WHO klammert Sendemasten von 2B-Wertung explizit aus (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 14.02.2012, 08:45 (vor 3101 Tagen)

In einem Artikel über die Ergebnisse des IARC-Arbeitstreffens vom Mai 2011 stellen die Verantwortlichen der IARC (Kurt Straif, Robert Baan u.a.) in der Zeitschrift The Lancet Oncology (Vol. 12, Juli 2011) klar, worauf sich die 2B-Wertung ("möglicherweise krebserregend") nicht bezieht. In dem Artikel heißt es unmissverständlich:

„In reviewing studies that addressed the possible association between environmental exposure to RF-EMF and cancer, the Working Group found the available evidence insufficient for any conclusion.“

Auf deutsch: Die Auswertung von Studien, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Krebs und über die Umwelt [auf Menschen] einwirkende elektromagnetische Hochfrequenzfelder erforschten, zeigte aus Sicht der Arbeitsgruppe eine derart ungenügende Beweislage, dass keinerlei Schlussfolgerungen daraus abzuleiten waren.

Wer also die 2B-Wertung der IARC/WHO dazu verwendet, Ängste gegenüber Sendemasten (Mobilfunk, Tetra-Behördenfunk, Rundfunk ...) zu wecken oder zu schüren, der missbraucht ohne Wenn & Aber die Wertung der Krebsagentur. Diese Wertung bezieht sich ausschließlich auf körpernah und damit stark einwirkende Emissionsquellen wie Handys.

[Nachtrag: Biologische Auswirkungen des Mobilfunks, Stellungnahme der Strahlenschutzkommission]

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
IARC, SSK, Klassifizierung, Baan, krebserregend, Straif, Krebsagentur

Sendemasten doch in 2B-Wertung der IARC enthalten?

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 22.02.2012, 18:53 (vor 3093 Tagen) @ H. Lamarr

Jetzt wird's spannend!

Hat die WHO Sendemasten doch nicht explizit ausgeklammert? Diesen Verdacht hat folgendes Textfragment aus einem Posting bei Gigaherz ausgelöst:

"Betroffene" schreibt: Die BVB und BLT würde doch ihre Fahrzeuge nicht mit Asbest auskleiden, um sie gegen Feuer zu schützen oder zu isolieren. Die BVB und BLT würde doch keine Blei-haltigen Farben benützen, um ihre Fahrzeuge zu bemalen. Die BVB und BLT würde doch ihre Fahrzeuge nicht mit DDT besprühen, um allenfalls gegen Ungeziefer vorzugehen. Alle diese Substanzen befinden sich in der gleichen IARC-Klassifizierung wie Wi-Fi, Mobiltelefone etc. (Briefliche Bestätigung durch Robert A Baan PhD, The IARC Monographs
IARC, Lyon, FRANCE vom 29.8.2011)

Nach Rückfrage des Teilnehmers "Chefkoch" kommen Details zum Vorschein:

"Betroffene" schreibt: Anmerkung zur IARC 2b Klassifizierung:

Sie können den Brief von Robert A. Baan, PhD, mit folgendem Link finden:

http://wakeupoptout.org/wp-content/uploads/2012/01/Supplemental-Information-for-the-Vermont-Senate-Finance-Committee.pdf

In einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des Senats des US Bundesstaates Vermont hat Cindy Sage am 20. und 26. Januar 2012 über die IARC Klassifizierung gesprochen sowie über die Auswirkungen und Folgen durch die generelle Einführung der sogenannten Smart Meters.

Wer nun das verlinkte PDF lädt, es wurde am 30. Januar 2012 von Cindy Sage angefertigt, stößt zunächst auf eine Stellungnahme dieser Baubiologin, die überblättert werden darf. Denn wichtig, weil eine Primärquelle, ist weiter hinten die Kopie einer E-Mail von Robert Baan an eine Dr. Connie Hudson. Der interessanteste Teil daraus lautet:

"There were some indications of increased cancer among radar - maintenance workers (occupational exposure), but no reliable data from studies among, e.g., people living close to base- station antennas, radi o/TV towers, etc (environmental exposure). Although the key information came from mobile telephone use, the Working Group considered that the three types of exposure entail basically the same type of radiation, and decided to make an overall evaluation on RF- EMF, covering the whole radiofrequency region of the electromagnetic spectrum.

