EU-Umweltagentur empfiehlt Politikern: trefft Vorsorge (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 22.10.2011, 00:35 (vor 3625 Tagen)

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat sich in einer aktuellen Stellungnahme für Vorsorgemaßnahmen im Mobilfunk ausgesprochen und empfohlen, die Nutzer darüber aufzuklären, dass z. B. Freisprechanlagen zu rund 10-fach reduzierten Feldstärken führen im Vergleich zur Nutzung eines Handys am Kopf. In ihrer Veröffentlichung „Gesundheitsrisiken durch Mobilfunkstrahlung – warum Experten unterschiedlicher Meinung sind“ geht die Agentur auf die wissenschaftliche Kontroverse über einen möglichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks ein. „Wir empfehlen in solchen Fällen die Anwendung des Vorsorgeprinzips als Leitfaden für politische Entscheidungen. Das bedeutet, dass Entscheidungsträger sich trotz mangelnden Wissens nicht davon abhalten lassen sollten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen“, so David Gee, Senior-Berater der EEA.

Weitere Infos: EEA

Quelle: E-Mail-Newsletter des IZMF | Ausgabe 90 | Oktober 2011

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Gee, Risikobewertung, EMF-Leitlinie, EEA, Umweltagentur

Was empfiehlt die EU-Umweltagentur konkret?

AnKa, Samstag, 22.10.2011, 18:41 (vor 3624 Tagen) @ H. Lamarr

„Wir empfehlen in solchen Fällen die Anwendung des Vorsorgeprinzips als Leitfaden für politische Entscheidungen. Das bedeutet, dass Entscheidungsträger sich trotz mangelnden Wissens nicht davon abhalten lassen sollten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen“, so David Gee, Senior-Berater der EEA.

Schöner Appell. Die Frage ist aber - wie ist dies mit Inhalt zu füllen?

Die Empfehlungen der EU-Umweltagentur, Vorsorge zu treffen, spiegeln sich bereits jetzt darin wieder, dass es Grenzwertregelungen gibt. Die Sendeleistung von Handys ist deshalb auf einen Maximalwert begrenzt, und es gibt ja im Übrigen besonders strahlungsarme Handys.

Es können gewiss alle Vorschriften immer weiter verschärft werden, aber um den Preis welcher Konsequenzen?

Soll man etwa die maximale Sendeleistung der Handys noch weiter minimieren, bzw. noch schärfer begrenzen?

Dafür gibt es bei gegebener Infrastruktur physikalische Grenzen. Wird die Signaldämpfung auf der Strecke Funkmast/Handy zu stark, müssen die Sendemasten näher heran. Das wäre im Sinne der Leistungsminimierung sogar zu begrüßen, könnte in letzter Konsequenz in den Aufbau von Picozellen münden - alle 50 m oder noch weniger ein Sender. Dann strahlen die Handys im Mittel jedenfalls mit niedrigerer Leistung als heute. Aber was, bitte schön, würde die gegenüber technischen Betrachtungen sowieso ignorante Wutbürgerfraktion, deren Mitgliedern beim Anblick von Sendeantennen dei Köpfe blau anschwellen ("Der-Mast-muss-weg"), wohl dazu sagen?

Oder, wenn man mal nur die Handys betrachtet - wie wäre es mit schärferen Regeln für die Warnhinweise in den Technischen Dokumentationen? Auf dem Display jedesmal vor dem Einschalten? Vor jedem Gespräch?

Oder was wäre von generellen Einschränkungen für Kinder und Jugendliche zu halten, Handys überhaupt zu benutzen? "Keine Herausgabe von Handys an Personen unter 18 Jahren"...?

Oder, anderer Vorschlag: Verkauf von speziellen Jugendlichenhandys, die nur mit einer Freisprechanlage, mit dem Kabel im Ohr funktionieren. So vielleicht?

Oder man lässt's die Software richten: Registrierung von Kinder- und Jugendlichenhandys, mit programmierten Eingriffen wie z.B. die elektronische Begrenzung der monatlichen Sprechzeiten, der Sprechzeit je Telefonat...

Das alles würde befremdlich wirken und als bevormundende Reguliererei wahrgenommen werden.

