ICBE-EMF-Website in 32 Sprachen: ein strategischer Fehler (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 15.04.2023, 01:33 (vor 366 Tagen) @ H. Lamarr

Anton Müller

Da ist dein Translator übers Ziel hinaus geschossen. Im Original ist der Müller Anton ein Kanadier und heißt Anthony Miller.

ICBE-EMF will die Welt erreichen und hat deshalb auf der Website oben rechts ein Pull-Down-Menü zur Sprachauswahl. Wer dort "German" auswählt wird mit lustigen Übersetzungen von Namen belohnt, z.B. mit Heinrich statt Henry Lai und mit Johannes statt John Frank. Am schlimmsten trifft es Carl Blackman, der zum Karl Schwarzmann wird :-).

Wenn ICBE-EMF sozusagen einer Art Icnirp 2.0 werden will, halte ich das Adressieren der Weltbevölkerung mit miserablen Automatenübersetzungen für einen strategischen Fehler. Denn bei Wissenschaftlern in aller Welt darf man ausreichende Englischkenntnisse voraussetzen.

ICBE-EMF will, wenn ich's richtig verstanden habe, als Alternative zu Icnirp für tiefere EMF-Grenzwerte eintreten. Die Zielgruppen sind daher zuerst nationale Wissenschaftler, die es zu überzeugen gilt und dann nationale/regionale Politiker, welche die Empfehlungen der ICBE-EMF in rechtlich verbindliche Grenzwerte umsetzen sollen. Die Weltbevölkerung hat bei diesem Prozess, so er sie überhaupt interessiert, die Rolle des staunenden Zuschauers. Wie das funktioniert hat Icnirp in den vergangenen 30 Jahren erfolgreich vorgemacht, ICBE-EMF müsste es nur nachmachen.

Wenn die Icnirp-Alternative jedoch offensichtlich die Weltbevölkerung ansprechen will bedeutet dies, dass sie Druck von unten auf die Politik ausüben möchten. Doch wer dies nötig hat, hat in aller Regel keine überzeugenden Argumente und muss deshalb versuchen, mit anderen Mitteln seine Ziele zu erreichen. Unter dieser Maßgabe sehe ich die 32 Sprachen, in die sich die ICBE-EMF-Website übersetzen lässt, als einen verräterischen Populismusmarker, welcher der Icnirp-Alternative mehr schadet als nutzt. Will die ICBE-EMF ernst genommen werden und nicht schon den Start vermasseln, muss sie mMn überzeugende Argumente im Köcher haben und die auf ihrer Website allein in der Wissenschaftssprache Englisch seriös verkaufen – sonst nichts.

Der Gegner Icnirp ist stark, hat einen gewaltigen Vorsprung und denkt nicht daran, mit ICBE-EMF niedrigere EMF-Grenzwerte auszuhandeln. Der Münchener Verein ist nicht kompromissbereit. Denn aus seiner Sicht liegt die Wahrheit eben nicht irgendwo in der Mitte zwischen den gegensätzlichen Positionen. Wer einen herausfordert, der so selbstbewusst ist, muss mindestens genauso viel auf dem Kasten haben wie der Titelverteidiger und darf sich keine Blöße geben.

Dazu gehören auch Kleinigkeiten wie eine ordentlich gemachte Website. Da hat ICBE-EMF noch mehr zu tun als die babylonische Sprachverwirrung zu beseitigen. Eine gründliche Korrekturlesung scheint mir angebracht, denn wenn in den "Terms of Use" an Postion "5. Intellectual Property Information" unter dem totalen Urheberrechtsanspruch noch die berechtigte Frage eines aufmerksamen Korrekturlesers steht ...

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... dann ist das kein Beinbruch. Es ist jedoch unprofessionell, hat etwas mit Respekt gegenüber den Besuchern der Website zu tun und weckt erste Zweifel, ob die Kommissionsmitglieder bei wissenschaftlich relevanten Sachverhalten möglicherweise ebenfalls nicht die nötige Gewissenhaftigkeit walten lassen. Wer's nicht glaubt möge sich ausmalen, wie er reagiert, entdeckt er bei der feierlichen Übergabe des sündhaft teuren Neuwagens einen kleinen Kratzer auf der langen Motorhaube ...

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Dilettantismus, Druck, Graswurzelbewegung, ICBE-EMF


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