Dr. Hans-U. Hertel: Bestrahltes Wasser lässt Pflanzen kümmern (Esoterik)

H. Lamarr @, München, Freitag, 23.08.2013, 22:47 (vor 2583 Tagen)

Das Video ist einer dieser zahllosen Versuche, Menschen mit vermeintlich überzeugenden Bildern für dumm zu verkaufen. Das Video will weismachen, mit Mikrowellen bestrahltes Gießwasser lässt eine zuvor gesunde Jungpflanze innerhalb weniger Tage verkümmern. Wer genau hinsieht wird freilich erkennen, dass die Erde im Topf der zum Tode verurteilten Pflanze stets merklich dunkler ist (feuchter), als bei der Vergleichspflanze. Vermutlich wurde dem einen Testkandidaten durch übermäßiges Gießen bei niedriger Temperatur absichtlich geschadet. Oder der arme Kerl bekam in der Mikrowelle erhitztes Wasser direkt verabreicht, ohne Abkühlung. Wie dem auch sei, weil der Versuch so schön einfach ist, kann das jeder selber ausprobieren.



Die deutsche Stimme des Videos ist mMn dieselbe, die auch in den unsäglichen Videos des Franzosenvereins Next-up zu hören ist.

Kurz nach Minute 1:30 nuschelt die Sprecherin etwas von einem Dr. Hans Solihertel, der sich später als Dr. Hans-Ulrich Hertel herausstellen sollte. Ein Schweizer, dem angeblich per Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts verboten wurde, seine dramatischen Forschungsergebnisse über die Schadwirkung von Mikrowellen auf Lebensmitteln öffentlich zu machen. Erst vor dem Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hätte dieser Angriff auf Meinungs- und Forschungsfreiheit abgewehrt werden können.

Die Story um Dr. Hertel findet sich im www auf einschlägigen Seiten im nahezu gleichen Wortlaut. Einen Lebenslauf des Mannes gibt es hier zu bestaunen.

Nun gibt es zwar keinen Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, wohl aber einen europäischen. Und der hat tatsächlich im August 1998 einen Fall Hertel vs. Schweiz verhandelt. Das Urteil ist im Volltext hier abzurufen (Word-Datei, 43 Seiten, englisch).

Mit 6:3 Richterstimmen erstritt Hertel, dass es in seinem Fall tatsächlich zu einer Verletzung seines Rechts auf Meinungsfreiheit gekommen war. Einstimmig abgelehnt wurden Hertls Beschwerden wegen unfairer Verhandlung seines Falles in der Schweiz und Missachtung seines Rechts auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Der Schweizer Staat musste Dr. Hertl mit 40'000 CHF dessen Verfahrenskosten ersetzen. Um was genau es in dieser Auseinandersetzung ging ist in dem Word-Dokument ausführlich dargelegt. Gelesen hab ich's wegen der Textmenge nicht, ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass der Sachverhalt weitaus weniger dramatisch ist, als es Lebensmittel-in-Mikrowellenöfen-Gegnern lieb ist (siehe auch: Verbrieftes Recht, öffentlich Stuss behaupten zu dürfen).

In diesem Forum (chefkoch.de) schreibt ein Teilnehmer:

"Der Dr. Hans-Ulrich Hertel ist Mitglied einer esoterischen Sekte, der 'The World Foundation for Natural Science' (Universale Kirche), die neben diesem Mikrowellenquatsch auch antisemitisches und rassistisches Gedankengut verbreitet.

Einige Mitglieder dieser Sekte sind in der Schweiz auch deswegen verurteilt worden."

Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen, diese Foundation gibt es jedenfalls noch heute und sekten-info-nrw.de hat zu ihr auch eine Meinung: Es werde eher Panikmache als Aufklärung betrieben.

Dem EMF-Portal ist ein Forscher namens Hertel nicht bekannt.

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Dr. Hans-U. Hertel: Bestrahltes Wasser lässt Pflanzen kümmern

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.02.2015, 00:20 (vor 2036 Tagen) @ H. Lamarr

"Der Dr. Hans-Ulrich Hertel ist Mitglied einer esoterischen Sekte, der 'The World Foundation for Natural Science' (Universale Kirche), die neben diesem Mikrowellenquatsch auch antisemitisches und rassistisches Gedankengut verbreitet.

Einige Mitglieder dieser Sekte sind in der Schweiz auch deswegen verurteilt worden."

Im Tagesspiegel heißt es über Dr. Hertel:

Der Schweizer Ernährungswissenschaftler Hans Ulrich Hertel veröffentlichte 1989 eine Studie, die belegen wollte, dass Mikrowellenessen das Immunsystem zerstört, Migräne hervorruft, die Hormonproduktion stoppt, Zellen beschädigt. Dass man schon wenige Minuten nach dem Verzehr von mikrogewellter Nahrung schlechtere Blutwerte messen könne, man langsamer denkt und schlechter schläft. Aber Hans Ulrich Hertel ist auch Priester der Sekte „Universale Kirche“ und glaubt, „das Judentum“ habe den Zweiten Weltkrieg angezettelt.

Auch zu einem Psiram-Eintrag hat es der Schweizer gebracht.

