Bericht von der AZK-Veranstaltung in München (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 10.07.2010, 22:24 (vor 3333 Tagen) @ Gast

Ankündigung: Spielfilm "Karma - ich komme wieder" beleuchtet weitere Facetten der organischen Schicksalsgemeinschaft aller Menschen. Die Gefahr der Mobilfunkstrahlung - ein Thema, dessen sich viele noch nicht bewusst sind - das aber letztlich doch alle betrifft.

Wir haben heute am Nachmittag diese AZK-Veranstaltung in der Münchener Zenith-Halle besucht. Der erste Eindruck war bombastisch, die mit 750 Sitzplätzen bestuhlte Halle war mit etwa 650 bis 700 Teilnehmern für uns überraschend gut besucht, immerhin ist die AZK in der Schweiz zuhause. Schweizer Dialekt hörten wir jedoch keinen, eher schon fränkisch und schwäbisch. Unter den Teilnehmern waren auffallend viele Familien mit Kindern, ich schätze die Anzahl der Kinder auf ungefähr 100. Der Teil der Veranstaltung, dem wir beiwohnten, verlief familiär und friedlich, über die Funktion von in kleinen Gruppen herumstehenden Herrn in dunklen Hosen und weißen Hemden, die dem Treiben der Teilnehmer zuschauten, bin ich mir nicht klar geworden. Irgendein bekanntes Gesicht aus der Mobilfunkszene konnten wir nicht entdecken.

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Aufnahme in der Zenith-Halle vor Beginn der Filmaufführung, die leeren Plätze füllten sich noch

Die Organisation war mMn sehr professionell, eine große und zwei kleinere Projektionswände sowie ein Kamerakran, der für die AZK-typischen "Überflugaufnahmen" zuständig war, vermittelten das Gefühl einer gut durchorganisierten Großveranstaltung. Die Licht- und Tontechnik sowie das Catering gaben ebenfalls keinen Anlass zu Kritik, sogar mehrere Simultandolmetscher (z.B. Englisch, Rumänisch) waren aufgeboten worden.

Um etwa 16:15 Uhr trat Ivo Sasek ans Mikrofon und kündigte den Film "Karma" an. Ein opulentes 3-Stunden-Werk mit Pause nach 1 1/2 Stunden. Sasek, sprach davon, dass er selber EHS sei und durch Vorträge bei seinen Veranstaltungen auf die Mobilfunkproblematik aufmerksam wurde (vermutlich meinte er damit die Vorträge von Dr. Scheiner und Uli Weiner). Erst nach Schirmung seines Hauses sei seine Vitalität zurück gekehrt, jetzt könne er wieder ohne Pause zwölf Stunden arbeiten. Seinen Film "Karma" habe er mit 2000 Statisten gedreht, auch die AZK-Demonstration im Herbst 2009 in Stuttgart wurde in den Film eingeschnitten. Sasek beklagte mit Blick auf die Stuttgarter Demo gezielte Behinderung durch die Behörden, z.B. das Abdrängen in Nebenstraßen und ein Ausbleiben der Berichterstattung in den Medien. Aus Sicht von Sasek sei dies so, weil der Anti-Mobilfunkprotest unterdrückt werden soll. Sein Film, darauf legte Sasek wert, solle keine religiöse Diskussion auslösen, es käme allein auf die Fakten im Film an.

Von diesen Fakten war dann aber nichts zu erkennen. Aus meiner Sicht wirkte der Film wie das surreale, teils bizarre Werk eines Schulabgängers, Sasek selber sieht den Film eher als Kreuzung von Komödie und Tragödie. Die Überlänge des Films erklärt sich damit, dass Sasek den Raum braucht, um alle bekannten Klischees und Behauptungen der Mobilfunkdiskussion wenigstens 1-mal anzusprechen. So kommt etwa der korrupte Wissenschaftler ebenso vor wie der Besserwisser, der kund tut, es wisse doch jeder, dass die schwache Dauerbestrahlung durch Sendemasten viel schlimmer sei als die kurzfristige starke Strahlung eines Handys. Die sich schier endlos dahinschleppende Handlung war durchwirkt mit allerlei Handlungsaufforderungen an die Zuschauer, sich dem vermeintlichen Terror durch die Mobilfunkindustrie zu widersetzen. Nach etwa 45 Minuten hatten wir genug gesehen und gingen.

Ob von dem Film eine "Gefahr" ausgeht wage ich zu bezweifeln, beunruhigend ist eher der Zulauf, den die AZK in München vorweisen konnte. Wenn diese Leute wieder in ihren Städten und Dörfern sind und die Botschaft der AZK tatsächlich umsetzen, wird die Mobilfunkdebatte neu angeheizt, ohne dass sichtbar wird, dass es in Wahrheit AZK-Leute sind, die einen Auftrag erledigen. Ich fürchte, die ohnehin schon widersprüchliche Mobilfunkdebatte wird noch widersprüchlicher, denn Sasek tourt mit seiner Veranstaltung jetzt durch mehrere große Städte Deutschlands hinauf bis nach Hannover. In einem ausgelegten Flugblatt einer "Antigenozidbewegung" (eine krude Truppe, die Dr. Scheiner zum Professor befördert) heißt es wenig staatsfreundlich: "Die Mobilfunkindustrie und die schuldigen Politiker müssen dringend juristisch zur Rechenschaft gezogen werden". Na, das kann ja lustig werden.

Hinweis: dieser Bericht entstand aus meinem Gedächtnisprotokoll der Veranstaltung.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
AZK, Interessensorientiert


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