Dass Politiker sich für solch restriktiv Regelungen stark machen würden, ist eher nicht anzunehmen.

Mich würde also einmal interessieren, welche konkret umsetzbaren Vorsorgeempfehlungen es denn sind, die die EU-Umweltagentur anrät. Mit Betonung auf konkret und umsetzbar.

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Was empfiehlt die EU-Umweltagentur konkret?

Doris @, Sonntag, 23.10.2011, 00:07 (vor 3624 Tagen) @ AnKa
bearbeitet von Doris, Sonntag, 23.10.2011, 00:55

Mich würde also einmal interessieren, welche konkret umsetzbaren Vorsorgeempfehlungen es denn sind, die die EU-Umweltagentur anrät. Mit Betonung auf konkret und umsetzbar.

Wie die Vorsorgeempfehlungen der EEA aussehen, ist aus dem 7-seitigen Vortrag - und dort Seite 4 - zu entnehmen, den
Professor Jacqueline McGlade bei einer Anhörung in Washington gehalten hat (ich meine das war diese hier bereits diskutierte Washington Konferenz, ich mag jetzt aber nicht nachschauen ;-) )

Auch da geht es, wenn ich jetzt nicht was überlesen habe, rein um Mobiltelefone und das Risiko eines möglichen Gehirntumors und auch da wiederum vorrangig um Kinder. Ob die Empfehlungen umsetzbar sind, vor allen Dingen was die technische Seite betrifft, kann ich nicht beurteilen. Die Empfehlungen mehr Textnachrichten zu senden und Freisprecheinrichtungen zu benützen unterscheiden sich nicht von denjenigen, die auch vom BfS gemacht werden.

Ich denke, die Unsicherheiten bei Handynutzung durch Kinder sind ein ein kritisches Thema. In Anbetracht der Tatsache, dass es Länder gibt die zu einem hohen Prozentsatz keinen Festnetzanschluss mehr haben, sondern reine Handyanschlüsse, gibt es weltweit auch Kinder die nur mit Handys telefonieren. Ob man sich da nicht auf etwas dünnem Eis bewegt mit den lauen und leisen kritischen Tönen, diese Frage ist denke ich berechtigt.

Allerdings, wie eine Empfehlung aussehen soll, die sich halt ebenfalls auf dünnem Eis, was die wissenschaftlichen Erkenntnisse betrifft, aussehen soll, kann ich auch nicht sagen.

Die jeweilige Verbreitung der Erkenntnisse durch neue Studien durch die Medien lässt m.M.n. nach die Bevölkerung eher abstumpfen.

Wie Empfehlungen für Kinder aussehen sollen, damit beschäftigt sich wohl im Moment auch das BfS.

EMF-Empfehlungen spezifisch für Kinder? von Christiane Pölzl

Aus dem Abstract (mehr gibt's für die Öffentlichkeit leider nicht) ist zu erkennen, dass dies schon eine Frage ist, die beschäftigt und der man gerecht werden sollte oder möchte. Aber es geht halt auch da um das "wie".

Nachtrag:

Zum obigen McGlade Bericht sollte auch dieser Beitrag gelesen werden

EU-Kommission tadelt intern EU-Umweltagentur wegen EMF-Alarm

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Freisprecheinrichtung

Was empfiehlt die EU-Umweltagentur konkret?

KlaKla, Sonntag, 23.10.2011, 09:38 (vor 3624 Tagen) @ Doris

Die jeweilige Verbreitung der Erkenntnisse durch neue Studien durch die Medien lässt m.M.n. nach die Bevölkerung eher abstumpfen.

Möglich, dennoch ist es mMn legitim diese Erkenntnisse zu veröffentlichen. Wie verantwortungsbewusst man mit den Erkenntnissen umgeht, liegt immer am jeweiligen Betrachter.

Es sind Eltern die ihre Kinder mit einem Handy ausstatten, aus den unterschiedlichsten Gründen. Sie sollten darüber aufgeklärt werden, dass sie z.B. ihre Sicherheit ihr Kind sei jederzeit erreichbar mit dem Risiko erkaufen, dass ihr Kind möglicherweise an einem Hirntumor erkrankt. Daher sollten Sie ihre Entscheidung, ihr Kind ein eigenes Handy zu überlassen gut überlegen.