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DGUHT zu Mikrowellenöfen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 26.02.2015, 12:40 (vor 2032 Tagen) @ H. Lamarr

Die Story um Dr. Hertel findet sich im www auf einschlägigen Seiten im nahezu gleichen Wortlaut.

Angeblich sollen in der ehemaligen Sowjetunion Mikrowellenöfen verboten gewesen sein, bis der Kommerz erst die KPdSU zu Fall brachte und danach Mikrowellenöfen bis nach Sibirien exportierte.

Auf der Suche nach Belegen für diese Story wirft Google auf den ersten Trefferseiten ausschließlich dubiose oder für Desinformation bekannte Quellen aus. Und sollte sich unter diesen Irrlichtern doch einmal eine seriöse Quelle finden, z.B. Der Spiegel, dann tischt dort jemand die Geschichte in einem Forenbeitrag auf.

Es ist ein unübersehbares Alarmzeichen, wenn sich auf den ersten Seiten der Trefferliste dubiose Webseiten tummeln, deren Kompetenz und Interessenlage sich dem arglosen Besucher nicht ohne weiteres erschließt. Unter den momentan ersten 40 Treffern konnte ich keinen einzigen Verweis auf eine nachprüfbare Primärquelle finden, die die oben Behauptung glaubwürdig belegt, Mikrowellenöfen seien schädlich und wären deshalb in der Sowjetunion (1976) verboten gewesen.

Momentan befindet sich auf Seite 4 der Trefferliste der Eintrag:

„Kochen“ mit Mikrowellenöfen … - DGUHT e.V.

Die DGUHT ist die "Deutsche Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie e.V.". Klingt erst mal gut.

Doch wer die Anti-Mobilfunk-Szene kennt, vernimmt in dem Artikel über Kochen mit Mikrowellenöfen schnell die vertraute Töne, die einem ein latent lauerndes Gesundheitsrisiko einreden möchten. Und natürlich wird auch Dr. Hertel zitiert, so als gäbe es an dessen Erkenntnissen keine Zweifel. Die vertrauten Töne sind kein Zufall denn Autor des Beitrags ist der Zahnarzt Dr. dent. Claus Scheingraber, der in Bayern auch einen "Arbeitskreis Elektrobiologie" (AEB) betreibt. Dieser AEB bildet gegen Bezahlung z.B. Bäcker oder Hotelfachangestellte zu "Elektrobiologen" aus. Und damit diese frisch ausgebildeten "Elektrobiologen" auch etwas zu tun haben, ist es von Vorteil, wenn die Bevölkerung gegenüber allerlei technische Errungenschaften, die mit elektrischer Energie betrieben werden, Misstrauen, Sorge oder am besten Furcht empfindet. Denn dann können "Elektrobiologen" mit honorarpflichtiger "Beratung" und mit "Maßnahmen" den Besorgten zur Seite stehen. Ohne Besorgte gäbe es keine "Elektrobiologen", der Bäcker müsste Brote backen, die Verwaltungsfachangestellte Akten blättern.

Für mich neu: Claus Scheingraber ist bei der DGUHT "Leiter des AK Physikalische Umweltbelastungen". Auch im "Wissenschaftlichen Beirat" des Vereins finden sich Namen, die aus der Anti-Mobilfunk-Szene bekannt sind:
Prof. Dr.-Ing. Wilfried Kühling
Prof. Dr. med. Rainer Frentzel-Beyme
Dr. med. Joachim Mutter

Schwach meine ich mich zu erinnern, dass "KlaKla" die Vernetzung der Szene früher schon einmal genauer beschrieben hat. Sollte dies so sein: "Klakla", bitte Link nachreichen.

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DGUHT zu Mikrowellenöfen

KlaKla, Freitag, 27.02.2015, 06:54 (vor 2031 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Freitag, 27.02.2015, 09:03

Schwach meine ich mich zu erinnern, dass "KlaKla" die Vernetzung der Szene früher schon einmal genauer beschrieben hat. Sollte dies so sein: "Klakla", bitte Link nachreichen.

Viele Vereine - gleiche Alarmschürer

In den unterschiedlichen Vereinen sitzen selbst ernannte Experten die über einen weiteren Verein ihre
kruden Geschäfte abwickeln. Meinem Verständnis nach, betreiben sie Missbrauch mit den Möglichkeiten eines gemeinnützigen Vereins.

Siehe Dr. Mutter, der den Verein nutzt u.a. für Eigenwerbung.
Kommerzialisierung der Anti-Mobilfunk-Szene
http://www.dguht.de/uploads/1/4/8/7/14871300/neuro2015_mar7.pdf

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Meine Meinungsäußerung

Bestrahltes Wasser vs. magnetisiertes Wasser

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.01.2016, 23:32 (vor 1701 Tagen) @ H. Lamarr

Das Video ist einer dieser zahllosen Versuche, Menschen mit vermeintlich überzeugenden Bildern für dumm zu verkaufen. Das Video will weismachen, mit Mikrowellen bestrahltes Gießwasser lässt eine zuvor gesunde Jungpflanze innerhalb weniger Tage verkümmern.

Gegenbeispiel aus Iran: Magnetisiertes Wasser fördert Wachstum von Maispflanzen.

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Wasser

Gefährliche Mikrowellen

Kuddel, Donnerstag, 22.12.2016, 12:37 (vor 1367 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Donnerstag, 22.12.2016, 13:00

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