Volksinitiative Liechtenstein: Kampf - Hirn gegen Bauch (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 28.07.2009, 23:14 (vor 4878 Tagen) @ Doris

Die Volksinitiative fordert eine ersatzlose Streichung der beiden Artikel.

Hier kämpft Verstand gegen Bauch. Ich kann nur hoffen, dass diese "Volksinitiative" bis 6. August die erforderlichen 1000 Unterschriften zusammenbekommt, damit sich im September der Landtag abermals mit der Grenzwertfrage befassen muss. Die Bauch-Fraktion hat keine echten Argumente, wenn sie dennoch die Oberhand behält, wäre dies ein bedenkliches Signal, wie eine Minderheit mit intensiver Desinformation sogar parlamentarische Entscheidungen erzwingen könnte. Eine Niederlage der Volksinitiative wäre ein fatales Signal, weil es den Fanatikern und Profiteuren der Szene unverdienten Schwung gäbe. Mit Blick auf die laufende Volksinitiative leuchten mir auch die großen PR-Anstrengungen ein, die gegenwärtig den Liechtensteiner-Mitstreitern unterstützend aus Zürich und Stuttgart zuteil werden. Wenn man sich überlegt, dass die AUVA-Studie schon 2005/2006 gemacht wurde aber erst jetzt von Sendemastengegnern großflächig plakatiert wird ...

Damit stünden auf dem Territorium des Kleinstaates sieben- bis zehnmal mehr Antennen als heute. «Das ist politisch nicht machbar», sagt Jürgen Nigg vom Initiativkomitee ...

Ja klar, los Leute, baut die 100 bis 150 Masten lieber heute als morgen, damit auch die Sendemastengegner in Liechtenstein begreifen, welche Geister sie mit ihrer blödsinnigen Forderung nach einer Senkung der Grenzwerte für Basisstationen auf 1 mW/m² bewirken. Was ich von dem Starren auf BTS-Grenzwerte und dem völligen Missachten des viel wichtigeren Handy-Grenzwerts halte ist bekannt, ich brauche es nicht wiederholen.

In der Studie "Bestimmung der Exposition der Bevölkerung in der Umgebung von GSM und UMTS Basisstationen" heißt es: Typische örtlich und zeitlich maximierte Immissionswerte in der Umgebung von GSM- und UMTS-Basisstationen liegen in der Regel unterhalb von 2% der Feldstärkegrenzwerte der 26. BImSchV. und können in seltenen Fällen mehr als 10% erreichen. Okay, wenn dies so ist und 10 % von 60 V (max. Grenzwert) eben jenen neuen Liechtensteiner Wert von 0,6 V/m ergeben, dann heißt dies was? Dann heißt dies, dass die Grenzwertsenkung auf 0,6 V/m noch nicht einmal ein seltenes "Problem" zufriedenstellend löst. Sich einen Dreck um die Handy-Grenzwerte kümmern und dann die BTS-Grenzwerte auf einen Wert zu reduzieren, der sowieso nur selten überschritten wird - wenn einem soviel Kompetenz widerfährt, dann ist das schon einen, na Sie wissen schon was, wert.

Für die Gegner der Initiative grenzt dies an Erpressung von Landtag und Volk. Klaus Schädler, Sprecher des Vereins für gesundheitsverträglichen Mobilfunk (VGM), wirft den Mobilfunkanbietern «gezielte Angstmacherei» vor.

Dieses Argument entbehrt nicht einer gewissen Komik. Jetzt haben auch die Sendemastengegner die Angstmacherei als plakativen Vorwurf an den ideologischen Gegner entdeckt. Dass Sie selber die emsigsten aller Angstmacher sind wird geflissentlich übersehen.

Die Bürgerbewegung zählt bloss knapp 200 Mitglieder, ist aber äusserst aktiv. Und erfolgreich: Sie hat in Liechtenstein die Handydebatte bereits vor Jahren lanciert und war treibende Kraft für den Entscheid des Parlaments, den Strahlungsgrenzwert zu senken.

Ja, das spricht nicht unbedingt für den Öffentlichkeitsarbeit der Vernunfts-Fraktion in Liechtenstein, wenn Sendemastengegner mit halbseidenen oder noch dünneren Argumenten so weit vordringen können. Da beugten sich welche dem Terror der Straße.

Für Schädler und seine Mitstreiter ist klar, dass renommierte Wissenschaftler die Schädlichkeit der Handystrahlung längst nachgewiesen haben. Der VGM berichtet auch regelmässig von Beispielen, bei denen Menschen, die in der Nähe von Funkmasten wohnen, gesundheitliche Probleme haben. Oder von Kühen mit entzündeten Eutern und Totgeburten.

Da ist sie wieder, die unübersehbare Spur der Desinformanten, mit immer denselben abgedroschen Behauptungen. Unglaublich, dieser Stuss hat es bis in den Landtag geschafft! sektor3, die Abgeordneten dort können unmöglich alle von den Tabakmultis gesponsort worden sein, da müssen zusätzlich die Spirituosenbarone mitgemisch haben ... ;-)

Was die Zahl der Antennen betrifft, ist der VGM überzeugt, dass sie dank einer neuen Technologie (Ultra-High-Site-Konzept) im Vergleich zu heute trotz niedrigerer Strahlung sogar reduziert werden könnte.

Wie heißt es so schön: Überzeugung ist der schärfste Feind der Wahrheit. Ob den Liechtensteinern tatsächlich mehr als 100 Meter hohe Funktürme gefallen würden? E-Plus hat UHS zur schnellen ersten UMTS-Bedarfsdeckung in Deutschland eingesetzt, weil eine UHS im Mittel acht herkömmliche BTS ersetzen konnte. Aber: diese Technik hat auch technische Nachteile (geringere Bandbreite) und mWn ist sie für GSM nicht anwendbar.

Signalwirkung für die Schweiz

Sowieso, immer und alles!

Falls die Volksinitiative der Wirtschaftsverbände scheitert, würde das Fürstentum ab 2013 zu einer Handyinsel in Europa.

Wie bitte?!

Auch in der Schweiz hoffen die zahlreichen Mobilfunkkritiker auf einen Entscheid mit Signalwirkung.

In St. Ingbert, Stuttgart, Allach, Bamberg und Oberammergau wird nicht weniger gehofft, der Bauch möge gewinnen. Nur, die Argumente sind dort bis aufs µ genauso dünn wie in der Schweiz und in Liechtenstein. Und deshalb ist mein kühner Tipp: Die Volksinitiative wird auch in Liechtenstein noch 1000 vernunftgesteuerte Einwohner finden. Dann aber ist Arbeit angesagt, die Parlamentarier des kleinen Landes von der Desinformation zu befreien und mit belastbaren Informationen zu versorgen, damit im September der Rat nicht ratlos ist.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Bürgerbewegung


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