Kinder gehen mit dem Handy anders um als Jugendliche und Erwachsene. Ihr Konsumverhalten bzgl. Handynutzung wächst mit dem Alter. Je mehr sie konsumieren desto höher die Belastung. Je später sie an den Handykonsum herangeführt werden desto kleiner das Risiko als Kind/Jugendlicher an einem Hirntumor zu erkranken. Die Zeit, das andere für sie verantwortlich sind, ist eng begrenzt.

Der Konsument Kind dürfte mMn nicht beworben werden. Zum Beispiel in Kindersendungen (Radion und Fernsehen) dürften keine Handynummern angeboten werden und auch kein Empfang von SMS. Die Dienstleistung Kinderüberwachung per Handyortung sollte unterbunden werden.

Betreibern könnte man die Auflage erteilen, Belastungsprofile zu speichern, die auf Wunsch des Kunden auch heraus gegeben werden müssen.

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Meine Meinungsäußerung

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Was empfiehlt die EU-Umweltagentur konkret?

KlaKla, Sonntag, 23.10.2011, 10:14 (vor 3623 Tagen) @ Doris

Wie die Vorsorgeempfehlungen der EEA aussehen, ist aus dem 7-seitigen Vortrag - und dort Seite 4 - zu entnehmen, den

Google Übersetzer, übersetzt die Seite 4 wie folgt:

1. Für Regierungen, die Handy-Industrie und die Öffentlichkeit bereitstellen, alle angemessenen Maßnahmen zur Exposition gegenüber EMF zu reduzieren, insbesondere zur Nutzung von Funkfrequenzen von mobilen Telefone und vor allem die Exposition von Kindern und jungen Erwachsenen, werden die meisten scheinen Gefahr von Kopf Tumoren. Solche Maßnahmen würde der Beendigung des Einsatzes eines mobilen Telefon, indem es neben dem Gehirn. Dies kann durch die Verwendung von SMS erreicht werden, die Hände frei macht, und durch die Verwendung von Handys ein verbessertes Design, das könnte weniger erzeugen Strahlung und machen es bequem, die Hände frei-Sets verwenden.

2. Um die wissenschaftliche Grundlage für die vorliegende EMF-Exposition Normen, die zu überdenken schwerwiegenden Einschränkungen wie die Abhängigkeit von der angefochtenen thermische Effekte Paradigma, und vereinfachende Annahmen über die Komplexität der Radiofrequenz-Aufnahmen.

3. Um eine wirksame Kennzeichnung und Warnhinweise über mögliche Risiken für Nutzer von mobilen bieten phones5.

4. Um die notwendigen Mittel zur Finanzierung generieren und organisieren die dringend notwendige Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Mobiltelefonen und der damit verbundenen Masten. Solche Fonds könnten Zuschüsse aus Industrie und möglicherweise eine kleine Abgabe auf den Kauf und oder der Nutzung von Mobiltelefonen.

Punk 4 erinnert mich an die Forderung Handy-Penny. ;-)

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Meine Meinungsäußerung

Die EU-Umweltagentur beim Whistleblowing

AnKa, Sonntag, 23.10.2011, 21:56 (vor 3623 Tagen) @ Doris

Wie die Vorsorgeempfehlungen der EEA aussehen, ist aus dem 7-seitigen Vortrag - und dort Seite 4 - zu entnehmen, den Professor Jacqueline McGlade bei einer Anhörung in Washington gehalten hat

Dort steht dies zu lesen:

"In addition, we have noted from previous health hazard histories such as that of lead in petrol, and methyl mercury, that ‘early warning’ scientists frequently suffer from discrimination, from loss of research funds, and from unduly personal attacks on their scientific integrity.

It would be surprising if this is not already a feature of the present EMF
controversy as it seems to be still a common practice as has been recently reported in Nature."

Ich übersetze das mal so:

"Weiterhin haben wir bei früheren Gesundheitsgefährdungs-Vergängen ... registriert, dass 'Frühwarn'-Wissenschaftler Diskriminierungen zu erleiden hatten, wie etwa den Verlust von Forschungsbudgets, und unangemessenen persönlichen Angriffen auf ihre wissenschaftliche Integrität ausgesetzt waren.

