Paris mit 5G: Vorsorgewert von 5 V/m wird weit unterschritten (Technik)

H. Lamarr @, München, Samstag, 20.03.2021, 15:44 (vor 618 Tagen) @ H. Lamarr

In Frankreich sind momentan 29'012 5G-Funksysteme (Antennen) genehmigt und zum Teil in Betrieb:

16'893 im 2,1-GHz-Band
16'338 im 3,5-GHz-Band
15'781 im 700-MHz-Band

Hinzu kommen 72'430 2G-Antennen, 164'837 3G-Antennen und 260'553 4G-Antennen.

Von diesen insgesamt 526'832 Antennen in Frankreich und seinen ausländischen Besitzungen sind 66'121 genehmigt oder im Bau, 13'308 sind errichtet aber noch nicht am Netz und 447'403 sind in Betrieb.

Frequenzblöcke im 700-MHz-Band wurden in Frankreich bereits 2015 versteigert, die Auktion für das 3,4-GHz- bis 3,8-GHz-Band brachte im September 2020 rd. 2,8 Mrd. Euro ein. Glaubt man diesem Bericht, hat Frankreich für die Vergabe von 5G-Lizenzen einen anderen Weg gewählt als Deutschland oder Italien, wo stärker auf die Maximierung der Einnahmen gesetzt wurde. Die Regulierungsbehörde Arcep (Autorité de régulation des communications électroniques et des postes), die die Auktion durchgeführt hat, wollte ausdrücklich verhindern, dass sehr hohe Gebote die Fähigkeit der Bieter zu investieren zu stark beschneiden.

Die Messsonden, mit denen in französischen Städten die Immissionsveränderung infolge 5G protokolliert wird, wurden gemäß ANFR bereits im März 2020 in Nantes und Marseille in Betrieb genommen und in der Nähe von 5G-Antennen getestet. Seit dem 13. November 2020 gibt es die Sonden auch in Paris und seit dem 8. Dezember 2020 in Bordeaux. Im Laufe der kommenden Monate will die ANFR weitere Städte in die Überwachung aufnehmen.

Paris seit 19. März 2021 mit 5G im 3,5-GHz-Band

In Paris wurde 5G nach Auskunft der ANFR am 19. März 2021 in Betrieb genommen, aller Wahrscheinlichkeit nach sind damit Funkmasten im Frequenzbereich 3,4 GHz bis 3,8 GHz gemeint, denn auf niedrigeren Frequenzen ist 5G in Frankreich schon länger in Betrieb.

Am Starttag waren in Paris 1'222 Mobilfunkstandorte mit 5G genehmigt, 364 davon waren technisch betriebsbereit.

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Neue Pariser Mobilfunk-Charta verabschiedet

Der 5G-Inbetriebnahme in Paris vorausgegangen war im Februar 2021 die Einigung der französischen Hauptstadt mit den Mobilfunknetzbetreibern auf eine neue 21 Empfehlungen umfassende Pariser Mobilfunk-Charta. Die zuletzt 2017 für Paris ausgehandelte Senkung des Vorsorgewerts von 7 V/m auf 5 V/m (indoor, gemittelt über 24 Stunden), hat weiter Gültigkeit.

Unspektakuläre Messwerte der zehn Pariser Messsonden

Welche Immission die derzeit zehn Messsonden in Paris messen kann man sich <hier> ansehen. Die gemittelten Messwerte sind samt und sonders belanglos niedrig (< 2 V/m) und keine der Sonden zeigte nach dem 19. März eine nennenswerte Immissionsveränderung gegenüber älteren Messungen. Unklar ist allerdins, ob die Sonden bereits im Nahfeld eines 5G-Breitband-Standorts messen und unter welchen Bedingen sie dies tun (z.B. Montagehöhe einer Sonde). Alles deutet momentan jedoch darauf hin, dass die von Mobilfunkgegnern angekündigte extrem starke Exposition der Bevölkerung durch 5G nur eines der szenetypischen Schauermärchen ist. Mobilfunkgegner orientieren sich gerne an dramatischen Spitzenwerten einer Immission, auch wenn diese nur Sekundenbruchteile andauern. Maßgebend für die Immission sind jedoch wegen der Thermoregulation von Menschen seit eh und je zeitlich gemittelte Messwerte. Die Messsonden erfassen ständig die Immission, mitteln die Messwerte über 6 Minuten hinweg und geben daher pro Stunde zehn Ergebnisse aus.

Wer Zweifel hat kann ab jetzt regelmäßig auf der verlinkten Seite nachschauen, ob und wie sich die gemessenen Immissionen im Verlauf der 5G-Netzverdichtung verändern. Da die Immission stark von der Tageszeit abhängt empfiehlt es sich, Vergleiche stets zum gleichen Zeitpunkt anzustellen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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