In support of this, information from studies with experimental animals showed that effects on cancer incidence and cancer latency were seen with exposures to different frequencies within the RF region.

So the classification 2B, possibly carcinogenic, holds for all types of radiation within the radiofrequency part of the electromagnetic spectrum, including the radiation emitted by base - station antennas, radio/TV towers, radar, Wi- Fi, smart meters, etc.

An important point is the radiation level. The exposure from cellular phones (personal exposure) is substantially higher and much more focused (usually on the brain) than exposures from radio/tv towers, antennas, or Wi- Fi."

Jetzt bin ich erst einmal ratlos. Denn das, was Robert Baan an Connie Hudson schreibt, passt mMn in keiner Weise mit dem weiter oben zitierten Fragment aus dem Fachjounal "The Lancet Oncology" zusammen. Ich bin gespannt, welche Erklärung es dafür geben wird, und welche der beiden Aussagen denn nun die richtige ist.

Ich fürchte, es wird wieder auf so eine verbale Gratwanderung hinauslaufen, die Mobilfunkgegnern wie Skeptikern gleichermaßen Interpretationsspielraum geben, in der IARC-Wertung das zu sehen, was sie dort sehen wollen. Das aber kann mMn nicht Sinn und Zweck einer Veranstaltung gewesen sein, die über 30 Wissenschaftler eine Woche lang beschäftigt hat. Ich hoffe daher darauf, dass die IARC - agal wie - Hauptsache unmissverständlich Stellung nimmt.

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Sendemasten doch in 2B-Wertung der IARC enthalten?

Kuddel, Mittwoch, 22.02.2012, 19:33 (vor 3093 Tagen) @ H. Lamarr

Unglücklicherweise hat die Baubiologin Frau Sage (absichtlich?) die Frage weggelassen, welche an Herrn Baan gerichtet wurde.

"Im Kopf" des Lesers entsteht nun der Eindruck, dass auch Smart Meter und WIFI als "2B" eingestuft seien. Ob es tatsächlich so ist, wird sich sicher noch heraussstellen.

Der Fokus der Antwort von Herrn Baan liegt aber deutlich auf Frequenzen und nicht auf den Anwendungsfällen:

... were seen with exposures to different frequencies within the RF region.
...holds for all types of radiation within the radiofrequency part of the electromagnetic spectrum

Spekulation:
Die Antwort von Herrn Bann läßt darauf schließen, daß die an ihn gerichtete Frage so gelautet haben könnte:

Gilt die Einstufung "2B" nur für Mobilfunkfrequenzen, oder auch für andere Frequenzbereiche, wie Radar und WLAN ?

Wobei Herr Baan die Frequenzen durch typische Anwendungsgebiete (Radar, WIFI, Rundfunk) charakterisiert, statt durch Zahlen (z.B.900MHz, 1,9GHz..)......möglicherweise, weil die an ihn gerichtete, (laienhafte) Frage diese bereits beinhaltete

Da ihm klar ist, daß das zu Mißverständnissen führt, weist er darauf hin...

An important point is the radiation level. The exposure from cellular phones (personal exposure) is substantially higher and much more focused (usually on the brain) than exposures from radio/tv towers, antennas, or Wi-Fi.

...daß in den genannten Anwendungen die Exposition aber deutlich geringer ist, als beim Mobilfunk...

K

Sendemasten doch in 2B-Wertung der IARC enthalten?

RDW ⌂ @, Mittwoch, 22.02.2012, 19:35 (vor 3093 Tagen) @ H. Lamarr

Jetzt wird's spannend!

An important point is the radiation level.

Ich fürchte, es wird wieder auf so eine verbale Gratwanderung hinauslaufen, die Mobilfunkgegnern wie Skeptikern gleichermaßen Interpretationsspielraum geben, in der IARC-Wertung das zu sehen, was sie dort sehen wollen. Das aber kann mMn nicht Sinn und Zweck einer Veranstaltung gewesen sein, die über 30 Wissenschaftler eine Woche lang beschäftigt hat. Ich hoffe daher darauf, dass die IARC - agal wie - Hauptsache unmissverständlich Stellung nimmt.

