Beihilfe zur Desinformation (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 22.11.2014, 20:35 (vor 1820 Tagen) @ H. Lamarr

Hintergrund
"Informationen" der örtlichen Bürgerinitiative

Dort, auf der verlinkten Website der Grünen, steht:

Das Vorgehen der Bürgerinitiative ist aktive Bürgerbeteiligung, die auch von den politischen Gremien nicht übergangen werden darf. So dass sich der Rat der Gemeinde Blankenheim mit dem Anliegen der Bürgerinnen und Bürgern beschäftigen sollte.

Ist das Vorgehen der Bürgerinitiative wirklich aktive Bürgerbeteiligung?

Aus meiner Sicht: Nein.

Begründung: Es gibt gesellschaftliche Auseiandersetzungen, die sind selbstlaufende Gewinnerthemen. Zum Beispiel hatten die Grünen Jahrzehnte das Monopol der Atomgegnerei und entsprechenden Zulauf. Doch dann klaute die Bundeskanzlerin den Grünen dieses Gewinnerthema und setzte die Schwarzen an die Spitze der Anti-AKW-Bewegung. Ihres Zugpferdes beraubt, schnitten die Grünen bei der jüngsten Bundestagswahl schlecht ab.

Wer Unterschriften gegen eine Müllverbrennungsanlage sammelt, gegen eine Kläranlage oder gegen ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche, der kann kaum etwas falsch machen. Natürlich bekommt er Stimmen, wer will solche Einrichtungen schon in seiner Nachbarschaft haben. Und nicht anders ist es mit Mobilfunk-Sendemasten. Dass diese überhaupt als Negativeinrichtung wahrgenommen werden ist das "Verdienst" von rund 20 Jahren Desinformation, die von Nutznießern der Elektrosmog-Angst systematisch in die Öffentlichkeit gepumpt wurde. Zuvor waren gewisse Sternkonstellationen, Erdverwerfungen, Wasseradern und Betonbauten die Bösen, jetzt sind es eben Sendemasten, morgen Hochspannungsmasten. Bürgerinitiativen helfen als "nützliche Idioten" emsig mit und verbreiten angelieferte Desinformation unentgeltlich ans Volk. Zugleich wird Misstrauen gegenüber staatlicher Gesundheitsaufsicht gesät, damit deren kompetenter Standpunkt verworfen wird.

Immer sind es nur eine handvoll Rädelsführer, häufig nur eine oder zwei Personen, die mit Alarmismus einen Anti-Mobilfunk-Cluster um sich bilden. Wie groß der Cluster ist hängt maßgeblich vom Einsatzwillen und der Überzeugungskraft der Aktiven ab. Ahnung von der Problematik haben weder die Rädelsführer noch diejenigen, die unterschreiben. Brauchen sie auch nicht, es geht ja gegen eine "Negativeinrichtung", da hat jeder sofort eine Meinung, und das genügt, um mitzumachen. Dass es sich bei Sendemasten nur um vermeintliche Negativeinrichtungen handelt, wissen die Leute nicht. Die Initiatoren versorgen ihre Gruppe mit all den unqualifizierten, teils aber schön verpackten "Informationen", die es auf Anti-Mobilfunk-Websites haufenweise zum Abgreifen gibt, die Kompetenz der Verfasser spielt keinerlei Rolle, Hauptsache die eigene Meinung wird bestätigt. Das ist keine gesunde pluralistische Informationsbeschaffung, sondern eine manipulative, das Ziel ist eindeutig Beeinflussung statt freie Meinungsbildung. Seriöse Informationen gibt es keine einzige, wie am Beispiel der Grünen-Website oben ersichtlich ist. Sie verbreitet das dilettantische Zeugs der Bürgerinitiative (darunter die unsägliche Hennen-Studie von Dr. Eger) ohne Warnung weiter, und macht sich damit der "Beihilfe zur Desinformation" schuldig.

Ziemlich mühelos lassen sich unter so verunsicherten Menschen hunderte von Unterschriften sammeln, die im wesentlichen jedoch nur den Interessen von ein oder zwei Initiatoren dienlich sind. Häufig ist es so, dass diese Initiatoren den größten Nutzen vom Gelingen einer Protestaktion haben. Deshalb ist es aus meiner Sicht eben keine wirkliche Bürgerbeteiligung, sondern nur ein Machtpoker. Die wenigen Initiatoren bedienen sich der Bevölkerung, aus der Bedeutungslosigkeit heraus Druck aufzubauen, um ihre persönlichen Ziele durchzusetzen. Druck, wie ihn ein Mob jederzeit und überall ausüben kann, um z.B. Lynchjustiz zu üben. Dies zu erkennen, ob ein Verlangen berechtigt oder unberechtigt ist, gehört mMn zu den Aufgaben eines funktionierenden Gemeinderates. Dieser hat heute mehr denn je Möglichkeiten, sich schnell und kompetent zu informieren, um unberechtigten Forderungen die Stirn zu bieten. Forderungen, die im Fall Blankenheimerdorf ohne Wenn & Aber in jeglicher Hinsicht kontraproduktiv sind.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Politik, Desinformation, Hennen, Widerstandsnest, Bürgerbeteiligung, Gemeinde, Negativeinrichtung, Cluster


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