Unter Sendemasten strahlt es wie die Hölle (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 20.01.2013, 20:20 (vor 2964 Tagen)

In den Flegeljahren der Mobilfunkdebatte wurde immer wieder mal kolportiert, direkt unterhalb von Sendemasten (Dachstandorte) würde es wie die Hölle strahlen. Legendär ist der Spruch eines Baubiologen, eine "Nebenkeule würde sich von oben tief in das Haus bohren". Selbst Physiker Dr. Klaus Buchner bestätigte mir seinerzeit, dies würde so stimmen.

Natürlich stimmt das nicht. Denn es macht keinen Sinn, die kostbare Sendeenergie nicht zum Aufbau einer wabernden Funkzelle zu nutzen, sondern in die Bausubstanz des Mastenträgers zu pumpen. Direkt unter Sendemasten strahlt es deshalb so gut wie nicht. Unvermeidbare Nebenkeulen der Antennencharakteristik bewirken, dass sich schräg unterhalb eines Masten innerhalb wenige Meter Bereiche mit relativ hoher und schwacher Immission abwechseln. Diese Nebenkeulen sind ein unerwünschtes Nebenprodukt der Richtwirkung von Sektorantennen, je stärker die Bündelung, desto stärker sind auch die Nebenkeulen. Zuweilen wird eine Nebenkeule auch gezielt genutzt, um eine kleine funktote Zone auszuleuchten, erkennbar ist dies an einer Sektorantenne, die nicht wie üblich nach unten geneigt ist, sondern nach oben.

In der jüngsten Erhebung des IMST (LTE-Immission bei 91 Messpunkten im Umkreis von 16 Basisstationen) erfährt die Aussage, unter Sendemasten sei funktechnisch nicht viel los, eine Bestätigung. Denn den niedrigsten Wert ermittelte das IMST, wie elektronikpraxis.de berichtet, in Hanau innerhalb eines Gebäudes, auf dem die Mobilfunkantenne installiert war. Die auftretende Gesamtimmission für alle Mobilfunkdienste betrug hier nur 0,01 Feldstärke-Prozent.

Lange war mir nicht klar, warum überhaupt das Märchen von der hohen Funkbelastung in Gebäuden mit Dachstandort in Umlauf gebracht wurde. Inzwischen weiß ich, es war ein strategisches Märchen. Die es in Umlauf brachten wollten damit potenziellen Vermietern von Dachstandorten für Sendemasten so viel Angst einjagen, dass sie, wenn ein Betreiber bei ihnen vorstellig wurde, lieber angstschlotternd auf die zuweilen üppigen Mieteinnahmen verzichten sollten. Messbare Wirkung hat die Lüge nicht gehabt, bislang hat noch jedes Funknetz die Penetrationsauflagen der Regulierungsbehörde termingerecht erfüllt.

Hintergrund
Mobilfunkstrahlung unterhalb von Sendemasten
Ausnahmen bestätigen Regel

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Legende, ödp, Gerücht, Buchner, Messung, Standortbündelung, Kolportage, Funkzelle, Sektorantenne, Funkbelastung


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