Die Einordnung in Klasse 2B ist unter Bewertung des "radiation level" zu sehen. Und damit werden Expositionen durch Sendemasten etc. auszuscheiden sein. Wir werden dies in der noch erscheinenden Veröffentlichung der IARC m. M. n. wohl so nachlesen können.

Allerdings habe ich keinerlei Zweifel daran, daß die bekannten Alarm-Mobilfunkkritiker und ihre "Experten" auch hier wieder einmal ihre Art des selektiv-manipulativen Lesens, Verstehens und Verbreitens in Höchstform ausleben werden.

Denn sonst müssten sie ja ebenso eifrig z. B. vor dem Genuss von Kaffee und sauer eingelegtem Gemüse sowie den Berufen des Feuerwehrmanns und in der Textilfertigung warnen. Denn auch die sind allesamt in Klasse 2B aufgeführt, eine komplette Liste gibt es hier: http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/ClassificationsGroupOrder.pdf
Das machen sie natürlich nicht, stattdessen wählen sie den Vergleich mit DDT, das auch aus ganz anderen Gründen verboten wurde.
Eine kompetente und ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist bei Mobilfunkkritikern jedenfalls nicht zu erwarten.

RDW

Sendemasten doch in 2B-Wertung der IARC enthalten?

Doris @, Mittwoch, 22.02.2012, 21:00 (vor 3093 Tagen) @ H. Lamarr

@ spatenpauli:
ich klinke mich heute direkt ein.

Die Mail von Dr. Baan an Connie Hudson geistert - obwohl bereits vom August des letzten Jahres - deshalb im Moment durch's Netz weil diese in einer heftigen Diskussion um Smart Meters andernorts zur Sprache kam.

Jetzt bin ich erst einmal ratlos. Denn das, was Robert Baan an Connie Hudson schreibt, passt mMn in keiner Weise mit dem weiter oben zitierten Fragment aus dem Fachjounal "The Lancet Oncology" zusammen. Ich bin gespannt, welche Erklärung es dafür geben wird, und welche der beiden Aussagen denn nun die richtige ist.

Das passt schon trotz allem zusammen. Die Aussage im Lancet Oncology bezieht sich auf das zur Verfügung stehende Material über "environmental exposure" und dass es da nichts Belastbares gibt, was zu irgendwelchen Schlussfolgerungen führt.
Ansonsten ist es so, wie Dr. Lerchl schon damals schrieb

Es würde m.E. keinen Sinn machen, die körperfernen (Masten) und körpernahen (Handy) Expositionen zu trennen, da es sich a) um das gleiche Agens (elektromagnetische Felder) handelt und b) auch für Fernfelder Nahfeld-ähnliche Expositionen ergeben können (Beispiel Femtozellen). Mir ist auch kein Fall bekannt, wo ein und derselbe Stoff in zwei Gruppen einsortiert worden wäre.

Es kann also nur darum gehen, ob es GENERELL in diese oder jene Richtung geht.

Alles andere wäre unseriös. Das hat Jonathan Samet bereits kurz nach der Eingruppierung in einem Interview gesagt. Ich meine sogar, ich habe darauf hier im Forum damals auch hingewiesen.

Aber es kommt, wie Dr. Baan am Schluss der Mail schrieb (und dieser Schlusssatz wird von dem ein oder anderen AKtivisten gerne unterschlagen) schon auch auf die Expositionshöhe darauf an und da steht das Handy einfach im Mittelpunkt und stand auch im Mittelpunkt des IARC-Meetings (siehe unten)

Ich fürchte, es wird wieder auf so eine verbale Gratwanderung hinauslaufen, die Mobilfunkgegnern wie Skeptikern gleichermaßen Interpretationsspielraum geben, in der IARC-Wertung das zu sehen, was sie dort sehen wollen.

Völlig korrekt und das wird leider tatsächlich auf beiden Seiten bereits praktiziert.

Das aber kann mMn nicht Sinn und Zweck einer Veranstaltung gewesen sein, die über 30 Wissenschaftler eine Woche lang beschäftigt hat.

Mit Basisstationen, WiFi und Smart Meters haben sich die 30 Wissenschaftler definitiv nicht beschäftigt.

Leszczynski, der dabei war, schreibt:

JUST TO BE CLEAR:

"SMART METERS" WERE NOT DISCUSSED IN 2011 AT THE IARC MEETING THAT CLASSIFIED CELL PHONE RADIATION AS A POSSIBLE CARCINOGEN.

