Zürich: Erstes Mietwohnhaus für Superallergiker (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 11.12.2013, 10:47 (vor 2643 Tagen)

Elisabeth Buchs schreibt im Gigaherz-Forum:

10 vor 10 des Schweizer Fernsehens hat den Präsidenten der Wohnbaugenossenschaft und schwer MCS-Betroffenen Herrn Christian Schifferle bei seinem Einzug ins neue MCS-Haus begleitet, der vorher 20 Jahre lang im Vorbau eines Wohnwagens auf der Lenzerheide gelebt hat, da wegen seiner Erkrankung für ihn ein Leben in sog. normaler Wohnumgebung sonst nicht möglich war.
Erfreulicherweise wurde im Beitrag von 10 vor 10 auch der Elektrosmog erwähnt.

Zuerst das Unwichtigste: Ja, in dem knapp 5 Minuten langen Bericht fällt tatsächlich 1-mal das Wort "Elektrosmog".

Was Frau Buchs nicht erwähnt: Der Begriff "Wohnbaugenossenschaft" klingt institutionell ziemlich bedeutsam und man stellt sich darunter eine mehr oder weniger mächtige, auf jeden Fall aber seriöse Organisation vor. Im 10-vor-10-Bericht schrumpft der "Präsident" dieser Wohnbaugenossenschaft dann schon mal zum Co-Präsidenten, und wenn man ein bisschen im www stöbert stellt sich schnell heraus: Diese Wohnbaugenossenschaft heißt in Wahrheit Baugenossenschaft «Gesundes Wohnen MCS», sie wurde am 7. Februar 2008 von MCS-Kranken (Multiple Chemische Sensitivität, vielfache Chemikalienunverträglichkeit) in der schweizerischen Gemeinde Uster gegründet.

MCS ist ebenso wenig als physische Erkrankung anerkannt wie EHS. Nutznießer der MCS-Phobie ist wie bei der EHS-Phobie in erster Linie die sogenannte Baubiologie. So lässt sich in der Raumluft nach allerlei Schadstoffen fahnden und jetzt medienwirksam sogar ein Haus in Szene setzen, das nach baubiologischen/elektrobiologischen Gesichtspunkten geplant und gebaut wurde - und daher 20 Prozent teuer kam als bei konventioneller Bauweise. Vieles von dem, was die Baubiologie preist, etwa die beliebten "Netzfreischalter", beruht auf pseudowissenschaftlichen Grundlagen. Aus meiner Sicht ist dieses Haus (unfreiwillig) ein verkapptes Marketinginstrument der Baubiologenverbände, sollte es Superallergikern in den Räumen tatsächlich besser gehen als anderswo, sehe ich darin einen erfreulichen Verdienst des Placebo-Effekts, durch den das Haus selbst aufgrund seiner Bauweise zu einer Heilanstalt wird.

Hintergrund
Eröffnung des ersten MCS-Mietwohnhauses in Zürich-Leimbach

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Oase, Schutzzonen, MCS, Schweiz, Wohnprojekt, Zürich, MCS-Haus, Baugenossenschaft


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