystems durch leichtes Drehen eines Reglers an der Expositions-Kontrollkonsole brechen konnte [Wolf, 2008]. Nachdem er mit dem Notizbuch konfrontiert wurde, sagt Wolf, trat Kratochvil zurück [zitiert nach Vogel, 2008]".

Die Medizinische Universität Wien führte im Frühjahr 2008 eine Untersuchung zu den Betrugsvorwürfen durch und bat um die Rücknahme zweier HF-Publikationen [Diem et al., 2005; Schwartz et al., 2008]. Pressemitteilung vom 23. Mai 2008; http://www.medimiwien.ac.at/homeDage/news-und-tODStories/?tx ttnews%5Btt news%5D=216&tx ttnews%5BbackPid%5D=471&cHash=44de76750f|.

In der Folge stimmte Rüdiger [aber nicht Adlkofer] zu, das jüngste RF-Papier [Schwartz et al., 2008] zurückzuziehen. Wie von Vogel [2008] berichtet, sind weitere Untersuchungen zu allen Rüdiger-Publikationen der Rüdiger-Gruppe in REFLEX im Gange. Beachten Sie, dass Kratochvil [Diem] sowohl in den RF-Papieren [Diem et al., 2005; Schwartz et al., 2008] als auch in den ELF-Papieren [Ivancsits et al., 2002, 2003a, 2003b, 2005] als Koautor fungiert.
[Kommentar: auch Adlkofer hatte zwischenzeitlich der Retraktion zugestimmt] siehe hier.

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert


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