IN FACT THE CELL TOWER RADIATION, WLAN AND WI-FI WERE NOT DEBATED TOO.

THERE WAS ENOUGH CONTROVERSY WITH THE DEBATE AROUND SCIENTIFIC EVIDENCE THAT CELL PHONE RADIATION MIGHT CAUSE CANCER.

und weiter...

No I am not wrong. The debate in Lyon was about cell phones because only such scientific evidence was available. There are no studies on "smart meters".

However, because the radiation emitted by cell phones and some "smart meters" is "microwaves", the generalization has been made by Robert.

Remember, that the problem is not only of quality of radiation but also of quantity. "Smart meters" emit much less radiation than cell phone next to your head.

My statement is correct. "Smart meters" as such were not debated in Lyon.

Wie gesagt, es ging in der Sache ursprünglich um Smart Meters und jeder pickt sich jetzt das raus, was er gerade braucht.

Ich hoffe daher darauf, dass die IARC - agal wie - Hauptsache unmissverständlich Stellung nimmt.

Ich hoffe, dass der Monograph sich dieser Problematik des "Missbrauchs" annimmt und eine klare Aussage enthält, sofern dies überhaupt möglich ist. Dem "Wunschdenken" sowohl der Gegner als jedoch auch der Skeptiker wird eine seriöse Institution nicht nachkommen

Nachtrag:

Hier noch ein anderer Link, vielleicht bringt der mehr Hintergrundinformationen über das wie und warum

Tags:
Sendemast, Mastverhinderung, Mehrbelastung, Femtozellen, Baan, 2B

Sendemasten doch in 2B-Wertung der IARC enthalten?

Alexander Lerchl @, Donnerstag, 23.02.2012, 12:17 (vor 3092 Tagen) @ Doris

@ Doris: Haben Sie für das Zitat von Leszczynski eine Quelle / einen Link?

Danke,

Alexander Lerchl

Leszczynski, der dabei war, schreibt:

JUST TO BE CLEAR:

"SMART METERS" WERE NOT DISCUSSED IN 2011 AT THE IARC MEETING THAT CLASSIFIED CELL PHONE RADIATION AS A POSSIBLE CARCINOGEN.

IN FACT THE CELL TOWER RADIATION, WLAN AND WI-FI WERE NOT DEBATED TOO.

THERE WAS ENOUGH CONTROVERSY WITH THE DEBATE AROUND SCIENTIFIC EVIDENCE THAT CELL PHONE RADIATION MIGHT CAUSE CANCER.

und weiter...

No I am not wrong. The debate in Lyon was about cell phones because only such scientific evidence was available. There are no studies on "smart meters".

However, because the radiation emitted by cell phones and some "smart meters" is "microwaves", the generalization has been made by Robert.

Remember, that the problem is not only of quality of radiation but also of quantity. "Smart meters" emit much less radiation than cell phone next to your head.

My statement is correct. "Smart meters" as such were not debated in Lyon.

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

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Leszczynski

Unberechenbare IARC: nie nix genaues weiß man nicht

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 23.02.2012, 20:51 (vor 3092 Tagen) @ Doris

@ spatenpauli:
ich klinke mich heute direkt ein.

Ja, gern, Sie wissen ja, dass Sie hier immer willkommen sind.

Jetzt bin ich erst einmal ratlos. Denn das, was Robert Baan an Connie Hudson schreibt, passt mMn in keiner Weise mit dem weiter oben zitierten Fragment aus dem Fachjournal "The Lancet Oncology" zusammen. Ich bin gespannt, welche Erklärung es dafür geben wird, und welche der beiden Aussagen denn nun die richtige ist.

Das passt schon trotz allem zusammen.

Das sehe ich anders. Es mag durchaus sein, dass nach 45 Minuten Mund-zu-Mund-Beatmung durch Herrn Baan sich bei einem Ratlosen die Mine aufhellt, weil dieser dann die verzwickten Zusammenhänge endlich begriffen hat und unter Einbeziehung eines bunten Straußes von Aspekten zu der Einsicht kommt, dass das alles zusammen passt.

