Elektrosmog & Verkehrsunfälle: Zwei Karten für Hobbyforscher (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 13.03.2018, 15:21 (vor 634 Tagen) @ H. Lamarr

Hansueli Stettler ist ein schweizer Mobilfunkgegner mit kommerziellem Hintergrund (selbsternannter Bauökologe), der sich darauf spezialisiert hat, Verkehrsunfälle der Einwirkung von Mobilfunk- oder Starkstromfeldern in die Schuhe zu schieben.

Stettlers größtes Problem ist: Niemand nimmt ihn so richtig ernst mit seiner fixen Idee. Diejenigen, die es besser wissen schweigen und schauen nur amüsiert zu, die andern stutzen kurz und kümmern sich dann wieder um ihren Kanarienvogel.

Dabei liefern die schweizer Behörden alles, was zum Widerlegen oder Bestätigen von Stettler nötig ist, mundgerecht zubereitet frei Haus.

- Standortkarte aller Mobilfunksender in der Schweiz
- Lagekarte der Verkehrsunfälle in der Schweiz

Mit diesen beiden Karten kann nun jeder nach belieben Unfallschwerpunkte suchen und prüfen, ob an diesen Stellen ein Mobilfunksender in unmittelbarer Nähe ist. Die Kunst dabei ist es, Scheinzusammenhängen nicht auf den Leim zu gehen. Diese sind z.B. in dicht besiedelten Gebieten (Städten) gegeben: Weil dort viele Menschen leben gibt es viel Verkehr (Unfälle) und viele Mobilfunksender. Der Zusammenhang zwischen Sendern und Unfällen ist an solchen Orten offensichtlich, jedoch nicht mehr wert als der ebenfalls offensichtliche Zusammenhang beim Rückgang der Geburtenrate, der mit dem Rückgang der Storchenpopulation frappierend genau übereinstimmt. Ein bisschen Hirn bei der Auswahl einer interessanten Unfallörtlichkeit wäre also nicht schlecht, Unfallschwerpunkte auf abgelegenen Landstraßen oder stadtfernen Autobahnen sind gute Kandidaten für die Untersuchung durch Hobbyforscher.

Auf die Schnelle habe ich mir einen Unfallschwerpunkt auf einer Straße bei Forch gesucht (Bilder), dort hat es bei Erlenbrunnen auf einer Strecke von nur etwa 200 Metern seit 2012 bis heute 4-mal gekracht (hell markierte Fläche in der Unfallkarte). Dies lässt sich der Original-Unfallkarte entnehmen, wenn man dort auf die vier Symbole klickt, die je einen Unfall repräsentieren.

Unfallkarte: In der hervorgehobenen Zone gab es vier Unfälle.
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Senderkarte: Am Unfallschwerpunkt (siehe Unfallkarte) steht kein Sender.
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Der Vergleich der Unfallkarte mit der Senderkarte macht deutlich: In Forch und Äsch gibt es einige Mobilfunksender und auch unterhalb von Hinterguldenen ist einer zu erkennen, in der Nähe der vier Unfallstellen gibt es jedoch keine Sendeanlage. Dieses Beispiel widerlegt damit Stettlers These von den unfallverursachenden Mobilfunksendern. Doch eine Mücke macht noch keinen Sommer. Um statistisch belastbare Aussagen zu bekommen, müssten möglichst viele Unfallschwerpunkte systematisch und auf definierte Weise geprüft werden. Am besten von Hobbyforschern, die ergebnisoffen sind. Das heißt: Wer die Stettler-Idee prüft, darf unliebsame Ergebnisse nicht unter den Tisch fallen lassen, um mit List und Tücke das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Stettler selbst scheidet damit wegen Voreingenommenheit als "Forscher" schon einmal aus – und ich übrigens auch :-).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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