NTP-Replikation in Korea/Japan: Zwischenstand (II) (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 21.05.2023, 23:27 (vor 372 Tagen) @ H. Lamarr

Weiter geht es mit dem Vortrag von Katsumi Imaida (Japan).

Verlauf der Karzinogenizitätsphase
Die Karzinogenizitätsphase dauerte 2 Jahre (104 Wochen), der hier betrachtete Zwischenstand wurde nach 80 Wochen im Juni 2022 gegeben. Das heißt, die Karzinogenizitätsphase der beiden Replikationen war im Dezember 2022 abgeschlossen. Die Befeldung der Expositionsgruppe über 2 Jahre hinweg begann, als die Versuchstiere 21 Tage alt waren. 14 Wochen nach Beginn der Befeldung wurde jeder der drei je 75 Tiere umfassenden Gruppen (Käfigkontrolle, Scheinexposition, Exposition) fünf Ratten für DNA-Untersuchungen entnommen (Kometenschweif- und Mikrokerntest). Die beiden Replikationen folgten damit der Original-NTP-Studie, die im Zuge einer Nachfolgeuntersuchung ebenfalls DNA-Tests an Ratten (und Mäusen) durchführte, die 19 (14) Wochen befeldet waren. Die Studie in den USA fand u. a. bei den befeldeten männlichen Ratten einen signifikanten Anstieg von DNA-Schäden in Gewebeproben des Hippocampus.

Bild 1: Verlauf der Karzinogenizitätsphase (Japan).
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Alle Bilder: Universität Kagawa

Ergebnisse der genotoxikologischen Untersuchungen (Japan)
Katsumi Imaida zufolge zeigten die beiden Tests im Vergleich zur Positivkontrolle mit dem krebserregenden Karzinogen Ethylmethansulfonat ein negatives Resultat, d. h. keine Auffälligkeiten bei der Gruppe der befeldeten Ratten.

Bild 2: Kometenschweiftest
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Bild 3: Mikrokerntest
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Vorläufiges Ergebnis der Karzinogenizitätsstudie (Japan)
Da die Karzinogenizitätsstudie zum Zeitpunkt des Zwischenstandberichts noch einen Befeldungszeitraum von 24 Wochen zu absolvieren hatte, ist das folgende Ergebnis nur vorläufig.

Was die Gewichtsentwicklung anbelangt, bestätigte die japanische Replikation frühere Beobachtungen, denen zufolge die Tiere der befeldeten Gruppe am leichtesten sind. Am schwersten wurden die Tiere der scheinbefeldeten Gruppe. Passend dazu lag die durchschnittliche tägliche Nahrungsaufnahme der befeldeten Ratten bei etwa 20 g Futter, die der Tiere in den anderen Gruppen bei etwa 25 g.

Die japanische Replikation bestätigte (nach 78 von 104 Wochen) auch das unerwartete Ergebnis des NTP-Originals, demzufolge aus der exponierten Gruppe weniger Tiere durch Tod ausschieden als aus den beiden anderen Gruppen (Bild 4). Klares Schlusslicht bei der (vorläufigen) Überlebensquote waren die Ratten der Käfigkontrolle mit 86 Prozent.

Bild 4: Überlebensquote in den drei Gruppen (Japan).
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Die Todesursachen tot aufgefundener oder sterbenskrank erlöster Tiere waren:

► Nierenversagen; Nephropathie
► Nierentumor
► Unterhauttumor
► Zwölffingerdarmtumor
► Bauchspeicheldrüsentumor
► Hypophysentumor
► Milztumor
► Leukämie

Nicht in die Karten schauen ließ sich Katsumi Imaida, was die Verteilung und Häufigkeit dieser Todesursachen in den drei Studiengruppen angeht. Darüber verlor der Japaner kein Wort. Nachvollziehbar, denn so bleibt die Spannung in einer entscheidenden Frage der japanischen NTP-Replikation bis zum Schluss erhalten.

Damit ist der Zwischenbericht von der japanischen Replikation zu Ende. Weiter geht es mit der koreanischen NTP-Replikation, die von Young Hwan Ahn vorgestellt wird.

Berichtigung: Die 2-Jahre-Studie starte nicht wie ursprünglich geschrieben mit 70 Ratten pro Gruppe, sondern mit 75. Nach 14 (von 104) Wochen wurden jeder Gruppe fünf Tiere für die genotoxikologischen Tests entnommen, so dass pro Gruppe 70 Ratten (und nicht 65) die 2-Jahre-Studie absolvierten. Der Fehler wurde am 13. Juni 2023 im Text oben berichtigt.

Wird fortgesetzt ...

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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