Aber das kann es doch nicht sein! Auch bei der IARC dürfte bekannt sein, dass die Mobilfunkdebatte dem Börsenhandel sehr sehr ähnlich ist: So wie eine sich hebende Augenbraue des US-Notenbankpräsidenten eine Kurs-Rally auslösen kann, kann Teilnehmer Lerchl mit einem Kommentar im IZgMF-Forum Mobilfunkgegner zwischen Berchtesgaden und Flensburg begeistern. Und hier wie dort kann der Markt hochsensibel auf jedes noch so abwegige Gerücht reagieren. In so einem Umfeld sollte jeder, der etwas zu sagen hat, schauen, dass er es unmissverständlich hin bekommt.

Das ist Robert Baan gründlich misslungen. Er musste damit rechnen, dass seine (private) E-Mail an Dr. Hudson früher oder später im Netz auftaucht.

In dem Fachjournal heißt es sinngemäß, bei über die Umwelt, also nicht unmittelbar, einwirkenden elektromagnetischen Feldern sei die Beweislage über eine karzinogene Wirkung derart dünn, dass keinerlei Schlussfolgerung (wirksam/unwirksam) daraus zu ziehen sind. Da ist es mMn doch nur einfachste Logik, aus dieser Information den Schluss zu ziehen: Dann kann die 2B-Wertung der IARC sich einzig und allein auf unmittelbar (nicht mittelbar über die Umwelt) einwirkende Felder beziehen. Also auf körpernah wirkende Funktechnik wie DECT-Handteil und Handy. Und weil bei mittelbar über eine Distanz einwirkenden Funksignalen die Intensität in aller Regel immer drastisch kleiner ist, als bei unmittelbarer Einwirkung, scheiden Sendemasten, DECT-Basen, W-LAN-Basen, Rundfunk/TV-Sender und Smart-Meter automatisch als Quellen einer Krebsgefährdung aus. Dies alles ist nicht meine Erfindung, es lässt sich ohne große Handstände aus dem oben zitierten Satz in The Lancet Oncology ableiten.

Natürlich sehe auch ich die Schwächen bei dieser Ableitung. Denn es ist immissionsmäßig eben nicht egal, ob eine DECT-Basis 5 Meter weit weg steht oder hinterm Kopfteil eines Bettes installiert ist. Auch bei W-LAN-Basen, Mobilfunk-Sendemasten usw. verhält es sich so, dass die Immission in einem großen Wertebereich liegen kann. Damit ist der Begriff der "über die Umwelt einwirkenden Felder" sehr schwammig und ungeeignet, Klarheit zu schaffen. Allerdings dürfte es doch auch so sein, dass "über die Umwelt einwirkenden Felder" ausnahmslos erheblich schwächer auf Menschen einwirken als unmittelbar wirksame Felder. Wo genau nun aus Sicht der IARC die Grenze liegt, die beides trennt, weiß ich nicht und die IARC anscheinend auch nicht - sonst hätte sie inzwischen längst ein IARC-Vertreter genannt.

Das ist also alles reichlich diffus und mMn völlig ungeeignet, die drängenden Fragen zu beantworten, mit denen sich die Mobilfunkdebatte seit eh und je beschäftigt. Die ganze Welt erhoffte sich von der 102 ein Stück Klarheit. Das einzig klare an der 2B-Wertung ist aus meiner Sicht das 2B. Aber schon am Tag der Verkündung, am 31. Mai 2011 fragte Alexander Lerchl "welche Telefone?". Damals lag die Zusammenfassung in Lancet Oncology noch nicht vor. Als diese im Juli 2011 folgte, wurde es mit dem zitierten Satz klarer. Und jetzt, Anfang 2012 ist wegen einer privaten E-Mail von Robert Baan wieder alles infrage gestellt. Oder gilt diese E-Mail als offizielle Stellungnahme der IARC? Ich weiß es nicht, mich ärgert aber die unprofessionelle Vorgehensweise, die hier erkennbar wird. Wenn Franz Adlkofer solche Nebelkerzen loslässt, kriegt er von uns was zu hören, wenn die IARC nebelt darf es nicht anders sein.