Es wäre überraschend, wenn solches nicht bereits jetzt Bestandteil der derzeitigen EMF-Kontroverse wäre, schon weil dies noch eine allgemeine Praxis darstellt, wie kürzlich in Nature berichtet" (Bei "Nature" gehe ich davon aus, dass das Magazin gemeint ist)

Ich denke, diese hier vorgetragenen Verallgemeinerungen sind völlig unangemessene Ausdrucksweise innerhalb einer offiziellen Verlautbarung einer "Umweltagentur" der EU.

Ebenso erscheinen die vier Vorschläge zur Prävention einerseits Wischi-Waschi, andererseits dramatisieren sie. Die Verfasserin Jacqueline McGlade insinuiert dem Zuhörer/Leser, es sei zu einer Art Stillstand in der EMF-Forschung gekommen, und man müsse folglich das Ganze nochmal von vorne anfangen ("to reconsider the scientific basis").

Sie hat offenbar viel für Whistleblowing übrig und interpretiert ihr Amt demgemäß. Sie würde also recht gut zur Ikone der hiesigen Extremisten taugen (die allerdings wiederum nicht so gut in Englisch sind). Sie spornt auch schon mal Jugendliche an, den Politikern beim Klimawandel Beine zu machen. Ein Mangel an Sendungsbewusstsein ist jedenfalls nicht ihr Problem.

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

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Sendungsbewusstsein

Wenn man keine Ahnung hat, Vorsorgemaßnahmen ergreifen

H. Lamarr @, München, Sonntag, 23.10.2011, 22:57 (vor 3623 Tagen) @ AnKa

Das bedeutet, dass Entscheidungsträger sich trotz mangelnden Wissens nicht davon abhalten lassen sollten, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen“ ... so David Gee, Senior-Berater der EEA.

Schöner Appell. Die Frage ist aber - wie ist dies mit Inhalt zu füllen?

Das verstehe ich jetzt nicht, Anka. Die Grünen und die ödp etwa, die füllen den Appell doch genau nach Anleitung. Beide verfügen lokal über viel mangelndes Wissen, lassen sich davon aber appellgemäß in keiner Weise beirren, sondern schreiten beherzt zu etwas, was sie für Vorsorge halten. Beispiele dafür liefern die schlecht beratenen Fuldaer Grünen und erst kürzlich die Mühldorf-ödpler.

Ich komme mit dem "Wenn-keine-Ahnung-dann-Vorsorge"-Appell von David Gee ehrlich gesagt nicht so ganz klar, die bekannte Interpretation von Dieter Nuhr leuchtet mir da merklich besser ein.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Nuhr

Was empfiehlt die EU-Umweltagentur konkret?

Kuddel, Montag, 24.10.2011, 19:56 (vor 3622 Tagen) @ AnKa

Schöner Appell. Die Frage ist aber - wie ist dies mit Inhalt zu füllen?

Vorschlag:
1.) Messen der akuten " Belastung X" durch einen "zertifizierten" Baubiologen
2.) Vom zertifizierten Baubiologen das eigene Risikoempfinden neu eichen lassen.
3.) Den Baubiologen fragen, wie man die "Belastung" "X" auf "was auch immer er empfiehlt" reduzieren kann.
4.) Je nach Kontostand und Risiko-Empfinden einen Betrag "Y" an die vom Baubiologen empfohlenen Firmen überweisen, um die "Belastung X" unter den gegebenen Umständen unter Verwendung der Geldmittel "Y" so gering wie möglich hinzubekommen.
5.) Besonders Ängstliche und besonders Vermögende werden sich selbstverständlich an der untere Grenze der den Faktor 1:10000 umfassenden, baubiologischen "Gummi-Richtwerte" orientieren.
6.) Bei unzureichenden Geldmitteln in Erwägung ziehen, eher am Essen zu sparen, als sich weiter der baubiologischen "Anomalie" auszusetzen.
7.) Als Gutverdiener die EU auffordern, dieses alles staatlich zu fördern.
8.)Als sozial Schwacher die Bundesegierung auffordern, Baubiologen-Dienste in den Leistungskatalog der Grundbedürfnisse aufzunehmen.

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