Wie Mobilfunkgegner versuchen, aus 5G Kapital zu schlagen (II) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 23.09.2018, 18:45 (vor 424 Tagen) @ H. Lamarr

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Ramazzini-Studie: Nur Mobilfunkgegner feiern die Ramazzini-Studie als Bestätigung der Ergebnisse der NTP-Studie. Wissenschaftler stehen dieser Studie aus Italien skeptisch gegenüber, denn sie zeigt Mängel in der Statistik und einige Ergebnisse stehen im Widerspruch zur NTP-Studie. ICNIRP sieht daher auch in dieser Studie keinen Anlass, seine Risikoeinschätzungen zu korrigieren. Doch welche Relevanz hat die Ramazzini-Studie für Sendemasten und Handys? Auch bei Ramazzini war die Exposition noch relativ stark, Ratten wurden lebenslang bis zu ihrem natürlichen Tod einer Ganzkörperbefeldung mit GSM1800-Signalen zwischen 0 und 50 V/m ausgesetzt. Signifikante Effekte wurden ausschließlich bei der Befeldung mit 50 V/m (6,6 W/m²) beobachtet, ein Wert, der zwar um rd. 10 V/m unter dem zulässigen Grenzwert für Fernfeldeinwirkung durch Sendemasten liegt, der jedoch in der realen Welt in keinem Wohn- und Schlafzimmern oder auf Balkonen erreicht wird, geschweige denn lebenslang.

Zum Leidwesen organisierter Mobilfunkgegner hat sich mit Dariusz Leszczynski auch ein Wissenschaftler kritisch zur Ramazzini-Studie geäußert, der sonst eher die Positionen der Gegner vertritt. Leszczynski verprellte auf seinem Blog die Szene mit der Einschätzung "Ramazzini study shows that cell tower radiation does not increase risk for Schwannoma and glioma" (Ramazzini-Studie zeigt, Mobilfunksendemasten erhöhen nicht das Risiko für Tumoren vom Typ Schwannom und Gliom), die er nachvollziehbar begründet. Die alarmierenden Ergebnisse der Italiener seien eher Phantomresultate, entstanden aus zufällig auftretenden spontanen Vorkommen von Schwannomen und Gliomen in den Experimentalgruppen. Wären die unter (im Vergleich zu NTP) schwacher Befeldung von den Ramazzini-Forschern gefundenen Fälle tatsächlich auf EMF-Einwirkung zurück zu führen, die NTP-Forscher hätten wesentlich höhere Fallzahlen an Schwannomen und Gliomen finden müssen. Also: Anders als die NTP-Studie ist die Ramazzini-Studie von der "Dosis" her im Prinzip zwar eine sendemastenrelevante Arbeit, deren widersprüchlichen Ergebnisse jedoch sind nicht plausibel, was auf die Einwirkung unerkannter Störgrößen hindeutet.

Fazit

Auch die aktuelle Studienlage gibt keine neuen Anhaltspunkte dafür, dass Mobilfunksendemasten, primäres Angriffsziel organisierte Mobilfunkgegner, gefahrenbringend wirken. Die Anti-Mobilfunk-Szene wird dennoch versuchen, die mit der Einführung durch 5G einhergehende Netzverdichtung zum Schüren von Ängsten zu nutzen. Dann heißt es aufpassen, ob, – sei es aus Unkenntnis oder mit voller Absicht, fälschlich mit der NTP- und der Ramazzini-Studie argumentiert wird. Ein zuverlässiger Indikator für unseriöse Information ist der Begriff "Mobilfunkstrahlung" oder ähnlich, wird dieser gezielt zur irreführenden Verschleierung der Emissionsquelle (Sendemast/Handy) verwendet.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
ICNIRP, Wissenschaftler, Leszczynski, Gliom, NTP-Studie, Verschleierung, Ramazzini, Schwannom


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