Lange Rede kurzer Sinn: Die, die die Nebelmaschine angeworfen haben sitzen in Lyon. Unsere Aufgabe kann es definitiv nicht sein, diese Maschine wieder abzuschalten, das können wir gar nicht, das kann nur in Lyon passieren. Unser Job ist es lediglich, nicht ehrfürchtig artig über das Problem die Klappe zu halten, sondern Druck aufzubauen, damit sich Lyon bequemt, die Widersprüche nicht auszusitzen, sondern verbindlich zu beseitigen. Wie, ist mir schon fast wieder egal, nur windelweich darf das, was voraussichtlich in ein paar Tagen aus Lyon verlautet, halt nicht sein.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Baan

Unberechenbare IARC: nie nix genaues weiß man nicht

Doris @, Freitag, 24.02.2012, 09:45 (vor 3091 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Doris, Freitag, 24.02.2012, 10:11

Ja, gern, Sie wissen ja, dass Sie hier immer willkommen sind.

Schön, wenn ich was zu sagen habe, melde ich mich dann auch zu Wort.
Halt nur wenn es wirklich bedeutend ist, zu sagen hätte ich immer was. Aber genau davon wollte ich wegkommen.

Das passt schon trotz allem zusammen.


Das sehe ich anders.

Aber das kann es doch nicht sein! Auch bei der IARC dürfte bekannt sein, dass die Mobilfunkdebatte dem Börsenhandel sehr sehr ähnlich ist:

Aufgrund Ihrer jahrelangen Erfahrung mit den Verdrehungen der Mobilfunkaktivisten mag alles was Sie geschrieben haben völlig korrekt sein. Aber die entscheidenden Gremien bewerten nicht mit Hinblick darauf was die Aktivisten daraus machen können, das wäre auch nicht seriös. Mit solchen Leuten müssen die einfach leben.

Wenn Sie sich intensiv und ausschließlicher mit dem Material beschäftigen, welches außerhalb der Szene zur Verfügung steht, dann denke ich, würden Sie mich etwas besser verstehen. Schon länger sehe ich es so, wie auch RDW immer wieder anführt, dass diese Leute nicht so ernstgenommen werden.

Ich sehe es immer noch so, dass sich Robert Baan an die Fakten gehalten hat in seiner Antwort an Connie Hudson. Er schrieb welche Studien ausschlaggebend waren für die Bewertung und auch dass die Höhe der Exposition eine, wenn nicht die bedeutende Rolle spielt, aber eben auch, dass alles auf den Prüfstand kommt.

Das größte Gewicht bei der Wertung 2B kam von den epidemiologischen Studien zu Handys. Aber auch drei Tierstudien waren ausschlaggebend (aber da war die Tendenz übrigens mehr zu 3 als zu 2B). Und bei diesen Tierstudien ging es eben nicht um das Handy am Ohr, sondern teilweise um Ganzkörperbefeldung. Es handelt sich um folgende Arbeiten:

Lymphome bei transgenen Eµ-Pim1-Mäusen, die bei gepulsten elektromagnetischen 900 MHz Feldern exponiert wurden.

Beschleunigte Entwicklung von spontanem und Benzpyren-induziertem Hautkrebs bei Mäusen, die bei 2450 MHz Mikrowellen-Befeldung exponiert wurden.

Untersuchung der möglichen Wirkungen durch "902-MHz GSM-typische Signale der drahtlosen Kommunikation" auf DMBA-induzierte Mammatumoren bei Sprague-Dawley-Ratten.

Über die Bedeutung der angeführten Tierstudien mag man auch kontrovers diskutieren.

Die SSK z.B. tut dies auch in ihrem aktuellen Bericht. Dort erfährt man, warum die SSK in Sachen 2B Klassifizierung nicht mit der IARC einig ist.

Biologische Auswirkungen des Mobilfunks - Gesamtschau -

Gut und nachvollziehbar erklärt, aber dennoch muss es Gründe gegeben haben, warum beim IARC Meeting diese Entscheidung getroffen wurde.

Einen sehr guten Bericht über das IARC Meeting gibt es übrigens von Meike Mevissen und Chris Portier. Aus diesem Bericht ist m.E. sehr gut ersichtlich warum "dabei sein" doch nochmals eine andere Sache ist, als "von außen" zu bewerten.

Die Augen der Welt waren auf uns gerichtet

So, jetzt habe ich Ihnen meine Sicht begründet. Einig werden wir uns wohl dennoch nicht, weil Sie aus einem anderen Blickwinkel die Sache bewerten.

Tags:
IARC, Hautkrebs, SSK, Klassifizierung, 2B, Portier

Unberechenbare IARC: nie nix genaues weiß man nicht

Kuddel, Freitag, 24.02.2012, 20:02 (vor 3091 Tagen) @ Doris
bearbeitet von Kuddel, Freitag, 24.02.2012, 20:37

Und bei diesen Tierstudien ging es eben nicht um das Handy am Ohr, sondern teilweise um Ganzkörperbefeldung. Es handelt sich um folgende Arbeiten:

Rätselhaft.
Mir ist nicht klar, was an diesen Studien so interessant sein soll.

Beschleunigte Entwicklung von spontanem und Benzpyren-induziertem Hautkrebs bei Mäusen, die bei 2450 MHz Mikrowellen-Befeldung exponiert wurden.


Es wurden Mäuse mit Leistungsflußdichten von 5..15mW/cm² => 50..150W/m² "ganzkörper" befeldet. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 1/5el..1/15el davon.

Die Berechnet SAR der Maus lag bei 2..8W /kg Ganzkörper !
Das ist 25..100 fach über dem gesetzlichen Grenzwert. (Mäuse haben aufgrund ihrer Körpergeometrie bei gleicher Flußdichte einen höheren Ganzkörper-SAR als Menschen)

Das sind Werte, bei denen bereits eine signifikante Erwärmung im einstelligen Gradbereich stattfindet.
Mäuse können ihre Körpertemperatur nicht wie wir Menschen durch Schwitzen reduzieren, sondern überschüssige Wärme nur über die wenigen unbehaarten Körperregionen an die Umgebung abgeben.

Auf uns Menschen übertragen würde das bedeuten, wir legen uns eingewickelt in eine 300Watt Heizdecke ins Bett und nur Kopf , Hände und Füße schauen heraus...

Lymphome bei transgenen Eµ-Pim1-Mäusen, die bei gepulsten elektromagnetischen 900 MHz Feldern exponiert wurden.

Auch hier lagen die Expositionswerte zwischen 0,1..4W/kg (Ganzkörper SAR!)
Also Bereichen, in welchen sich die Maus innerlich signifikant erwärmt.

Untersuchung der möglichen Wirkungen durch "902-MHz GSM-typische Signale der drahtlosen Kommunikation" auf DMBA-induzierte Mammatumoren bei Sprague-Dawley-Ratten.

Was ist an dieser Studie interessant, wenn neben den exponierten Mäusen die Käfigkontrollen (die garnicht exponiert wurden) mit die höchste Krebsinzidenz zeigten ?
Zitat:
Die Käfigkontrolle zeigte im Vergleich zur Schein-Exposition statistisch signifikant mehr tastbare Tumor-Massen, mehr benigne und auch mehr maligne Neoplasmen. Unter allen Gruppen war für die Käfigkontrolle bei den meisten Untersuchungen die höchste Inzidenz und Malignität der Neoplasmen feststellbar.

...und schon die Autoren selbst feststellen:
Zusammenfassend können die beobachteten Unterschiede zwischen den Gruppen nicht als ausreichenden Beweis einer Wirkung der Hochfrequenz-Exposition auf dieTumorpromotion oder Tumorprogression von Mammatumoren erachtet werden.

K

Tags:
IARC, Mäuse, Grenzwert, Tumorpromotion, Leistungsflußdichte

IARC-2B-Wertung: Artikel in Lancet Oncology zum Download

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 23.02.2012, 13:24 (vor 3092 Tagen) @ H. Lamarr

In einem Artikel über die Ergebnisse des IARC-Arbeitstreffens vom Mai 2011 stellen die Verantwortlichen der IARC (Kurt Straif, Robert Baan u.a.) in der Zeitschrift The Lancet Oncology (Vol. 12, Juli 2011) klar, worauf sich die 2B-Wertung ("möglicherweise krebserregend") nicht bezieht. In dem Artikel heißt es unmissverständlich:

"Silenthunter" macht bei Gigherz darauf aufmerksam, dass dieser wichtige Artikel jetzt unentgeltlich zu haben ist, man muss sich lediglich registrieren.

http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2811%2970147-4/fulltext

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